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F.A.Z.-Interview mit Hans Barlach : Enzensberger droht, Barlach legt nach

  • Aktualisiert am

Zur Miete: Suhrkamp-Klingelschild an der Villa in Berlin-Nikolaisee Bild: dapd

Im Streit um Suhrkamp hat der Autor Hans Magnus Enzensberger gedroht, den Verlag zu verlassen, sollte Minderheitsgesellschafter Hans Barlach die Geschäftsführung übernehmen. Barlach erhebt in einem Interview mit der F.A.Z. schwere Vorwürfe gegen Ulla Unseld-Berkéwicz. Zugleich zeigt er sich kompromissbereit.

          In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhebt Hans Barlach, Minderheitsgesellschafter des Suhrkamp-Verlags, weitere schwere Vorwürfe gegen Ulla Unseld-Berkéwicz und gibt Beispiele für die seiner Meinung nach unhaltbaren Zustände im Verlag. Dennoch zeigt sich der Hamburger Kaufmann kompromissbereit. Man sei zum ersten Mal an einem Punkt, an dem die Familienstiftung, die 61 Prozent der Anteile am Unternehmen hält, dessen Existenz gefährde, sagt Barlach. Er mache sich große Sorgen um die Zukunft Suhrkamps, dessen Struktur mit „großartigen Lektoren“ er erhalten wolle.

          Barlach fordert die übrigen Gesellschafter auf, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Sollte die Familienstiftung ihre Ausschlussklage gegen ihn zurückziehen, werde er wiederum das Gleiche mit der seinigen gegen die Mehrheitsgesellschafterin tun. Er sei gesprächsbereit und offen für einen Neubeginn.

          Dazu müsste Ulla Unseld-Berkéwicz weitgehend auf ihre jetzigen Funktionen verzichten. „Dann würde man die entsprechenden Beiräte und Gremien mit den richtigen Leuten besetzen, also mit Autoren und Beratern, die unabhängig agieren könnten und mit einem Vetorecht ausgestattet würden – ganz so, wie es Siegfried Unseld einmal geplant hatte“, sagte Barlach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Enzensberger droht, den Verlag zu verlassen

          Unterdessen hat der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger damit gedroht, den Suhrkamp Verlag zu verlassen, sollte Minderheitseigner Hans Barlach in Zukunft den Verlag führen. „Übernähme er die Geschäftsführung, so würde ich keine Minute bei Suhrkamp bleiben“, sagte Enzensberger der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der 83 Jahre alte Autor wirft Barlach vor, sich nie programmatisch über den Verlag geäußert zu haben und nur „vorhandene Copyrights“ ausschlachten zu wollen. „Da werden die Autoren nicht mitmachen. Weder die existierenden Verträge noch die Rechtsprechung lassen das zu. Herr Barlach scheint das nicht zu wissen.“ Andere Schriftsteller seien auch auf seiner Seite, sagte Enzensberger.

          Der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz stärkt Enzensberger den Rücken: „Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann.“ Nicht äußern wolle er sich hingegen zu den juristischen Auseinandersetzungen. „Das kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste man die Akten studieren und sich mit Mietverhältnissen und Heizungskosten befassen. Dazu fehlen mir Zeit und Lust“, sagte Enzensberger.

          Der Philosoph Jürgen Habermas hofft hingegen, dass die beiden Parteien im Rechtsstreit um die Führung des traditionsreichen Suhrkamp-Verlags aufeinander zugehen werden. Der Verlag bringe etwas hervor, was nicht beschädigt oder zerstört werden dürfe, sagte er an diesem Mittwoch in Düsseldorf auf einer Pressekonferenz zum Heine-Preis. Der 83-Jährige wird die Auszeichnung am Freitag entgegennehmen. Von 2002 bis 2003 saß er im Stiftungsrat des Suhrkamp-Verlags.

          In seinem Gespräch mit der F.A.Z. geht Barlach auch auf solche Vermittlungsaufrufe ein: Er strebe nicht selbst die Geschäftsführung an und sei an einer Lösung interessiert, die vor allem die Interessen der Autoren von Suhrkamp berücksichtige. Er könne sich vorstellen, wie sich die Situation entschärfen ließe, sagt Barlach: „Dazu müsste man sich auf einen Geschäftsführer einigen.“

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