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Steinbrück rezensiert Sarrazin Unpolitisch aufs Scheitern fixiert

 ·  Thilo Sarrazins Buch „Europa braucht den Euro nicht“ verleugnet die historischen Dimensionen Europas und bietet der Wirtschaftsunion keine Perspektiven.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (195)

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Nele  Karajlić

Herr Steinbrück, Sie begehen einen ideologiegetriebenen Denkfehler, ...

wenn Sie behaupten, Sarrazin sei nur auf Finanzen fixiert.
Nun erinnern Sie sich, wie sich die Bundesregierung unisono in der Vergangenheit bezüglich Finanzen geäußert hat:
"Ohne den Euro scheitert Europa", "Vorfahrt für Wachstum"...

Ihre Einschätzung bezüglich Sarrazin erweckt den Eindruck des "Doppeldenk": einerseits werfen Sie dem mit Fakten argumentierenden Sarrazin vor, er argumentiere nur die finazielle Seite Europas und vernachlässigt die kulturelle Vergangenheit, andererseits räumen Sie nicht ein, dass die Bundesregierung völlig machtlos vor der Finanzindustrie steht und dieser große Gefallen tut - ohne Rücksicht zu nehmen auf das zukünftige kulturelle und politische Miteinander der Europäer untereinander. Längst sind die Deutschen wieder imperiale Nazis, während die Griechen faul sind. Offensichtlich hat die eher politik der Bundesregierung zu VIEL Gewicht auf die finanziellen Aspekte Europas (Euro, der gewaltsame Kleber der Nationalstaaten) statt auf die historische.

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Werner Patzelt
Werner Patzelt (wpat) - 25.05.2012 18:23 Uhr

Fairness für Deutschland

"Hinzu kommt unabweisbar die moralische Hypothek aus den beiden Weltkriegen und dem Holocaust, die keine deutsche Regierung ignorieren kann und die sich nicht nonchalant wegdefinieren lässt" schreibt Steinbrück richtigerweise.

Herr Steinbrück möge aber auch berücksichtigen, daß es inzwischen die Enkel und Urenkel der Naziverbrecher sind, welche die BRD tragen. Außerdem, daß die deutschen Nachkriegsgenerationen bereits eine beachtliche Läuterung vorgelebt haben.

Die gegenwärtig lebenden Deutschen sind deshalb Menschen, deren PERSÖNLICHE UNSCHULD AN DEN NAZIVERBRECHEN auch "keine deutsche Regierung ignorieren kann und die sich nicht nonchalant wegdefinieren lässt."

Die deutschen Politiker müssen endlich beginnen, behutsam aber nachdrücklich endlich Fairness von unseren europäischen Freunden einzufordern.

Das, Herr Steinbrück, wäre knackiger Stoff für Ihre "neue Erzählung von Europa"!

Und außerdem, Europaidealismus hin und her:
"It's the economy, stupid".

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.05.2012 12:53 Uhr
Werner Patzelt
Werner Patzelt (wpat) - 26.05.2012 12:53 Uhr

"Naziverbrecher"

Frau Schreiber, sie haben Recht, ich hätte mich unmißverständlicher ausdrücken sollen, nämlich so:

"...es sind inzwischen die Enkel und Urenkel der GENERATIONEN, ZU DEREN LEBZEITEN DIE NAZIVERBRECHEN GESCHAHEN, welche die BRD tragen".

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Ellen Schreiber

Irgendwie gefällt mir Ihr Ton nicht, Herr Patzelt

Denn ich bin weder Enkelin noch Urenkelin von Naziverbrechern. Was auch immer Sie mit dem Ausdruck "...es sind inzwischen die Enkel und Urenkel der Naziverbrecher, welche die BRD tragen" meinen - ich verbitte mir von Ihnen solche Verallgemeinerungen, genauso wie ich mir dies von Politikern und Journalisten verbitte.

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Wolfgang Schlage

Vorsicht, dass nicht Demut in Respektlosigkeit umschlägt

Eine "besondere Verantwortung" ist immer ein zweischneidiges Schwert: die Sache sieht zunächst aus wie Demut, aber in ihrer Auswirkung wirkt sie oft wie Respektlosigkeit und kann zum Hochmut verleiten. Wenn die "besondere Verantwortung" jetzt dazu führt, dass halb Europa nach Deutschlands Pfeife tanzen muss (so empfinden es jedenfalls einige Griechen und Spanier) - ist das ein respektvoller Umgang? Herr Kauders Ausspruch, dass Europa jetzt deutsch spreche (was immer er dabei tatsächlich gemeint hat) - wirkt das nicht hochmütig?

Eine Haltung des aufgeklärten Eigeninteresses (welches m.E. ein echtes Interesse an einem funktionierenden Europa und an respektvollen Beziehungen zwischen den Ländern einschließt) halte ich für langfristig respektvoller den anderen gegenüber als diese zweischneidige "besondere Verantwortung".

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Dr. Andreas Frick

Enttäuschend

In den Ausführungen Steinbrücks kann ich leider keine stichhaltigen Argumente für den Euro finden. Er geht auf die ganzen offensichtlichen Probleme mit keinem Wort ein. Politisch ist das ja ganz nett, aber das reicht nicht. Mal abgesehen davon ist er als Rezensent keine gute Wahl. Zusammen mit seinem Adlatus Asmussen hat er den Bankensektor «erfolgreich» dereguliert und damit viele Probleme erst möglich gemacht. Bisher ist mir leider nicht zu Ohren gekommen, daß er sich da irgendwie selbstkritisch zeigt, und die SPD eine Rücknahme dieser Regelungen fordert. Deutschland sollte endlich aus dem EURO austreten und die DM wieder einführen. Das wird hart, aber wir können es schaffen. Wir müssen die Ausgaben massiv kürzen und endlich tilgen. Und weg mit IFRS, Bologna und den ganzen anderen «Reformen», die alles nur schlimmer gemacht haben. Wer kann, legt sein Geld schon jetzt im Ausland an, weil Deutschland momentan auf dem Kurs Griechenland 2.0 ist.

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Wolfgang Schlage

Herr Sarrazin, Herr Steinbrück und der Euro-Ausstieg

Richtig scheint Autor Steinbrücks Beobachtung, dass Herr Sarrazin keine Ausstiegsszenarien aus dem Euro entwickelt. Dies ist m.E. ein großes Problem, denn so ein Ausstieg ist keinesfalls einfach. Manche vertreten inzwischen die Auffassung, dass der Euro ein Fehler gewesen sein möge, aber dass das Auflösen der Eurozone noch viel teurer sei als ihre Erhaltung.

M.E. ist es deshalb nötig, konkrete, detaillierte Euroausstiegs- und -auflösungspläne zu entwickeln: Zeitpläne für nationale Bargeldversorung; Rückführung der Verantwortung von der EZB zu nationalen Notenbanken; Umstellung der Verträge, die auf Euro lauten, auf nationale Währungen (was passiert mit auf Euro lautenden Währungen zwischen Partnern verschiedener Länder oder aus Drittländern?, wer trägt ggf. die Währungsgewinne/-verluste?) usw. Ohne gute Planung werden diese riesigen Probleme sie noch riesiger.

Herr Steinbrück sollte solche Ausstiegspläne fordern - um für den Fall der Fälle Europa nicht noch mehr Schaden zuzufügen.

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Wolfgang Schlage

Verhältnis von Ökonomischem und Politischem

Autor Steinbrück kritisiert, dass Herr Sarrazin in seinem Buch die politischen Errungenschaften Europas ignoriere und sich nur auf die öknomischen Auswirkungen des Euro beschränke. Herr Steinbrück argumentert also, dass, selbst wenn der Euro ökonomische Probleme brächte, die politischen Vorteile der gemeinsamen Währung nicht ignoriert werden sollten.

Ja, wenn der Euro nur politische Vorteile hätte! Tatsächlich stellt es sich so dar, dass der Euro durch die von ihm verursachte und perpetuierte tiefe Wirtschaftskrise zur Delegitimierung europäischer Politik und europäischer Institutionen geführt hat und immer weiter führt und die europäischen Völker gegeneinander aufbringt. Ein Beenden des Euro ist nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern gerade aus europapolitischer Sicht notwendig.

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Hans-Lothar Fischer

Steinbrück hat nichts aus den letzten 20 Jahren gelernt

Die Politik hätte eigentlich aus der deutschen Währungsunion von 1990 lernen können. Es gab in dieser prekären Lage keine andere Möglichkeit, als die Unabhängigkeit der Bundesbank temporär außer Kraft zu setzen. Der Import von politischen Institutionen war wichtig, wenngleich das westdeutsche Regierungssystem sich eigentlich nur noch für die mittelmäßige Aufrechterhaltung des status-quo, aber nicht für den Neuaufbau eines verwüsteten Landes eignete. So ist die Angleichung der Lebensverhältnisse auch nach 20 Jahren nicht erreicht. Die europäische Währungsunion ist komplexer. Institutionelle Unterschiede zwischen den EURO-Ländern sind offenkundig. Auf eine unabhängige Zentralbank wurde aus politischem Kalkül verzichtet. Man verlässt sich auf die Hoffnung, dass sich in den PIGS-Ländern die institutionellen Rahmenbedingungen für funktionierende Volkswirtschaften irgendwann noch bilden werden. Daher kehrt sich Vorwurf („Unpolitisch aufs Scheitern fixiert“) gegen Steinbrück.

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Steffen Rupp

Große Vermögen- schwache Wirtschaft- oder: Was schert uns die Zukunft?

Sarrazin spricht unseren deutschen Vermögenden aus dem Herzen: wenn eine Rückkehr zur DM diese um 40% aufwerten lassen würde... dann wäre das doch ein toller Gewinn! Jedenfalls für die an Wählerzahl nicht zu unterschätzende Gruppe mit erheblichem Geldvermögen. Dass die deutsche Wirtschaft dann Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze einbüßt- interessiert diesen Personenkreis objektiv ja wenig. Denn unsere Vermögenden sind ja überwiegend im Rentenalter.

Die griechischen Vermögenden denken übrigens genau so. Sie wollen auch keine Abwertung ihres Vermögens, ihrer Renten und Mieten durch eine Wiedereinführung der Drachme hinnehmen. Denen ist eine Jugendarbeitslosigkeit von 50% auch ziemlich egal.

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Paul Banaschak

Viele Menschen sind nicht für ihre mangelnde Intelligenz verantwortlich

wenn aber einer glaubt, dies ständig lauthals hinausschreien zu müssen, ist er sehr wohl für diesen Unsinn verantwortlich.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2012 10:09 Uhr
Paul Banaschak

also Herr Steinbrück, in Zukunft nicht mehr so laut

hinausschreien.

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Helga Zießler

"Die europäische Integration ist die Antwort auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts

...und auf das 21. Jahrhundert" schreibt Steinbrück und von "der Unvorstellbarkeit kriegerischer Konflikte zwischen europäischen Staaten, wenn denn die Lektionen der europäischen Geschichte an nachfolgende Generationen weitergegeben und nicht in einem platten Ökonomismus verschwinden".
Solche Beispiele lassen sich viele finden in diesem Pamphlet gegen Sarrazin. Und wenn Steinbrück dann noch den Deutschen vorwirft, dass sie "der D-Mark und mit ihr einer vermeintlichen Stabilität nachtrauern, in der EU ein bürokratisches bürgerfernes Monster sehen und von den 'Pleite-Griechen' die Faxen dicke haben" - dann soll das wohl heißen, die dummen Bürger haben damit unrecht?Was meint St. damit, dass die EU die Antwort auf das 21. Jahrhundert sei? Das hat doch gerade erst begonnen. Und der vielbeschworene ewige Friede dürfte sich schnell als Illusion herausstellen, wenn nicht erst die nachfolgenden Generationen feststellen, dass sie von den jetztigen Politikern verkauft und verraten wurden.

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Uta Vandeloh
Uta Vandeloh (vandel) - 24.05.2012 22:40 Uhr

Herr Steinbrück, wenn die Isolation Deutschlands durch den Versailler 'Vertrag'

der Auslöser der Katastrophe war (Zustimmg!), dann ist die heutige "alternativlose" Einbindung sprich Ausschöpfung D.s in der EU nichts Anderes!
Vor D fürchtet man sich schon lange nicht mehr, warum auch? frz. und brit. Atombomben vor unserer Tür reichen. Man will nur nicht zusehen, wie dieses Land floriert. Zwecks schneller Teilhabe nutzt man die Erfahrung, dass die deut. Schuld sich auch nach 70 J. der Bußfertigkeit noch beliebig ausdehnen und nutzen lässt.
Um das "Erbe der Aufklärung" und die "wunderbare kulturelle Vielfalt" in Europa zu schützen, brauchen wir keinen ESM. Und wenn ich den Mangel an demokrat.Legitimation seit Einführg des Euro, das Schweigen der Politik und ihre penetranten Meinungsvorgaben betrachte, bekomme ich einen Vorgeschmack von der Meinungs- und Pressefreih. unter einem unantastbaren Gouverneursrat.
Nein, es geht nicht um die Menschen (sonst hätte man sie gefragt), es geht um Macht. Und dazu braucht man das "wiedergutmachende" Deutschland.

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kilian foerster

Grotesk und verlogen.

"Hinzu kommt unabweisbar die moralische Hypothek aus den beiden Weltkriegen und dem Holocaust, die keine deutsche Regierung ignorieren kann und die sich nicht nonchalant wegdefinieren lässt." so Steinbrück. Mit dem Holocaust "Hilfskredite" an Griechenland zu rechtfertigen, ist nur noch geschmacklos und vollkommen absurd. Insbesondere vor dem Hintergrund der millardenschweren deutschen Rüstungsexporte nach Griechenland. Hätte nicht von Steinbrück erwartet, dass er so platt argumentiert.

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Filip Tuma

Dass Herr Steinbrück aus der Debatte politisches Kapital

schlagen will, ist ein überflüssiger Vorwurf, der sich durch den Großteil der Leserbeiträge hier zieht. Seine Argumentation ist sicher nicht gegen Kritik gefeit, aber wesentlich trauriger finde ich Vorsitzende deutscher Volksparteien in Regierungsverantwortung, die über Plattitüden und Wegducken nicht hinauskommen.

Generell überkommt mich ein Unwohlsein, angesichts der triefenden Polemik, die sich durch diese Leserdebatte zieht - so hänge doch der Herr Steinbrück bitte bitte keine Holocaust-Mühlsteine um die Hälse unschuldiger Spätgeborener. Ausfälle gegen Griechen finden hier auch oft eine solche Form, dass mich Zweifel überkommen, mit welchen Lesern ich mir diese Zeitung eigentlich teile.

Ich maße mir nicht an, eine abschließende Position zum Thema Euro zu beziehen. Aber gerade die häufige Forderung hier, Politiker sollen ihre Meinung bitte niemals ändern, ist ein Mißverständnis des Verwendungszwecks von Gehirnen.

Vieles hier ist mir allzu ökonomistisch. "Smith & Marx, Amen."

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2012 08:32 Uhr
Paul Banaschak

ich bin 1958 geboren - weder Früh- noch Spätgeburt

wen meinen sie denn mit Spätgeborenen?
Ist nicht das schon eine Plattitüde?
Wollen sie mir eine Erbsünde andichten?
Wer polemisiert hier also? Sie oder die Foristen hier?
Und es zwingt sie niemand, die Meinung anderer Leser zu teilen. Die Leser der FAZ sind aber zum grossen Teil gut informiert über die EUR-Auswirkungen und haben diese auch schon vor zwei Jahren - oder wie in meinem Falle vor ihrer Einführung vorhergesagt.
Bin ich, weil ich mit meiner Aussage damals richtig lag, nun ein ausfallender Mensch?

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Alexander Neumann

Nicht "bitte bitte"

"so hänge doch der Herr Steinbrück bitte bitte keine Holocaust-Mühlsteine um die Hälse unschuldiger Spätgeborener."

Das "bitte bitte" können Sie getrost streichen. Er hat kein Recht dazu und es daher zu lassen.
Für die Katastrophe von damals kann ich nichts. Menschen die damals gelebt haben kann man ja noch das Wegsehen vorwerfen, ich bin selbst dafür weit über 40 Jahre zu spät dran. Ich muss mir sowas nicht anhängen lassen nur weil ich mal zufällig zig Jahre später im gleichen Land geboren wurde.

Oder wollen Sie das Gegenteil vielleicht mal argumentativ belegen?

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Nicolas Neuß
Nicolas Neuß (nneuss) - 24.05.2012 20:13 Uhr

Nichts tun

Sie werfen Herrn Sarrazin vor:
"Über den Dreiklang "Begrenzung der Target-Salden zwischen den nationalen Notenbanken, gleich hohe Qualität von Sicherheiten im Währungsraum und Rückkehr der EZB zur ausschließlichen Sicherung der Geldwertstabilität" hinaus finden sich in diesem Buch keine weiteren Handlungsempfehlungen."
Wahrscheinlich ist der Grund dafür recht simpel: Die Politik muss vielleicht gar nichts weiter tun, als sich an bestehende Gesetze und Regeln zu halten, anstatt mit Steuergeldern und Rechtsbrüchen die Schneeballsysteme der Banken (2008-) und Schuldenstaaten (2010-) zu retten.

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Thomas Richers
Thomas Richers (Minusio) - 24.05.2012 19:25 Uhr

Ratlos

Diese Rezension hätte es verdient, dass sie jemand nochmals mit glättender Hand durchliest, ehe sie veröffentlicht wurde.

Viele Leserbriefe und ein nicht geringer Teil der Nachwuchspolitiker, aber auch Talkshow-Onkels wie Olaf Henkel lassen einen mit Schrecken erkennen, dass die wichtigste Begründung für die einzigartige europäische Integrationsleistung der Nachkriegsjahre - wie sie Peer Steinbrück richtig beschrieben hat - in Vergessenheit zu geraten droht.

Mitschuldig am Vergessen sind prinzipienlose, "provinzielle" (Zitat Soros) Machtmenschen wie Angela Merkel, die nicht erklären, weshalb sie wohin wollen, also nicht führen. Damit überlassen sie die Sinnstiftung der europäischen Integration den Stammtischen. Das ist verwerflich.

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Ellen Schreiber

Mich würde interessieren

worauf sich der gute Herr Steinbrück soviel einbildet. Etwa auf seine kaum wahrnehmbare Fachkompetenz in Sachen Währungsunion? Muß er diese Kompetenz aus ideologischen Gründen verstecken? Oder hat er am Ende gar keine? Oder bildet er sich etwas darauf ein, in einer Umfrage irgendwann einmal als angeblich zweitbeliebtester Politiker aufgetaucht zu sein? Solche Umfragen haben ungefähr soviel Aussagekraft wie das Ranking bei DSDS.
Woher nehmen diese ganzen zweit- und drittklassigen deutschen Politiker das Recht und diese Selbstherrlichkeit, unsere berechtigten deutschen Interessen derart mit Füßen zu treten und uns dabei auch noch ganz frech anzulügen? Und wenn das nichts mehr nützt, mit dem erhobenen Zeigefinger etwas von "Buße" und "Solidarität" gegenüber ganz Europa zu schwafeln? Ein Vorkommentator hat es gut beschrieben: Diese Politiker fühlen sich bereits als supranationale Herrscher, und bei diesen Allmachtsphantasien stört das eigene Volk bloß.

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Alexander Neumann

Was gehen mich 45 und 89 an???

Entschuldigen sie, aber ich kann es bald nicht mehr hören. Wie schulden Europa wegen 45 und 89 gar nichts, vor allem meine Generation nicht. Ich bin Mitte der 80er geboren.

Ich befinde mich gerade in der Phase wo man noch ohne großes Eigentum erstmal für Hausbau Familie und Co ordentlich sparen muss.

Und ich soll jetzt doch bitte einesehen, dass wir Europa dankbar für 45 und 89 zu sein haben und daher die völlige Verrammschung unserer Ersparnisse, die gerade derzeit das enzige sind was viele Menschen meiner Generation bisher überhaupt haben, zu aktzeptieren haben?

Die Utopie einer geeinten EU und eines tollen Euro sind es wert ganze Generationen (wir, die nur inflationsabhängige Sparguthaben besitzen aber auch zB die Rentner) zu "verkaufen"?

Voller Verzicht auf ESM und target Forderungen dafür ab sofort kein Cent Zahlung mehr. Nur weil er einem nicht passt kann man nicht einfach behaupten das wäre gar kein Vorschlag.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.05.2012 19:43 Uhr
Uta Vandeloh
Uta Vandeloh (vandel) - 25.05.2012 19:43 Uhr

@Hans Fulf

Ich denke, es geht hier nicht um das Ignorieren von Geschichte, sondern
um das Ausbeuten von geschichtlicher Schuld. Ich wäre froh und dankbar,
wenn alle kriegführenden Länder dieser Erde, so wie Deutschland, aus ihren
Fehlern gelernt, ihre Opfer entschädigt und weitere Kriege vermieden hätten.
Dem ist leider nicht so. Als Sieger benutzt man das bußfertige Deutschland
zum Einen als Projektionsfläche zum Verdrängen eigener Schuld und zum Anderen für nicht endende Forderungen zum eigenen Nutzen.

Wenn Sie im Zusammenhang mit Preußen, den Jahren 1848 (Erstes gesamtdeutsches Parlament) und 1871 (Gründung des Deutschen Reiches) und den "zwei deutschen Pleiten" vom vereinigten Europa sprechen, was haben Sie dabei im Sinn?
Dass wir die Mühen unserer Vorfahren vom 9. bis zum 19. Jahrh. vergessen sollten?
Gerade das Jahr 1848 (freiheitl., nationale Bestrebungen) sollte vor einer zwangsweisen Vereinigung Europas warnen! Der 70 J. währende Frieden wäre
dahin.

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Hans Fulf
Hans Fulf (laertes87) - 25.05.2012 01:28 Uhr

Was geht mich überhaupt irgendwas an?

Entschuldigen Sie, aber ich kann es auch nichtmehr hören. Dauerndes Gejammer darüber, dass es in der Vergangenheit irgendwas gab, wofür wir Deutschen angeblich nochimmer leiden müssten. Ich bin übrigens auch Mitte der Achtziger geboren.

Zum ersten: Sie müssen also "ohne großes Eigentum" eine Familie aufbauen etc. Das klingt für mich ein wenig ähnlich der Situation der Generationen vor unserer. Scheinbar ist es eine geschichtliche Konstante, dass man als junger Mensch recht wenig hat.

Zum zweiten: Die "Utopie" eines einigen Europas ist es mehr als wert, "ganze Generationen" zu verkaufen! Denken Sie mal an die Preußen, war es denen nicht wert, sogar Krieg zu führen, für ein Hirngespinst, eine Illusion, ein Phantasmagoria, schlicht: eine Utopie, die "Deutschland" hieß? Oder die 1848er? Achso, stimmt, wahrscheinlich geht Sie ja auch 1848 und 1871 nichts an. Oh, verflixt! Das heisst ja auch, dass Sie irgendwie vergessen haben, dass sogar Deutschland mind. zweimal pleite gegangen ist.

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Reinhard Kropp

@Hartmut Albrecht, Was an Steinbrücks Suada lesenswert sein soll...

...erschließt sich mir nicht: Stellt man auf die historische Dimension Europas ab, könnte man eher die Unbelehrbarkeit der Dauerpleitegriechen hinterfragen - und von ihnen einen entsprechenden Beitrag zum Funktionieren der Union einfordern. Wenn Steinbrück noch historische Schuld abzutragen hat, kann er dies getrost tun - aber bitte nicht mit meinem Geld, und bitte nicht an Banken oder Griechen et.al.

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Hartmut Albrecht

Bei Jauch versuchte Steinbrück, Sarrazin zum Deppen zu machen

in der FAZ gelingt ihm dann ein lesenswerter, nicht unausgewogener Artikel. Blöd nur, daß die Masse allenfalls einer Jauch-Sendung zu folgen vermag. Naive Gemüter rechnen jetzt vielleicht damit, die von Steinbrück zustimmend hervorgehobenen Punkte Sarrazins im Bundestag zu erleben, wenn der ESM durchgewunken werden soll. Das wird aber nicht geschehen.

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Rolf-Dirk Maehler

"Mein Generaleinwand gegen dieses Buch lautet, dass es geschichtsvergessen und perspektivlos ist."

Dieser Satz ordnet die Kritik von Peer Steinbrück an Thilo Sarrazins Buch genau ein. Bei dem Euro handelt es sich nicht um eine Frage der Geschichte, sondern ausschließlich um eine Währung von der viele Völker Europas abhängig sind. Auch der Hinweis von Helmut Schmidt : „Wer dies nicht verstanden hat, dem fehlt eine unverzichtbare Voraussetzung für die Lösung der gegenwärtig höchst prekären Krise Europas“ im Zusammenhang mit Weltkriegen und Holocaust ist auch wenig sachorientiert. Fakt ist nun mal, daß diejenigen die sich Euro ausgedacht haben, viele grundsätzliche Fehler im Zusammenhang mit dem Management einer Währung gemacht haben und den Preis dafür bezahlen jetzt schon viele Menschen in der Währungsgemeinschaft durch Rückfall in Armut. Auch in Deutschland können immer mehr Menschen nicht von ihrer Arbeit leben. Das hat damit zu tun, daß der Euro zu einer dramatischen Verteuerung des täglichen Lebens geführt hat. Geschichte ist nicht gefragt, weil man sich dafür nichts kaufen kann.

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 24.05.2012 19:20 Uhr
Rolf-Dirk Maehler

@ otto sundt (drto) - Fragen Sie mal die Menschen, die ihr Geld im Niedriglohnsektor verdienen

Ich kann mich noch erinnern, daß man auch mit niedrigen Einkommen ein menschenwürdiges Leben führen konnte. Heute faselt man von Mindestlohn anstatt den Ursachen der Problematik auf den Grund zu gehen. Und auch wenn es Vielen nicht gefällt, der Euro steht auf der Liste ganz oben: Die Gelddruckmaschine ist seit Einführung des Euro immer munter in Betrieb. Und jeder mit einer volkswirtschaftlichen Minimalbildung weiss, daß das immer zu einer Verteuerung der Waren führt, auch Inflation genannt. Auch wenn unsere Politikkünstler uns einreden wollen, daß lt. statistischem Bundesamt die Inflation sehr niedrig ist, dann verweise ich nur auf die willkürliche Zusammensetzung des Warenkorbs. Außerdem kann man das Geldwachstum auch im EZB-Bericht nachlesen.

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otto sundt
otto sundt (drto) - 24.05.2012 17:47 Uhr

Verteuerung

Zur Verteuerung hat in erster Linie nicht der Euro beigetragen sondern der 1997 geäußerte wunsch der Grünen, das Kilo Rindfleisch möge doch bittesehr 70 DM kosten, Benzin und besonders Flugbenzin, sowie der Strom, damit man physikalische Unmöglichkeiten finanzieren kann. Nicht der Euro hat alles teurer gemacht, sondern der west-ost Transfer der DM und die anschließende rot-grüne Energiepolitik mit denen die zuvor geäußerten Wünsche verwirklicht wurden. Der Euro hat eher dazu beigettragen, dass die Außenwirtschaft, der bei volkswirtschaftlichen Laien unbeliebteste Teil der Wirtschaft, nicht schon zu Schröders Zeiten zusammenbrach. Noch heute herrscht hier die Illusion vor, dass die Kostenentwicklung im Energiesektor, seit 1995 eine Steigerung um 170%, keine Auswirkungen auf die allgemeine Preissentwicklung hat

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Jan Poppe
Jan Poppe (Kwich) - 24.05.2012 15:27 Uhr

Historische Schuld??

Es gibt den schönen Satz:

"Im Heute leben, für die Zukunft planen mit Wissen welches wir aus der Vergangenheit mitgenommen haben."

Meine Aufgabe ist es (wenn mir dies möglich ist ohne Gefahr für mein Leben und das meiner Angehörigen => Recht auf Leben sollte man jedem schon gewähren) zu verhindern, dass eine rechts bzw. links faschistische Diktatur oder auch eine andere Form von menschenverachtender Minderheitenregierung (ohje was schreib ich nur, klingt gruselig aktuell) wieder Leid nach Deutshcland oder Europa bringt.

Ich habe weder moralisch noch faktisch eine Schuld abzutragen aus den Leiden, die meine Vorväter verursachten! (Sippenhaft ist nicht zu unrecht verboten!)

Und noch was: das Generationenmodel ist auch verkorkst! Die ältere G. hat immer für sich selbst und ihre Kinder zu sorgen! Ich auch! Trotzdem ist meine Generation dafür vorgesehen für Ihre Eltern, sich selbst und ihre Kinder zu sorgen. Ich freu mich!

Generation X! Wenn es mal "Triple-X" wäre....

Kwic

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