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Simenon-Staffel 2 : Tropenkoller

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

Außer seinen 75 Maigret-Romanen hat Georges Simenon auch 140 andere geschrieben, in denen der Kommissar keine Rolle spielt. 50 von ihnen erscheinen nun in revidierter Übersetzung. Tilman Spreckelsen liest mit und hat nach seinem Maigret-Marathon die Simenon-Staffel begonnen.

          Im Sommer 1932 bereiste Simenon Ägypten, den Sudan, Belgisch-Kongo und Gabun. Er muss sich sehr fremd gefühlt haben, und er war sichtlich fasziniert von Menschen, die er abseits der großen Siedlungen der Europäer antraf. Sehr merkwürdig aber der Roman, den er nach seiner Rückkehr im nordfranzösischen Herbst verfasste. Je weiter sich Simenon von seinem Reiseziel entfernte, so scheint es, umso bedrohlicher erschien es ihm.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Geschrieben: Herbst 1932, in Marsilly bei La Rochelle (auf dem Gut La Richardière).

          Die Handlung in einem Satz: Ein junger Franzose namens Joseph Timar sucht das Glück in Gabun, findet so etwas wie Liebe und muss das Land Hals über Kopf verlassen, um sein Leben und den Rest seiner Würde zu retten.

          Spielt in: Libreville und dem Hinterland von Gabun.

          Momente des Glücks: Eine Fahrt den Fluss hinab, der Gesang der Ruderer, eine leise Ahnung von Harmonie und Zugehörigkeit.

          Familienbande: Sein Onkel schickte Joseph Timar nach Afrika, um eine ganz unsinnige Stelle bei einer Handelsgesellschaft anzunehmen - absichtlich? Unwissend? Am Ende steht Timar wieder an Deck eines Schiffes, dass ihn nach Frankreich zurückbringen wird, wo er seine propere, jedem Wahnsinn abholde Cousine heiraten wird. Die Familie kümmert sich um ihn, ob er will oder nicht.

          Konsum geistiger Getränke: Champagner, Whisky und mehr. Timar trinkt sich an Bord des Flussbootes sehenden Auges in einen folgenreichen Rausch hinein.

          Der Korpsgeist der Weißen

          Stereotypen werden nicht besser, wenn sie als defizitäre Perspektive gezeichnet sind. Anders gesagt: Was in diesem Roman von den Europäern in Bezug auf die Einheimischen behauptet und getan wird, ist unerträglich. Ein widerlicher Korpsgeist der weißen Männer sorgt dafür, dass man gemeinsam die Schwarzen mit einiger Verachtung und Grausamkeit behandelt, ohne dass die schlimmsten Auswüchse wirklich geahndet würden. Und Timars Aufbegehren dagegen, nach langem Ringen mit sich selbst begonnen, zeigt keine große Wirkung.

          Lieblingssatz: „Er lag in der Mitte dieses weichen Käfigs und lauschte den Geräuschen, dem Vibrieren der Luft und versuchte herauszufinden, woher diese Geräusche kamen und warum im nächsten Augenblick wieder alles ganz still war.“

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