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Veröffentlicht: 17.07.2006, 07:54 Uhr

Sex-Hexe LaSara FireFox Fußsohlenlecken im Kerzenschein

LaSara FireFox, eine hübsche Frau, deren Alter man nicht kennt, begreift sich als „Sexerzieherin“. Ihr Buch „Sexy Witch“ ist ein Bestseller und ihre Website eine gefragte Quelle für Hinweise, wo entlang es zum besseren Leben geht.

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© LaSara FireFox Sie weiß Rat: LaSara FireFox

Die Hexe bietet uns den Apfel an, der schon Adam ins Verderben riß („die verbotene Frucht steht für alles, was wir zwar wünschen, aber außerhalb des für uns moralisch Annehmbaren vermuten“); sie lehrt uns neue Dankbarkeitsgebete an die guten Geister („Danke, daß ich heute die U-Bahn noch erreicht habe“, „Danke für die Mittagspause“); sie empfiehlt, das Liebesmahl mit Leckereien, Wasser und Wein zu schmücken, die man gar nicht unbedingt verzehren, sondern nur segnen soll, um in Stimmung zu kommen.

Dietmar Dath Folgen:

Die Hexe und Mutter (ihre beiden Töchter heißen „Aurora“ und „Solome“) LaSara FireFox ist eine hübsche Frau, eine lustige auch, eine kluge, deren Alter man nicht kennt. Sie weiß, wie man richtig haucht, blinzelt und gurrt, begreift sich als „Sexerzieherin“ und erklärt daher, wie man Kerzen ordentlich anzündet und sich dann im Schein des Flackerfeuerchens gegenseitig die Fußsohlen ableckt, bis man lachen muß.

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Wo kommt sie her? Wieso ist ihr Buch „Sexy Witch“ ein Bestseller und ihre Website www.lasara.us eine gefragte Quelle für Hinweise, wo entlang es zum besseren Leben geht? Weshalb strömen die Leute in ihre Workshops über „Muschibetrachtung“, nehmen an ihren halböffentlichen Ritualen teil und lassen sich von ihr über Fasten und Völlerei unterrichten?

Bürgerlich, industriell und vernünftig

Um das zu verstehen, muß man ein bißchen tiefer in die Kiste mit den Kulturkenntnissen greifen, als bei der weitgehend geschichtslos denkenden Lebenshilfekundschaft üblich ist. Eine grobe Version der Zivilisationsgeschichte der letzten dreihundert Jahre geht so: Erst waren wir ständisch, landwirtschaftlich und spirituell, dann wurden wir bürgerlich, industriell und vernünftig. Das überzeugt; unglaubwürdig aber ist der Grund, den viele Deuter dafür angeben, nämlich daß man die Ergebnisse des von Galilei, Newton und den Aufklärern entworfenen und geförderten neuzeitlichen Denkens im Gegensatz zu denen des eher frommen und innerlichen der guten alten Zeit sehen, hören, riechen und anfassen kann.

Stimmt nicht: Ein unanschaulicheres, unsinnlicheres Leben als das unterm Regime der Warenwirtschaft und der abstrakten Lohnarbeit von den meisten Städtern heute gelebte läßt sich schwer vorstellen (Stichwort: „Entfremdung“). Der gesamtgesellschaftliche Reichtum der Moderne an Wissen, Können („Technik“) und Dürfen („Libertinage“) scheint den Massen nicht nur im Westen immer weniger erreichbar, denen man, weil das Geschäft der Vermehrung dieses Reichtums derzeit stark ins Stocken geraten ist, allerorten drohend erzählt, sie lebten bereits über ihre Verhältnisse - ideologisch gesprochen: „außerhalb des für uns moralisch Annehmbaren“.

Die verbotene Frucht ist der Luxus, den wir täglich im Fernsehen sehen. Wer uns, um der Beklemmung abzuhelfen, die das uneingelöste Genußversprechen erzeugt, den Rat gibt, den zum Gebrauchswert ertaubten Körper wiederzuentdecken, hat Erfolg: „Erlaubt uns“, sagt LaSara FireFox im Namen aller Hexen, „euch zu verwandeln.“ Nichts ist notwendiger - auch ohne Hokuspokus.

Quelle: F.A.Z., 17.07.2006, Nr. 163 / Seite 36

 

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