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Schauspielerbiographie : Das Geheimnis von Charlotte Rampling

  • -Aktualisiert am

Charlotte Rampling 1976, in dem Jahr, in dem ihre Schwester starb Bild: SZ Photo

Man weiß kaum etwas über sie: Charlotte Rampling. Die Schauspielerin gilt als zurückgezogen und privat. Doch jetzt hat sie ihre Autobiographie veröffentlicht. Sie kreist um einen Verlust.

          Qui je suis - wer ich bin. So ist die schmale Autobiographie der Schauspielerin Charlotte Rampling betitelt, die vor kurzem in Frankreich erschienen ist. Es ist die erste Autobiographie, die es von ihr gibt. Zuvor hat sie einmal ein Buch über ihr Leben, das mit ihrer Hilfe hätte geschrieben werden sollen, verhindert, weil ihr die Vorgehensweise der Autorin zu indiskret war. Man weiß in etwa so viel über ihr Leben wie ein Wikipedia-Eintrag hergibt. Britische Schauspielerin. 1946 geboren. Zwei Söhne. War mal mit dem französischen Musiker Jean Michel Jarre verheiratet. Lebt in Paris. Antwortet auf Interviewfragen gerne mal mit „Ich weiß es nicht“. Ihr letzter Lebensgefährte, der französische Medienmann Jean-Noël Tassez starb vor wenigen Wochen nach schwerer Krankheit.

          Es ist bekannt, dass ihr Vater, ein blendend aussehender Offizier (der hundert Jahre alt wurde), 1936 bei der Olympiade in Berlin eine Goldmedaille im Staffellauf gewann. Dass ihre Mutter malte. Und dass Charlotte Rampling in Frankreich zur Schule ging. Und natürlich kennt man ihre Filme, zumindest die erfolgreichen (wenigstens dem Titel nach). „The Night Porter“, jenes schwer erträgliche Post-Holocaust-Stockholmsyndrom-Drama, das sie 1974 international bekannt machte, nicht zuletzt wohl deshalb, weil sie darin oben bis auf Hosenträger ohne und mit Nazi-Mütze auf dem Kopf ein trauriges deutsches Lied singt.

          Eine Symphonie hinter den Augen

          Oder „Stardust Memories“, 1980, einem eher flachen Woody Allen, in dem Rampling dessen Exfreundin und nach wie vor Traumfrau spielt und gegen Ende eine zweiminütige Szene hat, in der in einer einzigen Kameraeinstellung nichts anderes passiert, als dass sie in einer Zeitung blättert und Woody Allen ansieht - und es ist ungefähr das Spannendste, was man sich anschauen kann. (Der ganze Film lohnt wegen dieser zwei Minuten.)

          Woody Allens Traumfrau in „Stardust Memories“ von 1980 Bilderstrecke
          Woody Allens Traumfrau in „Stardust Memories“ von 1980 :

          In „Max mon amour“ (1986), ist sie mit einem Affen zusammen (galt als skandalöses Sujet, aber, im Ernst, welcher Frau wäre das noch nie passiert).

          Dann natürlich, später, die Filme von François Ozon: „Sous le sable“, in dem am Strand plötzlich ihr Ehemann verschwunden ist; oder „Swimming Pool (2003), ein Kammerspiel zwischen ihr und der viel jüngeren Ludivine Sagnier. Ach, und in dem niederschmetternd schönen „Melancholia“ (2011) von Lars von Trier war sie Kirsten Dunsts Mutter.

          Momentan ist sie in „45 Years“ in den deutschen Kinos zu sehen. Es ist ein reichlich undramatisches Ehedrama, in dem sie eine Lehrerin im Ruhestand spielt, die kurz vor ihrem 45. Hochzeitstag plötzlich schmerzhaft daran erinnert wird, dass ihr längst weißhaariger Ehemann auch vor ihrem Kennenlernen schon geliebt hat. Und obwohl man sich den ganzen Film über fragt, was sie eigentlich mit diesem trutschigen Ehemann will, ist es dennoch wieder einmal faszinierend, ihr einfach nur zuzusehen. Es scheint immer so ungeheuer viel in ihr vorzugehen, so viel Interessantes, und wenn sie nur eine Tasse spült. Oder wie der Regisseur dieses Films, Andrew Haigh, es so viel schöner ausdrückte: „Was hinter diesen Augen vorgeht, ist wie eine Symphonie.“

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