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Sabine Cramer im Gespräch : „Ich kenne die Buchbranche nur klagend“

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Die neue verlegerische Geschäftsführerin des DuMont Buchverlags: Sabine Cramer. Bild: Foto DuMont

Digital ist nicht alles: Sabine Cramer, die neue Verlegerin des DuMont Buchverlags, erklärt im F.A.Z.-Interview, welche Pläne sie für den Kölner Verlag hat und warum sie sich vor Google oder Amazon nicht fürchtet.

          Schon wieder ein Wechsel an der Spitze des Kölner DuMont-Verlages, der dritte in vier Jahren: Im April 2009 hatte Lutz Wolff, zuvor Cheflektor beim Deutschen Taschenbuchverlag, die verlegerische Geschäftsführung übernommen, weil Marcel Hartges nach dem „Feuchtgebiete“-Triumph zum Piper Verlag wechselte. Nur ein Jahr später trennten sich die Kölner wieder von Wolff. Jo Lendle, zuvor Programmleiter Literatur bei DuMont, übernahm das Ruder.

          Ende des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Jo Lendle im Herbst 2013 als Nachfolger Michael Krügers an die Spitze des Hanser-Verlags wechselt. Der DuMont Buchverlag hat sich einmal mehr als gutes Sprungbrett erwiesen. Bald darauf konnte der Kölner Verlag verkünden, wer fortan die Geschicke der Buchsparte in inhaltlicher Hinsicht leiten wird (die kaufmännische Geschäftsführung liegt nach wie vor bei Markus Stache): Sabine Cramer, und damit seit über fünfzig Jahren erstmals eine Frau.

          Sabine Cramer stammt aus der Nähe von Nürnberg. Als Tochter einer Bibliothekarin und Buchhändlerin wusste sie früh, in welche Richtung es beruflich einmal gehen sollte. Sie studierte Germanistik und Spanisch in Bamberg, Berlin (HU) und Erlangen. Gleich nach dem Studium begann sie im Jahre 2000 als Lektorin bei dem kleinen fränkischen Verlag Ars Vivendi, wechselte im Jahre 2005 zu Bastei Lübbe, damals noch im Kölner Umland gelegen, und von dort im Jahre 2010 zum Piper Verlag nach München.

          Im Jahre 2012 machte sie sich in Köln als Lektorin selbstständig. Nicht einmal ein Jahr später steht sie nun an der Spitze des DuMont Buchverlags. Im F.A.Z.-Interview zum soeben erfolgten Dienstantritt erzählt sie, wie die verschiedenen Stationen sie geprägt haben, welche Pläne sie für DuMont hat und warum man das Jammern der Buchbranche nicht immer so ganz ernst zu nehmen braucht.


          Frage: Frau Cramer, da hatten Sie sich gerade aus allen Tretmühlen befreit und die selbstbestimmte Existenzform der freien Lektorin angetreten – und prompt sind Sie in der Mühle wieder drin. Wie kam denn das?

          Ich war sehr gerne selbstständig, wenn auch nur ein Dreivierteljahr. Aber verlegerische Geschäftsführerin des DuMont Buchverlags, das war einfach ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, eine einmalige Chance.

          Haben Sie sich darum beworben?

          Nein, der Anruf kam ganz unerwartet.

          Liegt Ihnen denn Leitung?

          Ja, ich glaube schon. Ich war ja zuvor mehrere Jahre Programmleiterin und habe das sehr gern gemacht. Das hat mir in der Selbstständigkeit tatsächlich auch ein wenig gefehlt, weil ich gern im Team arbeite. Alles alleine entscheiden zu können, ist zwar schön, aber manchmal auch ein bisschen einsam.

          Und liegt Ihnen Köln?

          Ja, sehr. Ich wohne seit sechseinhalb Jahren in Köln. Zu Piper nach München bin ich dann gependelt. Dass ich weiterhin in Köln leben wollte, war einer der Gründe, warum ich mich selbstständig gemacht habe. Um so größer ist mein Glück, gerade hier eine solche Aufgabe bekommen zu haben.

          Hatten Sie bislang schon beruflich mit dem DuMont Buchverlag zu tun?

          Die Buchbranche ist klein. Man kennt sich. Aber gearbeitet habe ich für DuMont noch nicht, zumal dieser Verlag, was ich sehr gut finde, nur ganz wenig nach außen gibt. Das meiste wird im Haus bearbeitet.

          Sie haben Ihre Laufbahn bei Ars Vivendi begonnen. Welche Erfahrungen haben Sie mitgenommen?

          Ars Vivendi ist ein sehr kleiner Verlag ohne die finanziellen Möglichkeiten, beispielsweise Lizenzen im Ausland zu kaufen. Wir waren damals sieben Leute und haben das meiste selbst entwickelt. Dabei lernt man sehr viel. Ich habe vor allem mit Autoren aus der Region zusammengearbeitet. Die lernten Schreiben, ich lernte Lektorieren. Darüber hinaus gab es einige renommierte Projekte: Eine Shakespeare-Gesamtausgabe in Neuübersetzung und Neuausgaben fast vergessener Werke zum Beispiel von Henry James. Trotzdem hatte ich nach einigen Jahren Lust, in einem größeren Verlag zu arbeiten und in die ‚richtige’ Buchbranche zu kommen.

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