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Streit über Rowohlt-Verlag : „Ignoranz, Intransparenz und Rücksichtslosigkeit“

  • Aktualisiert am

Unwürdiges, unzeitgemäßes Schweigen: Namhafte Rowohlt-Autoren hegen „die Befürchtung, dass auch wir eines Tages einem solchen Führungsstil ausgesetzt sein könnten“. Bild: dpa

Gab es nun eine Kontaktsperre oder nicht? Warum wurde Barbara Laugwitz wirklich als Rowohlt-Verlegerin abgelöst? Lügt die Konzernspitze? Namhafte Autoren wenden sich abermals in einem offenen Brief an Holtzbrinck-CEO Joerg Pfuhl.

          Im Rowohlt-Verlag kehrt seit der Kündigung der verlegerischen Geschäftsführerin, Barbara Laugwitz, durch den Holtzbrinck-Konzern keine Ruhe ein. Der CEO der Holtzbrinck-Buchverlage, Joerg Pfuhl, hatte Ende August bekannt gegeben, dass Florian Illies zum neuen Jahr Rowohlt-Verleger werden soll. „Die plötzliche Entlassung in Kombination mit der Unmöglichkeit, mit Frau Laugwitz in Kontakt zu treten, empfinden wir als unverständlich und unwürdig“, hatten daraufhin Autoren des Verlags in einem offenen Brief an Pfuhl und Stefan von Holtzbrinck geschrieben und nach den Gründen für den Rauswurf der auch ökonomisch erfolgreichen Verlegerin gefragt. Der Brief wurde am 12. September auf „Spiegel online“ veröffentlicht. Pfuhl behauptete daraufhin in mehreren Stellungnahmen, dass es sich bei der „Kontaktsperre“ der Verlegerin um ein „Missverständnis“ handele. Die gebe es nicht. Nun melden sich erneut namhafte Autoren des Rowohlt-Verlags in einem „offenen Brief“ zu Wort, den wir hier veröffentlichen.

          F.A.S.

          Sehr geehrter Herr Pfuhl,

          trotz unseres offenen Briefs und mehrfachem Nachfragen haben Sie uns, den Autorinnen und Autoren des Rowohlt-Verlages, noch immer nichts über die Gründe für die Entlassung von Barbara Laugwitz mitgeteilt. Da es aber angeblich um „unüberbrückbare Gegensätze“ in Bezug auf die „Zukunft des Verlages“ ging, sind wir von den hiermit gemeinten Entscheidungen in jedem Fall unmittelbar betroffen; sie tangieren unsere Zukunft und unsere Interessen als Ihre Geschäftspartnerinnen und -partner. Ihr Schweigen in dieser Frage ist daher mehr als unhöflich.

          Gleichzeitig untergräbt dieses Schweigen Ihre Glaubwürdigkeit, noch bevor Sie sich bemüht hätten, sie herzustellen; es ist unwürdig und unzeitgemäß; es erzeugt die Befürchtung, dass auch wir eines Tages einem solchen Führungsstil ausgesetzt sein könnten.

          Obendrein haben Sie, neben vielen leeren Worten, in Ihrer Antwort auf unseren Brief vom 12. September eine Behauptung aufgestellt, die wir schwer glauben können. Die Kontaktsperre für Frau Laugwitz sei, so sagen Sie, ein „Missverständnis“ gewesen. Uns liegt allerdings eine E-Mail mit Ihrem Absender vom Tag nach der Kündigung vor, in der, neben mehreren anderen Verboten, Barbara Laugwitz der Kontakt zu den Autoren des Rowohlt-Verlags ausdrücklich nur „in Absprache mit Herrn Pfuhl“ gestattet wird. Außerdem liegt uns ein Schreiben vor, datiert auf den Tag der Kündigung, das ausdrücklich auf eine bestehende Verschwiegenheitserklärung hinweist. Wenn man das nicht Kontaktsperre nennen will, dann muss man es nennen: Kontaktsperre plus Verschwiegenheitsverpflichtung.

          Ohnehin ist für uns kaum vorstellbar, dass Barbara Laugwitz solche Verpflichtungen und Sperren erfindet. Wir alle haben sie in den Jahren der Zusammenarbeit als vertrauenswürdige, offene Person kennengelernt. Die uns vorliegenden Informationen bestätigen diesen Eindruck und lassen keinen Zweifel, dass Ihr Gerede vom „Missverständnis“ lediglich den Versuch darstellt, Barbara Laugwitz weiter zu diskreditieren. Zu diesem Zweck haben Sie nicht gescheut, uns, den Autoren des Rowohlt-Verlages, ins Gesicht zu lügen.

          Sehr geehrter Herr Pfuhl, kaum jemand von uns kannte vor dieser unglücklichen Angelegenheit Ihren Namen. Nun verbindet sich Ihr erstes Erscheinen für uns mit Ignoranz, Intransparenz und Rücksichtslosigkeit. Wir sehen nicht, wie unter diesen Bedingungen Vertrauen hergestellt werden soll.

          Fernando Aramburo, Giulia Becker, Anika Decker, Jeffrey Eugenides, Jens Friebe, Lucy Fricke, Max Goldt, Leonhard Horowski, Siri Hustvedt, Sebastian Janata, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Nadja Klinger, Jörg Magenau, Inger-Maria Mahlke, Max Moor, Martin Mosebach, Péter Nádas, Matthias Nawrat, Georg Ringswandl, Eugen Ruge, Florian Schroeder, Edgar Selge, Heinz Strunk, Margarete Stokowski, Jennifer Teege, Martin Walser, Natascha Wodin, John Wray

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