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Portugal : José Saramago: „Die portugiesische Reise“

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José Saramago: Literatur-Nobelpreisträger von 1998 Bild: AP

Eine gewöhnliche Reise ist das nicht. Hier betritt einer mit festem Schritt ein Spielfeld. Portugal, das Land seiner Herkunft, ist ihm nicht fremd, obwohl er es lange nicht gesehen hat. Der Nobelpreisträger José Saramago über das Land seiner Väter.

          Eine gewöhnliche Reise ist das nicht. Hier betritt einer mit festem Schritt ein Spielfeld. Portugal, das Land seiner Herkunft, ist ihm nicht fremd, obwohl er es lange nicht gesehen hat. Seit 1993 hat sich der Nobelpreisträger José Saramago auf Lanzarote zurückgezogen. Unerwiderte Liebe zum Land der Väter spielte mit. Portugiesische Bürokraten hatten ihm die Verletzung religiöser Gefühle vorgeworfen, als er 1991 in „Das Evangelium nach Jesus Christus“ einen jugendlichen Jesus imaginierte, der sich mit Maria Magdalena vergnügt. Als sie ihn dann auch noch von der Vorschlagsliste für den Europäischen Literaturpreis strichen, wandte Saramago sich ab.

          Als ein Entfremdeter kehrte er zurück, mit dem Plan, einen Reiseroman zu schreiben, der kein Reiseführer ist und auch keine Touristeninformation. Eine produktive Ausgangslage. Denn Saramago macht sich auf zu einer Expedition durch eine terra incognita, die zugleich vertrautes Mutter- und Vaterland ist. Sein Projekt ist zwar ein geographisches, aber noch viel mehr bricht hier ein Irritierter auf mit dem Ziel, herauszufinden, wie ihn die Kultur seiner Heimat geprägt hat. Er kartographiert dabei seine eigenen zerklüfteten Seelenlandschaften, mißt die Abgründe aus und ermittelt den Charakter der schroffen Höhenzüge. Eine Reise durch sich selbst, wobei die Landschaft nur Vorwand ist zur Selbsterforschung: gleißender Spiegel.

          Damit sind die Spielregeln gesetzt, die einiges vorgeben und vieles offenlassen auf dem Weg zur alchimistischen Verwandlung von einsamen Dörfern, geheimnisvollen Kunstdenkmälern, verlassenen Landstrichen und verlorenen Menschen in Literatur. Der Besucher kennt die oberflächlichen Koordinaten des Terrains, das er jetzt von Nord nach Süd, von Ost nach West durchstreifen will.

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          Dämmerung über dem Land

          Der Blick dieses ungewöhnlichen Chronisten ist gleichzeitig neugierig und distanziert, glühend und kühl. Und der Leser wird schon bald konfrontiert mit der schwankenden Gemütslage eines Zerrissenen, der lieben möchte, sich dem Objekt der Begierde aber zugleich in widerwilliger Ablehnung nähert - und nicht selten mit bloßen Projektionen zudeckt. Diese Ambivalenz, die ihn kennzeichnet, hat allerdings den Vorteil, daß „Die portugiesische Reise“ kein verklärendes Nostalgiebuch geworden ist. Die Grenzen zwischen dem realen Land, dem Traumland, dem Wunschland und dem Haßland sind verwischt, und der Autor unternimmt auch nicht den geringsten Versuch, dieses Faktum zu kaschieren.

          Am Anfang all seiner Entdeckungen ist die Neugier. Sie ist der Stachel, der den Fremden von Ort zu Ort treibt und ihn dazu verleitet, auch geheime Bezirke mit einer fast lasziven Geduld zu erforschen. Zu welch prächtigen literarischen Ergebnissen dies führen kann, zeigt sich zum Beispiel im Kapitel „Dornröschen“. Dämmerung liegt über dem Land. Trotzdem macht sich der Forscher auf den gefährlichen Weg zu einem abgelegenen Kloster. Zu seinen Marotten gehört es, daß er alles, was ihm wichtig ist, mit eigenen Augen gesehen haben will, und sei es auch nur flüchtig oder im bereits brechenden Licht. Vom einsamen, halbverrotteten Kloster kennt er nur die barocke Fassade, zwei banale Glockentürme dazu - und trotzdem will ihm der sakrale Ort keinen Augenblick aus dem Kopf gehen. Innen will er ihn sehen, aber er ahnt, daß die Türe verschlossen sein wird.

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