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Japan - Kyoto Yasunari Kawabata: „Schönheit und Trauer“

 ·  Ein einziges Weltkulturerbe / Von Mark Siemons

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Kyoto, die alte japanische Kaiserstadt, ist mit ihren vielen Tempeln und Palästen ein einziges Weltkulturerbe. Man kann sich vorstellen, wie es da aussieht, die Eigenlogik des Kulturtourismus macht sich alle Orte ähnlich. Auch in Yasunari Kawabatas Roman „Schönheit und Trauer“ (ein furchtbar plakativer Titel für ein gänzlich unplakatives Buch) fährt der Held nach Kyoto, um das berühmte Neujahrsglockenläuten zu hören, ein Kulturtourist, wenn man so will, auch er.

Aber zugleich reist er, von einer merkwürdig selbstzerstörerischen Kraft getrieben, um die Frau wiederzusehen, die er vor zwei Jahrzehnten verführte und danach hart am Rande des Wahnsinns zurückließ; inzwischen ist sie als Malerin berühmt geworden und lebt mit einer jungen Schülerin zusammen.

Unheimliches Zwielicht

Ein seltsames Spiel beginnt, dessen Ausgang, wie man bald ahnt, tödlich ist. Das stille Auge des Orkans indessen ist die Stadt, die Kawabata als Hintergrund des Geschehens ebenso unaufdringlich wie beharrlich präsent hält, ein somnambules Wesen, wo die Menschen wie schwerelos ihrem Verhängnis entgegentreiben. Wer weiß, ob Kyoto wirklich so ist, aber niemand, der hinreist, nachdem er diesen Roman gelesen hat, wird die Tempel und Paläste anders als in diesem unheimlichen Zwielicht sehen können.

Literatur

Yasunari Kawabata: „Schönheit und Trauer“. Deutscher Taschenbuch Verlag 2004. 192 S., br., 9,90 Euro.

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