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Harry Potter VI. : Seele in sieben Portionen

  • -Aktualisiert am

Muttergefühle: J.K. Rowling und ihr jüngster Harry Bild: dpa

Der neue „Harry Potter“ ist da. Der Krieg gegen den Terror hat auch in der Zauberwelt begonnen, und als wäre das nicht genug, kämpft Harry auch noch gegen die Hormone. Doch das Buch wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.

          Das letzte Wort des letzten Bandes sei „scar“, Narbe, hat J.K. Rowling einmal verlauten lassen. Es ist keineswegs ausgemacht, daß es sich dabei allein um jenes Mal handeln wird, das ihr Held Harry Potter in Form eines Blitzes auf der Stirn trägt. Möglicherweise wird „Harry Potter“ noch ganz andere Narben hinterlassen.

          Am Freitag nachmittag ist die Lektüre in der ungewohnt leeren Londoner U-Bahn noch geprägt von den Ereignissen der vorangegangenen Woche. Eine junge Frau hat sich in ein schwarzes Penguin-Taschenbuch vertieft, auf dem in weißen Lettern der Titel „On Forgetting“ prangt. Der Autor: Sigmund Freud. Die meisten Mitfahrenden lesen Zeitung, wo an ein Vergessen der Anschläge nicht zu denken ist. Der Minutenschlaf, der sonst so gern in der U-Bahn gehalten wird, ist trotz der ermüdenden Hitze nicht zu beobachten. Statt dessen wird jeder zusteigende Fahrgast durchdringend gemustert.

          Verhaltene Aufregung

          Am Tag darauf hat sich das Bild gewandelt. Diejenigen, die gerade nicht die neuesten Nachrichten lesen, widmen sich in der Mehrzahl vor allem einem Buch: „Harry Potter and the Half-Blood Prince“, teils im vertraut grünblauen Gewand der Jugendbuchaufmachung oder in der dunklen Umschlagversion mit Thrilleranmutung, die manche erwachsene Leser bevorzugen. Die Aufregung aber um den neuen „Harry Potter“ war verhalten. Nicht nur in Großbritannien war schon vor dem eigentlichen Erscheinen an diesem Samstag Ermüdung zu spüren gewesen.

          Zu gut kennt man inzwischen die erbitterten Preisschlachten, die auch diesmal unweigerlich ausbrachen (siehe auch: Preiskampf um den sechsten „Harry Potter“), und die Marketinghysterie des Bloomsbury-Verlags (siehe auch: Harry Potter gibt's, Harry Potter nimmt's). Die Traditionsbuchhandlung Hatchard's will zwar am Samstagmorgen bereits um acht statt wie sonst um zehn Uhr die Pforten öffnen, bleibt jedoch um Mitternacht geschlossen.

          Anstehen um ein Uhr nachts

          Den Nachtverkauf am Piccadilly Circus hat Waterstone's übernommen, deren sämtliche Läden um null Uhr mit dem Verkauf beginnen werden, doch auch hier ist außer einigen Plakaten kein Aufwand für den sicheren Bestseller betrieben worden. In der Schlange vor der Filiale in Notting Hill hält sich die Spannung selbst unmittelbar nach Verkaufsbeginn in Grenzen. Es scheint, als folgten die gut hundert Menschen, die hier noch um ein Uhr nachts anstehen, eher dem Gesetz der Serie als der Neugier. Ob die Buchmacher recht behalten werden mit ihrer Prognose, daß Harrys Mentor, der Zauberer Albus Dumbledore, sterben wird, bewegt in diesen Minuten offenbar niemanden.

          Eine Harry-Potter-Party bringt nicht viel, da die meisten nicht feiern, sondern lesen wollen - Kostümfeste, wie sie aus den Vereinigten Staaten zuhauf gemeldet werden, gelten den Londonern als überflüssiges Brimborium. Wem der Band mit 11,99 Pfund bei Waterstone's zu teuer und das Warten zu langweilig ist, bekommt ihn um die Ecke bei Books Etc. für zehn Pfund sozusagen im Vorbeigehen in die Hand gedrückt. Andere gedulden sich lieber bis zum nächsten Morgen und nehmen dann das 607 Seiten starke Werk beim Wochenendeinkauf mit: Bei den Supermärkten Tesco und Sainsbury's schlägt der neue Potter mit 7,97 respektive 8,99 Pfund zu Buche. So oder so soll J.K. Rowling allein am ersten Verkaufstag vierzig Millionen Pfund an ihrem neuesten Werk verdient haben.

          Zeitgleich in Blindenschrift veröffentlicht

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