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China : Wu Cheng'en: „Monkeys Pilgerfahrt“

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Auf der Reise in den Westen? Bild: REUTERS

Die Sonderstellung des Werkes „Monkeys Pilgerfahrt“ unter den fiktionalen Reisebeschreibungen des spätkaiserzeitlichen China begründet vor allem dessen literarischer Rang, nicht zuletzt die eingestreuten Gedichte und Lieder.

          Zu den beliebtesten Romanen Chinas zählt der phantastisch-komische Roman „Die Reise in den Westen“ (Xivou ji) des Wu Cheng'en (um 1500 bis um 1582) in hundert Kapiteln, der von den einundachtzig Bewährungen des Mönches Xuanzang alias Tripitaka und des ihn begleitenden Affenkönigs Sun Wukong berichtet, jenen beiden Hauptfiguren einer Pilgergruppe, der noch das Schwein Zhu Wuneng, der Pferdeführer Sha Wujing und das weiße Pferd angehörten. Die Moral des Romans läßt sich in dem Satz zusammenfassen: „Man muß genau zwischen Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge unterscheiden, man darf für Gespenster kein Mitleid haben, sondern muß sie entschieden vernichten.“

          In dem Werk wird die historische und durch ausführliche Reiseberichte belegte Indien-Fahrt des Tang-Mönches Xuanzang, der im siebten Jahrhundert nach Indien pilgerte, ausgeschmückt. Xuanzang wollte von dort weitere buddhistische Werke nach China holen, reiste aber auch in geheimdienstlicher Mission, um dem Kaiserhof Auskünfte über die Wege nach Indien zu liefern. Den Rahmen für die Romanhandlung bilden Vorgänge im Himmel, wo nach der Unterwerfung des Affenkönigs Sun Wukong durch Buddha die Entscheidung fällt, einen Pilger zu finden, der den buddhistischen Kanon nach China bringt. Xuanzang erhält den Auftrag und erlebt auf dieser Reise Abenteuer, die Prüfungen sind, bei denen der Affenkönig und die segensreiche Fürsorge von Gottheiten rettend eingreifen. Diese Aventuren bilden den Hauptteil des Romans. In den letzten drei Kapiteln kommt es zur Auflösung. Xuanzang, der wegen Mißachtung der Lehre in China geboren worden war, wird erlöst.

          Fiktionale Reisebeschreibungen

          Die vierzehnjährige Reise führt durch den Wechsel von Jahreszeiten, auf oft gefährlichen Pfaden durch faszinierende Landschaften. Einmal greift ein Drache an, verschlingt Pferd und Gepäck, so daß Xuanzang verzweifelt. Sein Schüler, der Affenkönig, voller Selbstbewußtsein und in Kenntnis seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber auch leicht gereizt, nennt ihn einen Schwächling. Hier greifen die Götter ein und schlichten den Hader, indem sie die Gruppe ihres Schutzes versichern. Der Affenkönig verteilt die Rollen und spielt den „superman“, fordert den Drachen heraus, und ein Kampf beginnt. Der Drache zieht sich zurück, Gottheiten kommen, um dem Drachen das Pferd abzufordern. Durch solche Widrigkeiten wird die Reise verzögert und gerät der Weltenlauf in Unordnung. Ordnung muß hergestellt werden, wodurch der Leser oder Zuhörer einiges über Ereignisse und Schicksale erfährt.

          Die Sonderstellung dieses Werkes unter den fiktionalen Reisebeschreibungen des spätkaiserzeitlichen China begründet vor allem dessen literarischer Rang, nicht zuletzt die eingestreuten meisterhaften Gedichte und Lieder. Die Popularität aber hängt eng mit dem Thema des Werkes zusammen und mit seinem Inhalt. Vielfältige volkstümliche Bearbeitungen des Stoffes, insbesondere für die verschiedensten Theaterformen, darunter Singspiel, Schattentheater und Puppenbühne, knüpfen an den Roman an, und unter den Literaten Chinas hat nahezu jede Generation das Werk neu gelesen und neu gedeutet, wobei es zumeist als Moralsatire verstanden wurde.

          Erstaunlich ist, daß die Behandlung des Übernatürlichen und die religiösen Aspekte des Romans in neuerer Zeit niemals kommentiert wurden. Dies kann als Reaktion auf die seit dem Erscheinen des Romans vorherrschende Deutungstradition verstanden werden, wonach der Roman als Allegorie zu lesen sei. So wurde der Beiname Xuanzangs „Tripitaka“, die „Drei Körbe“ der buddhistischen Textüberlieferung bezeichnend, als Ausdruck der „drei konstitutiven Elemente des menschlichen Selbst gedeutet: Geist, Stimme und Lebensenergie“. Andere wie der große Kulturpolitiker des zwanzigsten Jahrhunderts Hu Shi haben den satirischen Charakter des Werkes unterstrichen und es als „tiefgründigen Unsinn“ bezeichnet. Ähnlich haben andere, darunter japanische Literaturwissenschaftler, den Roman als Ausdruck der „Befreiung aus dem mittelalterlichen Denken und Schritt in den Geist der Moderne“ verstanden.

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