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: Zwei Männer und drei Salzstangen

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Kleines Ratespiel für Klischeeliebhaber: Vor uns liegen zwei Bücher, eines aus Deutschland und eines aus Polen. Der Verfasser ist derselbe, doch die Aufmachung sehr unterschiedlich. Buch eins ist ein buntes Hardcover, über dessen aufwendig gestalteten Seiten sich viele Farbfotos, Zeichnungen und Textkästchen verteilen.

          Kleines Ratespiel für Klischeeliebhaber: Vor uns liegen zwei Bücher, eines aus Deutschland und eines aus Polen. Der Verfasser ist derselbe, doch die Aufmachung sehr unterschiedlich. Buch eins ist ein buntes Hardcover, über dessen aufwendig gestalteten Seiten sich viele Farbfotos, Zeichnungen und Textkästchen verteilen. Buch zwei kommt wesentlich schmuckloser daher, als kompaktes Taschenbuch, textlastig mit spärlich eingestreuten, blass gedruckten Schwarzweißbildern. Frage nun: Aus welchem Land stammt welches Buch?

          Die Antwort - die nicht jene ist, die das Vorurteil erwarten ließe - ergibt sich, wenn man den Autor nennt: Steffen Möller. Jenseits der Oder ist Möller ein Star. Aus Neugierde zog es ihn 1994 nach Warschau, wo er als Deutschlehrer und an der Universität arbeitete und sich irgendwann, als er genügend verwirrende Erfahrungen mit der polnischen Mentalität gesammelt hatte, auf die Kabarettbühne wagte. Seit 2002 spielt er in der Seifenoper "M jak Milosc" ("L wie Liebe"), die im Schnitt jeder vierte Pole verfolgt, eine fürs dortige Fernsehen exotische Rolle: einen netten, naiven Deutschen. Als kurz darauf eine Handvoll lustiger Ausländer in einer Fernsehrunde den Polen die Furcht vorm EU-Beitritt nehmen sollte, war auch Möller Stammgast bei "Europa da sie lubic" (Europa lässt sich mögen). "Polska da sie lubic", Polen lässt sich mögen, lautete dann der Titel seines Buches, in dem er seinen Gastgebern darlegt, wie es sich unter ihnen so leben lässt, nämlich nicht schlecht. Man muss nur ein paar lästige Kleinigkeiten in Kauf nehmen, die anzusprechen sich Möller nicht scheut, der polnischen Gepflogenheit zum Trotze, Kritik besser nie direkt zu äußern. Doch weil er sich solcher Waffen bedient, deren Handhabung sie einem Deutschen nie zugetraut hätten, nämlich Charme, Humor und Selbstironie, ließen sich die Polen gern den Spiegel vorhalten. Und stießen sich auch nicht daran, auf mancher Seite gleich fünf Fotos ihres Lieblingsdeutschen vorzufinden.

          Danach befragt, ob dieser ganz spezielle Polen-Führer nicht auch hierzulande veröffentlicht werden sollte, mutmaßte Möller vor anderthalb Jahren: "Die Auflage dürfte sich im Dissertationsbereich bewegen." Seitdem ist einiges passiert. Das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und Polen rückte in den Blickpunkt - und damit auch Möller, der plötzlich zwischen Genscher und Schäuble bei Maybrit Illner saß. Da war es nur folgerichtig, dass er sein Buch jetzt doch auf Deutsch veröffentlicht hat und damit in die Bestsellerliste eingestiegen ist. "Viva Polonia" heißt die deutsche Version, die schlichter ausfällt und ihren Autor seltener ins Bild rückt, dafür aber eine höhere Seitenzahl aufweist; um den Deutschen die Geheimnisse der slawischen Seele offenzulegen, gilt es weiter auszuholen. Hinzugefügt wurden Kapitel, die sich Debattenschlagworten widmen wie dem ominösen "Radio Maryja", und als Zugeständnis an jene, die von so einem Buch vor allem "Service" erwarten, eine "Topliste polnischer Touristenziele".

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