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: Wir wollten, dass es echt ist

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Der Haupturheber der Pleite, der Reporter Gerd Heidemann, war schon zwei Jahrzehnte beim "Stern" gewesen. Als "Spürhund" und "Reporterkanone" hatten ihn der frühere Chefredakteur und spätere Herausgeber Henri Nannen und Kollegen immer wieder betitelt. Wie konnte er dann seinen Lobrednern mit den ...

          Der Haupturheber der Pleite, der Reporter Gerd Heidemann, war schon zwei Jahrzehnte beim "Stern" gewesen. Als "Spürhund" und "Reporterkanone" hatten ihn der frühere Chefredakteur und spätere Herausgeber Henri Nannen und Kollegen immer wieder betitelt. Wie konnte er dann seinen Lobrednern mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern die bis heute größte Blamage in der Geschichte des deutschen Pressewesens bescheren? Und wie konnten sich so viele Topleute des Verlags Gruner + Jahr so stark engagieren, sich selbst reinhängen und mit Millionensummen daran beteiligen?

          Antworten liefert Michael Seuferts soeben erschienenes Buch "Der Skandal um die Hitler-Tagebücher" (Scherz-Verlag, 319 Seiten, 14,90 Euro). Sie sind klar und nüchtern gefasst, getragen von Insiderwissen - Seufert war seinerzeit Redakteur beim "Stern". Es tun sich Abgründe auf: beispiellose Naivität ausgebuffter Medienprofis, Kontrollverlust bei sonst gescheiten Kaufleuten, Täuschung und Selbsttäuschung, groteske Illusionen.

          Dazu gibt es eine Vorgeschichte, die in dem Buch nicht enthalten ist. Das Ganovenstück des Reporters Heidemann und des Fälschers Konrad Kujau hätte es nicht gegeben, wenn Verlag und Redaktion bei ihrem Hauptakteur schon früher einmal etwas genauer hingeschaut hätten. Aber selbst nach dem Auffliegen der Tagebuch-Fälschungen meinte Nannen noch immer, Heidemann sei ein guter Mann gewesen, denn er habe das Geheimnis Traven geklärt, des anonymen Autors von "Das Totenschiff" und "Der Schatz der Sierra Madre". Von 1962 an hatte Heidemann mehrere Jahre damit verbracht, das Geheimnis um die Person Traven aufzudecken. Ein Meisterstück, hieß es im "Stern". Ähnlich äußerte sich die "Zeit". Auch der "Spiegel" sekundierte: "Wiederholt landete Heidemann durch glänzende Recherchen Volltreffer: Er trug 1977 dazu bei, das Pseudonym des Schriftstellers B. Traven zu lüften."

          Daran war nicht nur das Datum falsch. Auch der Volltreffer. Richtig ist nur, dass Heidemann jahrelang in Sachen Traven unterwegs war und beträchtliche Mittel verbrauchte, wie Nannen den "Stern"-Lesern im Editorial stolz mitteilte. Immerhin erschienen 1963 und 1967 zwei große Traven-Storys.

          Ansonsten hatte Nannen keine Veranlassung, ausgerechnet diese als Beweis für die Rechtmäßigkeit seines guten Glaubens in Heidemann zu bemühen. Auch sie waren im Grunde schon ein Stück aus dem Tollhaus. Denn zunächst im Jahr 1963 berichtete Heidemann, das B. im Vornamen Travens sei der Mecklenburger Zöllner und Abenteurer August Bibeljé. Eine weitere Enthüllung sollte, hieß es, "in Kürze" folgen. Sie kam vier Jahre später. Diesmal posaunte der "Stern": "Er ist ein Sohn Kaiser Wilhelms II." Beide Heidemann-Coups, den von 1963 und den von 1967, kündigte der "Stern" an mit "Das Rätsel Traven gelöst". Wie kann man ein Rätsel zweimal lösen? Und dabei zu jeweils anderen Resultaten kommen? Dass die Story von 1967 mit der von 1963 nicht so recht zusammenpassen wollte - für Heidemann und den "Stern" kein Problem.

          Man hatte ja schon übersehen, dass die Sache mit Bibeljé längst andernorts publiziert gewesen war und dass es sich auch beim Sohn des Kaisers um alte Kleider handelte, denn schon Ende der zwanziger Jahre war diese Legende im Umlauf. Zeitgenossen war während des Ersten Weltkriegs aufgefallen, dass der in München lebende Revolutionär Ret Marut - der zweifelsfrei mit Traven in Verbindung stand, wenn nicht sogar mit ihm identisch war - trotz der seinerzeit herrschenden Papierknappheit stets neue Kontingente für seine subversive Zeitschrift "Der Ziegelbrenner" bewilligt erhielt. Sie vermuteten Protektion von allerhöchster Stelle.

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