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: Wehrt euren großen Meistern

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Was tun, wenn ein großer Meister eher kleinwüchsig geraten ist? Bevor man ihn in Erz gießen will, stellt sich das Problem gar nicht. Aber Leipzig, Vaterstadt Richard Wagners, wollte ihrem berühmten Sohn ein Denkmal setzen. Sogar schon zu Lebzeiten, aber konkrete Pläne wurden doch erst zur Feier seines hundertsten Geburtstags geschmiedet.

          Was tun, wenn ein großer Meister eher kleinwüchsig geraten ist? Bevor man ihn in Erz gießen will, stellt sich das Problem gar nicht. Aber Leipzig, Vaterstadt Richard Wagners, wollte ihrem berühmten Sohn ein Denkmal setzen. Sogar schon zu Lebzeiten, aber konkrete Pläne wurden doch erst zur Feier seines hundertsten Geburtstags geschmiedet. Oberbürgermeister Bruno Tröndlin, der zu den Skeptikern zählte, konnte durch die Wahl Max Klingers als Bildhauer überzeugt werden, weil dessen auf 5,30 Meter Höhe projektierte Bronzeskulptur des Komponisten das Problem elegant löste: durch einen langen Mantel, der Wagners gedrungene Gestalt verdeckt hätte. Leider kam Klinger über den Denkmalsockel nie hinaus.

          Das Leipziger Projekt war somit unter einem Unstern geboren worden, doch niemand hätte ahnen können, wie katastrophal es noch werden würde. Denn der nächste, der sich der Schwierigkeit annahm, den geringen Körperwuchs des verehrten Tonsetzers durch Monumentalität zu kaschieren, war Adolf Hitler. Der zweite Anlauf zu einem Leipziger Wagner-Denkmal war vom neuen Oberbürgermeister Carl Friederich Goerdeler kurz vor der Machtübernahme der Nazis gestartet worden. Im Oktober 1932 hatte Leipzig einen Wettbewerb für den Entwurf einer Gedenkstätte ausgeschrieben. Bis zum 31. März 1933 gingen mehr als 650 Entwürfe ein, darunter auch einer von Arno Breker. Der sollte es der Jury noch lange nachtragen, daß sein Plan nicht einmal unter die besten zehn kam, aber seine Riesenallee, die auf einen dreißig Meter hohen Obelisken zugelaufen wäre, vor dem eine fünf Meter hohe Statue Wagners gestanden hätte, entsprach nur bedingt den Vorstellungen der Denkmalsinitiatoren von einem weiten Gelände, "auf dem unter Ausnutzung landschaftlicher Schönheiten ein Richard-Wagner-Hain mit einem schlichten Mal für den Meister erstehen soll".

          Den Wettbewerb gewann schließlich ein unbekannter Bildhauer aus Stuttgart, Emil Hipp. Auch dessen neoklassizistische Entwürfe, die nur eine Profilbüste Wagners, dafür aber einen mit jeweils zehn Meter breiten und vier Meter hohen Reliefplatten geschmückten Marmorkubus vorsahen, waren nur bedingt als schlicht zu bezeichnen, aber das Wähnen der Leipziger fand darin Frieden. Um die Finanzierung zu sichern, bemühte sich Goerdeler sofort, Hitler in die Planungen einzubinden. Das gelang nur allzu gut. Als des Reichs selbsternannter größter Wagnerianer nahm der neue Reichskanzler sich selbst des Entwurfs an und sorgte dafür, daß Hipps Lösung im Geist des neuen Regimes erweitert wurde. Um den einzelnen gewaltigen Marmorblock hatte nun eine 430 Meter lange Mauer mit weiteren integrierten Reliefs gezogen zu werden, damit in Leipzig etwas entstehen konnte, was Hitler prompt zum "Nationaldenkmal des Deutschen Volkes" erklärte. Die ursprünglich auf rund 680 000 Mark veranschlagten Kosten explodierten in den nächsten Jahren, bis die Bauarbeiten kriegsbedingt am 21. Mai 1940 eingestellt wurden, auf mehr als vier Millionen.

          Heute ist in Leipzig nichts von dem ehrgeizigen Projekt übriggeblieben. Um so verdienstvoller ist es, daß der ortsansässige Forum Verlag jetzt eine Dokumentensammlung zur Geschichte des Denkmals herausgegeben hat, die von Grit Hartmann erstellt und kommentiert worden ist. Dazu sichtete sie die Bestände zahlreicher Archive und begab sich auf die Suche nach den Resten des Bildhauerschmucks. Mit Ausnahme ihrer Ausführungen zu Wagners Karriere und zur politischen Geschichte des "Dritten Reichs" sind die Erläuterungen dazu knapp und informativ geraten. Doch das Hauptgewicht des Buchs liegt ohnehin auf den Archivfunden - zu Recht.

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