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: Was schiefgehen kann, geht auch irgendwie schief

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Haben Sie schon mal einen schwarzen Schwan gesehen? Und können Sie sich sicher sein, dass es auf der Welt nicht doch einen gibt? Nein, sagt der ehemalige Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb - im Gegenteil: Immer wieder passiert etwas, das niemand vorhergesagt hat. Das hat viel größere Effekte, als die Prognosen zugestehen.In Spielcasinos zum Beispiel.

          Haben Sie schon mal einen schwarzen Schwan gesehen? Und können Sie sich sicher sein, dass es auf der Welt nicht doch einen gibt? Nein, sagt der ehemalige Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb - im Gegenteil: Immer wieder passiert etwas, das niemand vorhergesagt hat. Das hat viel größere Effekte, als die Prognosen zugestehen.

          In Spielcasinos zum Beispiel. Deren Manager stellen zwar sorgfältige Berechnungen darüber an, wie oft sie hohe Gewinne auszahlen müssen und ob das Geld des Kasinos dafür ausreicht. Ihre größten Verluste mussten die Kasinos aber gar nicht hinnehmen, als Spieler den großen Reibach machten. Sondern als Dinge passierten, die niemand berücksichtigt hatte, weil sie mit den Gewinnen gar nichts zu tun hatten. 100 Millionen Dollar gingen zum Beispiel verloren, als der Zauberkünstler Roy in seiner Schau in einem Kasino in Las Vegas von seinem weißen Tiger angegriffen wurde und die Schau daraufhin abgesetzt wurde.

          Darum sollte sich niemand auf Expertenprognosen und theoretische Modelle verlassen, findet Taleb. Denn die sind am Ende nicht halb so zuverlässig, wie die Menschen hoffen. Immer wieder kommt ein schwarzer Schwan dazwischen, mit dem kein Mensch gerechnet hat.

          Vor allem den Bankern wirft Taleb vor, sie hätten sich um diese schwarzen Schwäne zu wenig gekümmert. Sie hätten aus ihren Erfahrungen der Vergangenheit schon wissen müssen, dass die aktuellen Modelle viel zu schlecht auf Extremsituationen eingestellt sind und das Risiko darum kolossal unterschätzen.

          Diese Sätze schrieb Taleb schon vor dem Ausbruch der Krise. Doch wenn sein Werk jetzt zur Buchmesse in deutscher Übersetzung erscheint, beschreiben sie eine wichtige Ursache der Krise: Die Banker hatten das komplizierte Finanzsystem nicht wirklich im Griff, waren sich ihrer selbst dabei aber viel zu sicher.

          Diesen Fehler machen aber nicht nur die Banker. Alle Menschen haben eine Tendenz dazu, sich ihrer Weltsicht zu sicher zu sein. Denn die rechte Gehirnhälfte sucht immer nach einer schlüssigen Erklärung für das, was in der Welt passiert - auch wenn es eigentlich gar keine richtige Erklärung gibt. So führt uns unser Gehirn zu immer neuen Denkfehlern: Wir sehen jahrelang keinen schwarzen Schwan und schließen daraus, dass es tatsächlich keinen gibt.

          Für die Zeit unserer Vorfahren war das auch ganz sinnvoll. In ihrer Welt geschahen nur selten schwere Veränderungen, und vieles war recht gleichmäßig verteilt: Wie groß ein Mensch werden kann und wie schnell ein Bär, davon gewinnt man schnell einen guten Eindruck, wenn man einige gesehen hat.

          Doch heute lernt unser Gehirn immer noch auf diese Weise, dabei ist sie in vielen Bereichen nicht mehr angemessen. Zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie reich Menschen werden können. Das lässt sich nicht so schnell herausfinden - denn auch wer 100 Menschen nach ihrem Vermögen fragt, hat damit noch lange nicht das Vermögen von Warren Buffett oder Bill Gates berücksichtigt. Ja, heute merken wir sogar, dass es schwarze Schwäne doch gibt - spätestens dann, wenn wir nach Australien fliegen.

          Talebs Aufruf zur Zurückhaltung mit Prognosen ist jetzt, in der Finanzkrise, umso überzeugender. Talebs Buch kommt zwar zu spät, um sie zu verhindern. Diese Ausrede zieht aber nicht. Denn Taleb selbst zeigt auch: Rufe wie seiner ertönen schon lange. Schon vor Taleb haben viele große Denker dieselbe Zurückhaltung gefordert, aber niemand hat auf sie gehört - vor allem nicht die Ökonomen.

          Während der Autor das zeigt, lernt der Leser auch einiges über die großen Philosophen und über die Geschichte der Ökonomie, ohne es richtig zu merken. Darum stört es auch nicht, dass man in Talebs Argumentation gelegentlich den Überblick verliert und nicht mehr weiß, was der Autor gerade zeigen will. Das Buch zieht seine Leser einfach mit vielen interessanten Überlegungen und Anekdoten von einer Buchseite zur nächsten. Am Ende sind die Leser ein gutes Stück schlauer - und wahrscheinlich ein bisschen skeptischer, was Prognosen angeht.

          bern.

          Der schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. Von Nassim Nicholas Taleb, Hanser Verlag, 24,90 [Euro].

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