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Walter Grasskamp über André Malraux : Ein Museum ganz aus Papier

Sinnend über die Kunst und für den Fotografen: André Malraux 1954 in seinem Salon Bild: Paris Match/Getty

Ein Mann der Kunst, der Politik und des Marketing: Walter Grasskamp zeigt, wie André Malraux sein großes Bildertheater auf Bücherseiten schuf.

          Die Fotografien sind berühmt: Ein Mann im eleganten Anzug, nachlässig an ein Klavier gelehnt - ein exquisiter Doppelflügel -, vor sich auf dem Boden des großen Salons in Reih und Glied ausgelegt die losen Seiten eines Bildbands, während er offenbar eine weitere dieser Bilderseiten in der Hand hält und betrachtet. Oder zum Fotografen hinaufblickt, der oben auf der Galerie des luxuriösen Salons Position bezogen hat, um ihn und die Bilderformation zu seinen Füßen abzulichten. Oder auch nachsinnt über großformatige, auf Kartons montierte Abzüge einzelner Fotografien, wie sie die ausgebreiteten Bilderseiten füllen.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Mann ist André Malraux, das Jahr 1954, der Ort die noble Wohnung des Ehepaars Malraux in Boulogne-Billancourt. Malraux ist damals dreiundfünfzig, die Jahre als Kulturminister liegen noch vor ihm, doch bekannt ist er längst: als Romancier, dem sogar bereits die Klassikerweihen einer Ausgabe in der Bibliothèque de la Pléiade zuteil wurden, als selbsternannter „Colonel Berger“ bei der Befreiung Frankreichs; als Öffentlichkeitsarbeiter und bestechender Redner an der Seite Charles de Gaulles auf der politischen Bühne, als Kunstschriftsteller und Mann für die bildende Kunst im führenden Verlagshaus Gallimard.

          Der Kurator der Weltkunst

          Und um ein Kunstbuch geht es ja auf den Fotos, die 1954 für die Illustrierte „Paris Match“ entstanden. Malraux ist in Szene gesetzt mit Bildern, die aus dem zweiten Band seines noch im selben Jahr vollständig vorliegenden „Musée imaginaire de la sculpture mondiale“ stammen: Eine Trilogie von Bildbänden, die ganz auf die Abbildungen und ihre zum Vergleich einladende Anordnung auf Doppelseiten setzte, um Objekte verschiedener Epochen und Kulturen als Repräsentanten einer Weltkunst sinnfällig zu machen.

          Die Fotos für „Paris Match“ setzen Malraux als Kurator dieser Weltkunst in Szene, als Herrn über ihre Werke im Medium von deren fotografischer Reproduktion und Verarbeitung zu Bildbänden. Das macht sie kunst- wie medienhistorisch so aufschlussreich.

          Weshalb auch nicht verwundert, dass Walter Grasskamp in seinem Buch über „Malraux und das imaginäre Museum“ bei ihnen ansetzt. Denn um die medienhistorische Betrachtung dieser ganz konkreten Bilderarbeit für die Weltkunst geht es dem Professor für Kunstgeschichte an der Münchener Akademie der bildenden Künste. Den Kunstschriftsteller Malraux lässt er dabei höflich beiseite. Malraux ist für Grasskamp als durchsetzungsfähiger Praktiker im Umgang mit reproduzierter Kunst viel zu interessant, um ihn an seinen kaum auf klare Linien zu bringenden und von Pathos durchtränkten Texten zu messen.

          Großes Pariser Bildertheater

          Diese medienhistorisch akzentuierte Aufmerksamkeit für den Büchermacher Malraux haben schon einige Interpreten demonstriert. Bei Grasskamp findet man sie so bündig und elegant entwickelt, dass man ihm auch als Leser jenseits akademischer Interessen gern folgt, dabei belehrt und gut unterhalten. Was natürlich auch ein wenig an Malraux selbst liegt, diesem Genie der Selbstdarstellung und Kenner medialer Effekte, dem man durchaus zutraut, bei der Fotostrecke die Regie selbst geführt zu haben.

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