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Sue Donaldson und Will Kymlicka: Zoopolis : Citizen Kaninchen

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Bild: Suhrkamp

Übung für mehr moralische Vorstellungskraft: Der Philosoph Will Kymlicka und die Schriftstellerin Sue Donaldson plädieren für ein deutlich erweitertes Tierrecht.

          Wer Lust, Schmerz, Enttäuschung und Befriedigung erfahren kann, wem es nicht egal ist, was ihm widerfährt, der besitzt ein Selbst, egal, ob Mensch oder Tier. Und wer ein Selbst besitzt, für den gilt das Prinzip der Unverletzlichkeit - töten, versklaven, ausnutzen, Familien auseinanderreißen ist verboten. Effizienter Tierschutz lasse sich weder auf Fürsorgeprinzipien noch auf ökologische Argumente gründen, sondern nur auf eine Theorie der Tierrechte, so Will Kymlicka und Sue Donaldson, er politischer Philosoph und bekannt für seine Arbeiten zum Multikulturalismus, sie Schriftstellerin, beide Veganer.

          Die konsequenten unter den gängigen Tierrechtstheorien allerdings setzen auf strikte Verbote: keine Nutztierhaltung, denn sie ist immer ausbeuterisch, keine Haustierhaltung, denn sie kann nicht artgerecht sein, keine Eingriffe in Wildtierpopulationen, die doch mehr schaden als nutzen, weil der Mensch die zugrundeliegenden Komplexitäten nicht begreift, am besten gar keine Kontakte zwischen Mensch und Tier.

          Eine politische Theorie der Tierrechte

          Für Kymlicka und Donaldson ist diese Position unsinnig, flach und enttäuschend. Unsinnig, weil es schlicht unmöglich sei, den Lebensraum der Tiere und den der Menschen säuberlich zu trennen. Denn schließlich gibt es nicht nur Haustiere, Nutzvieh und Tiere in der Wildnis, sondern auch „Zwischenbereichstiere“: all die Spatzen, Mäuse, Ratten, Füchse, Waschbären und - die Autoren sind Kanadier - Kojoten, die unter uns leben. Flach, weil dieser Ansatz nur negative Tierrechte kennt, also Listen mit all dem, was wir Tieren nicht antun dürfen. Und enttäuschend, weil diese Position alle Chancen auf gedeihliche Beziehungen zwischen Mensch und Tier aufgibt, an denen vielen Menschen sehr viel liegt.

          Können wir uns wirklich nichts Besseres vorstellen als ein Kontaktverbot zwischen uns und dem Rest der Tierwelt, fragen die Autoren. Und nehmen den Leser mit in das Experiment, eine politische Theorie der Tierrechte auszubuchstabieren, die die Beziehungen zwischen Mensch und Tier in den Mittelpunkt stellt, basierend auf dem Begriff der Gerechtigkeit und der Theorie der Staatsbürgerschaft. Schon nach den ersten Absätzen haben sie den Leser mit diesem ambitionierten Unternehmen gepackt und fesseln ihn bis zum Schluss - über immerhin sechshundert Seiten.

          Tierische Souveränitätsrechte

          Präzise, doch mit leichter Hand und aufgelockert durch Anekdoten aus dem weiten Feld der Mensch-Tier-Interaktion, entfalten die Autoren, wie eine Zoopolis, ein Staat der Menschen und der Tiere, aussehen könnte, wenn wir uns ihre Grundidee zu eigen machten: Domestizierten Tieren steht die Staatsbürgerschaft zu, Tieren, die weitgehend unabhängig vom Menschen in der Wildnis leben, Souveränität und Zwischenbereichstieren der Einwohnerstatus. Domestizierte Tiere als vollwertige Mitbürger anzuerkennen mache diese erst sichtbar und verpflichte die Menschen, auf ihr subjektives Wohl zu achten.

          Betritt der Mensch die Territorien souveräner Tiergesellschaften, habe er sich dort zu verhalten wie in einem anderen Staat. Und Zwischenbereichstiere hätten zwar nicht dieselben Ansprüche wie Staatsbürger, dürften aber ebenso wenig versklavt oder getötet werden wie Ausländer, die im Land leben.

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