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: Spekulieren auf die Zeit ohne Öl

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Es wird immer weniger Öl gefördert. Glauben viele Wissenschaftler. Und Investmentfonds haben schon die passenden Anlagen. Doch die Debatte ist noch nicht entschieden. Wie billig Öl immer noch ist, verdeutlicht Matt Simmons gerne so: Eine Tasse voll Rohöl koste heute zehn Cent. Umgerechnet auf den Faßpreis, entspricht das etwa 60 Dollar, dem aktuellen Ölpreis.

          Es wird immer weniger Öl gefördert. Glauben viele Wissenschaftler. Und Investmentfonds haben schon die passenden Anlagen. Doch die Debatte ist noch nicht entschieden. Wie billig Öl immer noch ist, verdeutlicht Matt Simmons gerne so: Eine Tasse voll Rohöl koste heute zehn Cent. Umgerechnet auf den Faßpreis, entspricht das etwa 60 Dollar, dem aktuellen Ölpreis. "Was bekommen Sie noch für zehn Cent?" fragt der Investmentbanker aus New York. Und warum sollte die Tasse für solch ein wertvolles Gut nicht 30, 40 oder 50 Cent kosten - also mehr als 200 Dollar pro Barrel (159 Liter)?

          Nicht nur durch seine Ölprognosen sorgt der Amerikaner seit mehr als einem Jahr für viel Diskussionsstoff. Seit er 2005 sein Buch "Twilight in the Desert" vorgelegt hat, sind die Energiemärkte in "heller Aufregung", stellt der wichtigste Energiefondsmanager fest, Robin Batchelor von Blackrock. In seinem Buch, das gerade auf deutsch erschienen ist, erklärt Simmons, warum die Ölproduktion in Saudi-Arabien ihren Zenit schon fast erreicht oder möglicherweise bereits überschritten hat. "Läge er mit seiner Prognose richtig, hätte das dramatische Auswirkungen auf die Energiemärkte", urteilt Batchelor. Der Fondsmanager nimmt Simmons sehr ernst - nicht zuletzt, weil der genau vorhersagte, wann die amerikanische Gasproduktion ihren Höhepunkt erreichen würde. Neben dem Bücherschreiben betreibt Simmons die äußerst erfolgreiche, auf den Energiesektor spezialisierte Investmentgesellschaft Simmons & Company.

          Die Ideen von Simmons sind zwar alles andere als neu. Schon in den fünfziger Jahren sagte der amerikanische Geologe M. King Hubbert voraus, daß die Ölförderung in Amerika bis 1970 steigen und danach stetig sinken würde. Hubbert behielt recht. Nun übertragen Ölexperten sein Modell auch auf andere Regionen.

          Erst mit Simmons Buch "Wenn der Wüste das Öl ausgeht" begann jedoch unter dem Stichwort "Peak Oil" eine Debatte, die nun selbst Spezialisten kaum noch überblicken. Das Interesse an der Frage, wann die Ölproduktion der Welt ihren Höhepunkt erreicht und dann langsam oder schnell zurückgehe, wachse dramatisch.

          Das beobachtet Kjell Aleklett, der im Internet unter "www.peakoil.net" alles zum Thema sammelt. Vor einem Jahr habe er vielleicht einen oder zwei Artikel zu dem Thema gefunden, sagt Aleklett. "Heute kann man die Texte kaum zählen."

          Buchautor Simmons selbst ist dabei überrascht, wie wenig Gegenwind er von offizieller Seite bekommen hat. Die Debatte konzentriere sich nun darauf, wie verläßlich die verfügbaren Daten sind. Simmons fordert - wie viele andere auch - insbesondere vom größten Ölproduzenten der Welt, Saudi-Arabien, mehr und detaillierte Angaben über die Qualität seiner Ölfelder.

          Bis es dazu kommt, bleibt "Peak Oil" wohl auch eine Glaubensfrage. Auf der einen Seite stehen jene wie der Exxon-Mobil-Chef von Australien. "Diese Theorien über die Erschöpfung der Ölquellen gibt es seit den zwanziger Jahren, insbesondere zu Zeiten hoher Ölpreise", sagt Mark Nolan. "Unsere Ansicht ist: Die Welt hat reichlich Energieressourcen, und eine Peak-Oil-Theorie von Wert gibt es nicht." Meinung steht gegen Meinung: Die einen glauben, höchstens ein Drittel des Rohöls der Erde sei verbraucht. Die anderen halten dagegen, es sei schon die Hälfte.

          Wie positioniert sich da ein Investor? "Es ist unstrittig, daß für die nächsten Jahrzehnte noch genügend Öl unter der Erde ist", urteilt Dieter Rentsch. Der Chef von Aquila Capital aus Hamburg hat Anfang des Jahres den "Peak Oil Fund" (Isin Lu0209280857) aufgelegt, um in die Gewinner von morgen zu investieren. Die Fördergeschwindigkeit von Öl nehme trotz des technischen Fortschritts zunehmend ab. Gleichzeitig steige die gesamte Kostenbasis des Öls und der Ölförderung. Ob das Fördermaximum nun bereits 2006 oder erst 2015 erreicht wird, ist für den Investor Rentsch daher zweitrangig.

          So oder so "bricht ein neues Zeitalter" an, glaubt er. Es werde dadurch geprägt sein, "daß das schwarze Gold künftig immer schwieriger lieferbar und immer teurer wird". Rentsch: "Im Peak-Oil-Zeitalter werden die Energiepreise bisher unbekannte Dimensionen erreichen." Nicht nur beim Öl würden die Nachfrage und damit der Preis rasant steigen, sondern auch bei alternativen Energiequellen: Ölsand, Uran, Kohle und sogar Zucker, aus dem Biokraftstoff hergestellt wird.

          Mit China und Indien erwachten zwei Riesen - 2,4 Milliarden Menschen, "die gerade vom Fahrrad auf das Auto umsteigen". Nach Japan-, Technologie- und Rußland- könnten Energieaktien daher der nächste Megatrend an den Finanzmärkten werden. Rentsch: "Das Post-Ölzeitalter hat begonnen."

          Matthew R. Simmons, Wenn der Wüste das Öl ausgeht, Finanzbuch Verlag, ISBN- 3-89879-227-7, 39,90 Euro.

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