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: Schreie vom Balkon - von Bukowski

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Ein schöner Mann war er nicht gerade. Aber Charles Bukowski war unverwüstlich. Er war ein Wrack, liebte die Frauen und den Alkohol, blieb nur dem Alkohol treu, posierte, rechts eine Nutte im Arm, links die Bierflasche, dazwischen das Aknegesicht und der Hängebauch unterm T-Shirt. Mit 35 war er halbtot, ...

          Ein schöner Mann war er nicht gerade. Aber Charles Bukowski war unverwüstlich. Er war ein Wrack, liebte die Frauen und den Alkohol, blieb nur dem Alkohol treu, posierte, rechts eine Nutte im Arm, links die Bierflasche, dazwischen das Aknegesicht und der Hängebauch unterm T-Shirt. Mit 35 war er halbtot, trank aber unbeeindruckt weiter und schrieb - neben Gedichten, Kurzgeschichten und Romanen - Briefe an seine Freunde. Diese Briefe von "Hank", wie ihn seine Freunde nannten, hat Carl Weissner, der am 14. März 1994 bei Bukowskis Begräbnis mit Sean Penn zu denen gehörte, die seinen Sarg trugen, übersetzt. Und sie sind wunderschön, weil man in ihnen nicht nur den großmauligen Anti-Helden findet, sondern auch die Stimme eines Verletzten, Geschundenen, der fürs Schreiben überleben will und der, bei aller Abgewracktheit, vor allem ein sehr, sehr lustiger Zeitgenosse gewesen sein muß.

          jia

          Charles Bukowski: "Schreie vom Balkon". Briefe 1958-1994. Herausgegeben von Seamus Cooney. Deutsch von Carl Weissner. Ginko Press, Hamburg 2005, 560 Seiten, 24,90 Euro

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