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Sabine Andresen, Micha Brumlik, Claus Koch (Hrsg.): Das ElternBuch Eile und Erziehung sind wie Feuer und Wasser

Schadet meinem Kind die Kinderkrippe? Warum kann es noch nicht sprechen? Ist es hochbegabt? Leidet es an einer Aufmerksamkeitsstörung? Woran erkenne ich sexuellen Missbrauch? Wie gehe ich mit einer Schulempfehlung um? „Das Elternbuch“ weiß Rat.

© Verlag Vergrößern

Der Konkurrenzdruck, den Eltern im Beruf erleben, befällt die Familien: Das Bestreben, dass die eigene Sippe den sozialen Status halten soll, lässt Erziehung zum Wettbewerb um das klügste, schönste, sportlichste Kind werden. Diese hohen Erwartungen, verbunden mit einem zunehmend als unzureichend empfundenen öffentlichen Schulwesen, produzieren freilich auch das Gefühl des Ungenügens. Voller Selbstzweifel betrachten heute viele Eltern ihr eigenes Erziehungshandeln.

Uta Rasche Folgen:    

Elternglück - und damit Kinderglück - sieht anders aus. Die schwedische Autorin Anna Wahlgren hatte 2004 in ihrem „KinderBuch“, völlig unbeeindruckt vom deutschen Leistungsdruck in der Erziehung, die Summe ihrer Erfahrungen aus der Erziehung von neun eigenen Kindern präsentiert - oft humorvoll, manchmal poetisch. An ihren Erfolg will der Beltz Verlag mit dem „ElternBuch“ anknüpfen. Es bündelt Erkenntnisse der Erziehungswissenschaft, Psychologie, Medizin und Neurobiologie. Neben Wissenschaftlern zählen auch Lehrer, Schulleiter, Therapeuten und der Leiter eines Jugendgefängnisses zum Kreis der 50 Autoren.

Beratungszentrum statt Küchenplausch

Während man bei der Wahlgren-Lektüre meint, in der Küche einer älteren Freundin zu sitzen und sich von ihr erklären zu lassen, wie man Momente der Verzweiflung im Leben mit Kindern überwindet, wähnt man sich beim Lesen des „ElternBuches“ in einem modernen Beratungszentrum. Die Experten sitzen dort in ihren Büros mit wohlsortiertem Bücherregal (Literaturliste im Anhang). Man geht von Tür zu Tür und stellt Fragen, auf die man abwägende, wohlbegründete Antworten erhält: Schadet meinem Kind die Kinderkrippe? Warum kann es noch nicht sprechen? Woran erkenne ich sexuellen Missbrauch? Soll es in eine Privatschule, eine Regelschule oder in ein Internat gehen? Ist es hochbegabt? Leidet es an AD(H)S? Wie helfe ich ihm, wenn es Mobbing-Opfer geworden ist? Wie gehe ich mit einer Schulempfehlung um?

Die hohen Anforderungen der Eltern an die Leistungen ihrer Kinder rücken am überzeugendsten die Grundschullehrerin Ute Andresen und die Potsdamer Rektorin Ulrike Kegler zurecht. Kegler weist darauf hin, dass nur das Kind angstfrei und freudig lernen kann, das das uneingeschränkte Zutrauen seiner Eltern in seine Fähigkeiten genießt. Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo kam in den 30 Jahren seines Forschens zu der Erkenntnis, dass man Kindern nichts beibringen könne, wozu sie nicht bereit seien. Das bestätigt die Rektorin, die überdies meint, dass Noten und Vergleiche jungen Kindern eher schaden. Lehrer müssten jedes Kind bedingungslos anerkennen und eine Atmosphäre schaffen, in der jeder seinen Platz hat - unabhängig von seinen Leistungen. Verwundert stellt sie fest, dass „die gleichen Eltern, die von ihren Kindern ehrgeizig schulische Bestleistungen verlangen“, die Ranzen ihrer Kinder tragen - „so als würden die nicht unter einer anderen Last mehr leiden als unter der ihres Rucksacks“.

Im Jetzt glücklich sein

Andresen beschreibt als Voraussetzung des Glücks in der Schule den Reifungsprozess des Vorschulkindes: Selbstsicherheit und Gelassenheit (anstatt der Angst, den Eltern nicht zu genügen); Fingerfertigkeit im Umgang mit Schere, Kleber, Buntstiften; sich als tüchtig erlebt zu haben, Misserfolg auszuhalten. Bei alldem erinnert sie daran, dass das Kind ein Recht darauf hat, im Jetzt glücklich zu sein. Wer es drillt, opfert die Gegenwart im Tausch gegen erhofften Erfolg in der Zukunft, der trotzdem ungewiss bleibt.

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Veröffentlicht: 25.03.2010, 13:48 Uhr