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Rezension: „Dating the Passion“ : Arbeit an der Ordnung der Zeit

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Bild: Verlag

Starke Schwankungen: Carl Phillipp Emanuel Nothafts Studie über die christliche Zeitrechnung und ihr Bemühen, die Lebensdaten Jesu zu bestimmen.

          Wer mit Google nach den Begriffen „Dating“ und „Passion“ sucht, der wird - wenig überraschend - zweideutige Resultate erzielen: „Dating mit Niveau“, „Passion Dating has made online dating more fun“, „Dating with Pure Passion“ (ein Ratgeber für christliche Singles). Das vorliegende Buch mit dem Titel „Dating the Passion“ behandelt dagegen, ganz wörtlich, die Geschichte der Bemühungen um eine exakte Datierung der Leidensgeschichte Christi. Die bearbeitete und ins Englische übersetzte Fassung der Dissertation von Carl Philipp Emanuel Nothaft über „Das Leben Jesu und die Entstehung der wissenschaftlichen Chronologie: Eine problemgeschichtliche Studie (200-1600)“ kommentiert grundlegende Fragen der Kalenderwissenschaft, Chronologie und Zeitrechnung, die sich längst in die tiefsten Schichten unserer Kultur eingegraben haben.

          Denn was wir heute als Globalisierungsprozess bezeichnen, verdankt seine unwiderstehliche Dynamik den Entdeckungsfahrten und territorialen Expansionen, nicht weniger aber der Synchronisation von Kalendersystemen und chronologischen Ordnungen. Dabei ging es nicht allein um die Verschränkung der Mond- und Sonnenkalender unter Befolgung der Rechenregel des - nach einem griechischen Astronomen des fünften vorchristlichen Jahrhunderts benannten - „Metonischen Zyklus“, der die Zeitdauer von neunzehn Sonnenjahren und zweihundertfünfunddreißig Mondmonaten gleichsetzt. Auch die Integration chronologischer Zählungen und Listen gehörte zur Arbeit am Kalender.

          Die Geburt eines Königs der Juden annehmen

          In Beziehung gesetzt wurden herausragende Ereignisse: Manche Zeitrechnungen bezogen sich ja auf Ursprungsereignisse wie die Erschaffung der Welt (im jüdischen Kalender) oder die Gründung einer Stadt (im römischen Kalender der Spätantike); andere Zeitrechnungen referierten auf Achsenereignisse wie die Geburt Christi oder die Hedschra, die Wanderung Mohammeds von Mekka nach Medina (im islamischen Kalender). Achsenereignisse sind für die Synchronisation von Kalendern nützlicher als Ursprungsereignisse, weil sie eine Jahreszählung in zwei Richtungen erlauben: vor und nach dem jeweiligen Referenzdatum.

          Während eine Berechnung der Zeiten vor dem Ursprung stets dessen Gewicht und Bedeutung zu relativieren droht, muss umgekehrt das Referenzdatum eines Achsenereignisses möglichst präzis festgelegt werden. Die Schwierigkeiten einer Bestimmung der Lebenszeiten Christi sind aber bekanntlich hoch, beginnend mit Jesu Geburt. Wer dem Matthäusevangelium folgen will, müsste die Probleme der „großen Sterndeutung“ bewältigen, die Nothaft auch in einem Beitrag in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 21. Dezember 2011) charakterisiert hat; wer dem Lukasevangelium folgen will, müsste die Geschichte des römischen Census in Judäa unter dem Statthalter Syriens, Publius Sulpicius Quirinius, aufklären. Der aussichtsreichste Kandidat für eine Planetenkonstellation, die chaldäische Magier dazu bewogen haben könnte, die Geburt eines Königs der Juden anzunehmen, verweist auf das Jahr 7 vor Christus (eine dreifache Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild der Fische); der erste römische Census in Palästina, unter der Regentschaft des Statthalters Quirinius, wurde aber erst zwischen den Jahren 6 und 7 nach Christus durchgeführt. Der Statthalter Herodes dagegen war bereits im Jahr 4 nach Christus gestorben.

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