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Veröffentlicht: 17.04.2017, 09:56 Uhr

Sachbuch zur Papstgeschichte Diplomatische Seelenheildiener

Kampf um die Macht in ihrer höchsten und reinsten Potenz: Volker Reinhardt führt durch die zweitausend Jahre lange Geschichte des Papstamtes.

von Jörg Ernesti
© dpa Das Wappen der Päpste, hier an einer Wand des päpstlichen Sommersitzes in Castel Gandolfo bei Rom.

Keine andere Institution der Geschichte hat ihre eigene Geschichte so oft und so kreativ neu erfunden“: Der in Fribourg lehrende Historiker Volker Reinhardt wendet sich gegen die Vorstellung, das Papsttum habe sich nie verändert. Bei aller Wandelbarkeit will er „Entwicklungslinien“ aufzeigen. Eine Geschichte dieser zweitausendjährigen Institution in einem Band, noch dazu von einem einzigen Autor verfasst – schon allein das muss einem Respekt abnötigen. Schließlich gilt es zu überblicken, was ansonsten Profan-, Kirchen- und Kunsthistoriker, Dogmatiker und Patrologen beschäftigt. Der Zugang muss multiperspektivisch sein, waren doch die Päpste nicht nur Religionsführer, sondern auch Monarchen und Mäzene.

Sicher ist es von Vorteil, dass Reinhardt anders als die älteren Historiker (Ranke auf protestantischer, Pastor auf katholischer Seite) keinen konfessionellen Standpunkt einnimmt. Dass seine Ausführungen dennoch nicht voraussetzungslos sind, ist offenkundig: Er versteht die Papstgeschichte als „Kampf um den Glauben, die Gewissen, die Seelen und damit um die Macht in ihrer höchsten und reinsten Potenz“. Ihrem Selbstverständnis nach dürfte es den meisten Pontifices allerdings primär um etwas anderes gegangen sein: um das Seelenheil der Menschen.

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Reinhardt wendet sich gegen die anachronistische Annahme, die Päpste hätten schon immer eine absolute Machtfülle besessen. Am Anfang stand lediglich ein Ehrenvorrang des Bischofs der Hauptstadt des Römischen Reiches, die überdies durch die Gräber der Apostelfürsten geadelt war. Doch schon in vorkonstantinischer Zeit suchte sich dieser Bischof „einen Vorrang innerhalb der Kirche zu sichern, der über den Ehrenplatz eines primus inter pares deutlich hinausging“.

Emanzipation vom Reich

In Lehrfragen wie der Festsetzung des Ostertermins wollte Rom die eigene Position gesamtkirchlich durchzusetzen, stieß dabei aber auf Widerstände. Im späten vierten Jahrhundert begründete der 384 verstorbene Damasus, der als „erster Papst“ gelten kann, den päpstlichen Anspruch theoretisch, ohne schon eine universale Jurisdiktionsvollmacht auszuüben. Die Entwicklung des Primats kam unter Leo dem Großen, dessen Lehrautorität auf dem Konzil des Jahres 451 allgemein anerkannt wurde, zu einem vorläufigen Abschluss.

Die territoriale Souveränität etablierte sich seit der karolingischen Zeit. Das Zusammengehen von Kaisertum und Papsttum brachte beiden Institutionen Vorteile, befreite dieses aus den Händen des lokalen Adels. Zur Emanzipation vom Reich und von den deutschen Herrschern kam es nach der Jahrtausendwende durch das Werk von „Radikalreformern“ wie Gregor VII. Die Tiara, die päpstliche Krone, wurde zum Symbol des pontifikalen Herrschaftsanspruchs – aber erst seit dem vierzehnten Jahrhundert mit drei Kronreifen.

Roms Glanz

Mit dem Investiturstreit war der „Kampf um die Vormacht“ nicht entschieden, selbst dann nicht, als die Nachfolger Petri sich für siebzig Jahre in die Obhut der französischen Krone begaben. Auf das „Avignonesische Exil“ folgte ein Papstschisma mit zwei, später drei konkurrierenden Prätendenten, das einen Keil durch ganz Europa treiben sollte. Erst auf dem Konzil zu Konstanz wurde die Einheit wiederhergestellt.

Einen wirklichen „Neuanfang“, ja eine „Neuerfindung“ des Papsttums stellt die Epoche der Renaissance dar. Hier kann Reinhardt als ausgewiesener Kenner der Epoche aus dem Vollen schöpfen. Als Nachfolger der römischen Cäsaren – von denen sie auch den Titel Pontifex geerbt hatten – verliehen die Päpste Rom einen Glanz, wie sie keine andere Hauptstadt der Welt aufwies. Die Stadt wurde zu einem „einzigartigen Kunst-Heiligtum“. Es entstanden der neue Petersdom und die Sixtina, die Freskenprogramme Raffaels und Michelangelos. Trotz schwindender geopolitischer Bedeutung erwies sich das Papsttum nun bis ins achtzehnte Jahrhundert als Kulturmacht. Die Begünstigung der eigenen Familie bestimmte fast durchgängig das Handeln.

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