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Petra Dobner: Wasserpolitik : Wie löscht man den Durst der Welt?

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Bild: Verlag

Werden sich die Menschen den Zugang zur immer knapper werdenden Ressource Wasser demnächst mit Gewalt verschaffen? Petra Dobner beschreibt die Fährnisse der internationalen Wasserpolitik.

          Die Vereinten Nationen haben den Anspruch auf sauberes Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Diese Forderung ist nicht leicht zu erfüllen: Derzeit herrscht besonders dramatischer Wassermangel in Osteuropa, an sauberem Trinkwasser fehlt es aber auch in denjenigen Gebieten, die in diesem Sommer von Flutkatastrophen betroffen sind. Viel zu viel Wasser, aber zu wenig sauberes Trinkwasser gibt es derzeit nicht nur in Pakistan und Teilen Chinas; auch im Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Polen konnte während der Überflutungen nicht genug Trinkwasser über öffentliche Netze zur Verfügung gestellt werden.

          Angesichts dieser Probleme ist man gespannt auf ein Buch mit dem Titel „Wasserpolitik“. Petra Dobner fragt: Sollen Staaten oder Privatunternehmen, einzelne Akteure oder die Global Governance Verantwortung für eine für alle Menschen wichtige Ressource tragen? Die Wasserpolitik dient nur als Exempel für dieses allgemeine politikwissenschaftliche Problem.

          Staaten entstanden entlang der großen Ströme

          Global Governance ist ein neues Zauberwort, die Autorin bietet ihm wacker die Stirn: „Die Versuche einer genauen Bestimmung des Inhalts von Global Governance sind zahlreich; für den Moment mag es genügen, Global Governance als eine Vielzahl von Organisationsformen staatlicher, nichtstaatlicher und genuin transstaatlicher Akteure zu definieren, die auf formellen und informellen Wegen versuchen, in der globalisierten Welt politische und gesellschaftliche Verhältnisse sowie Regelungsmodi für diese durchzusetzen, und sich hierbei aller Mittel bedienen, die ihnen legitim erscheinen.“

          Die Verteilung von Wasser ist seit Jahrtausenden ein wichtiges Politikfeld. Man mutmaßt darüber, dass die Wasserverteilung die Entstehung früher Staaten entlang der großen Ströme des Orients begünstigt hat. Sind aber Staaten heute mit der Aufgabe der Trinkwasserversorgung überfordert? Eine private Versorgung mit Ressourcen könnte eventuell mehr leisten, doch zeigt sich, dass private Konzerne gerade dort nicht investieren, wo es am dringendsten notwendig wäre, nämlich in den armen Ländern der Erde. Vor diesem Hintergrund wird die Wasserversorgung tatsächlich zu einem Testfall der Global Governance. Und umgekehrt bekommt die Kritik am Neoliberalismus im Blick auf wasserpolitische Erfordernisse bei Petra Dobner eine existentielle Schubkraft: „Mit seiner Absage an den Staat als legitimen Gestalter der öffentlichen Dinge wird der Neoliberalismus zu einer geradezu idealen Theorie für eine Welt, die im Begriff steht, den Staat als vorherrschende Form der politischen Organisation hinter sich zu lassen.“

          Was bei den Wassergipfeln herauskommt

          Was die Autorin über die konkreten örtlichen Wasserprobleme berichtet, ist deprimierend. Das Buch stellt die einzelnen Wassernetzwerke vor, die in den letzten Jahren gegründet wurden, aber ein Menetekel der Ineffizienz sind. Milliardenbeträge verschleuderte man für die zentrale Verwaltung der Organisationen, mehr als ein Drittel der Ausgaben versickerten in der Global Water Partnership, eine Versorgungsanstalt für Wasserfunktionäre im Gewand der globalen Durstlöscherin. Mit einer einfachen Methode weist die Autorin nach, wie die Mitglieder der weltweit tätigen Wasserorganisationen miteinander verbandelt sind: Sie klärt über Nachforschungen bei „Google“ auf, welche Akteure sich woher kennen. Das Ergebnis erstaunt nicht, wenn man weiß, wie Netzwerke entstehen: Immer wieder die gleichen Akteure treten in Erscheinung, sie sind nicht durch Wahlen legitimiert, sondern ernennen sich gegenseitig in immer neuen Ämtern und Würden. Man möchte von einer „Wassermafia“ sprechen.

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