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Peter F. Drucker: Ursprünge des Totalitarismus : Wehe der Zeit, die Helden braucht

Bild: Verlag

Die Ursache liegt im Verlust des Glaubens an die ökonomische Rationalität, an den Fortschritt und den Zusammenhang von privatem Egoismus und allgemeiner Wohlfahrt: Peter F. Drucker geht dem Totalitarismus auf den Grund.

          Der Begriff der Exilliteratur wird meist viel zu eng gefasst. Peter F. Drucker ist als Autor von Managementbüchern weltberühmt. Er hat das Management als echte Geisteswissenschaft bezeichnet, die „Führung durch Zielsetzung“, den „Wissensarbeiter“ und die „Kernkompetenz“ erfunden, hat den „Pensionsfondssozialismus“ angeprangert und die „postkapitalistische Gesellschaft“ ausgerufen. Knapp vierzig Bücher, darunter ein Roman und eine Autobiographie, hat er geschrieben.

          Sein erstes auf Englisch publiziertes Buch liegt nun auf Deutsch vor und hat einen Titel - Englisch: „The End of Economic Man“ -, der als Auftakt zu einem Publizistenleben in der Unternehmensberatung überraschen kann: „Ursprünge des Totalitarismus. Das Ende des Homo Oeconomicus“. Drucker war dreißig, als er es schrieb, und seit 1933 erst im englischen, dann im amerikanischen Exil, das der in Wien aufgewachsene Sohn eines Verwaltungsbeamten den Nationalsozialisten vorzog.

          Kritik des heroischen Menschen

          Die These, die er darin vorträgt, lautet: Der Totalitarismus - diesen Begriff hat Drucker nicht geprägt, aber als einer der Ersten analytisch verwendet - ist als pathologische Staatswucherung nicht zureichend begriffen. Er entspringt einer Gesellschaft, die den Glauben an die ökonomische Rationalität, an den Fortschritt und den Zusammenhang von privatem Egoismus und allgemeiner Wohlfahrt verloren hat. „Wir wollen keine tieferen Brotpreise, wir wollen keine höheren Brotpreise, wir wollen keine unveränderten Brotpreise - wir wollen nationalsozialistische Brotpreise!“, zitiert Drucker, der in Frankfurt als Jurist promovierte und bis 1933 dem Staatsrechtler Carl Schmitt nahestand, einen Zeitgenossen. An die Stelle bürgerlicher Einstellungen trete so die Hingabe an charismatische Erscheinungen, reine Macht und Kriegsbegeisterung sowie die Anfälligkeit für Sündenbocktheorien und Wunderglaube. Der heroische Mensch löse den christlichen ab.

          Nun hatte allerdings auch der Nationalsozialismus seine ökonomischen Gesichtspunkte: nur dass sie eben auf Gehorsam durch Wohlfahrt, auf Staatsverschuldung und deren Tilgung durch Raub beruhten. Und was die Christlichkeit der Fundamente rechtsstaatlicher Demokratien oder bürgerlicher Mentalität angeht, so kann man darüber lange diskutieren. Doch es ist sehr interessant zu sehen, wie Drucker 1939 die Krise Europas - ganz ähnlich wie zur selben Zeit der Soziologe Talcott Parsons und der Ökonom Karl Polanyi - auf einen zerfallenden, weil sich selbst missverstehenden, das Individuum isolierenden Liberalismus zurückführt.

          Durch Freiheit zur Gleichheit: Der Zerfall dieses Versprechens hat für ihn die totalitäre Massensuggestion und die Bereitschaft zur politischen Hysterie in Gang gesetzt. Auch die Kritik des heroischen Menschen gehört zu den Passagen, die bleibende Bedeutung haben. Mit Sebastian Haffners „Germany. Jekyll and Hide“, das im Jahr darauf erschien, ist es eine der wachesten Zeitdiagnosen jener Jahre. Winston Churchill hat damals auf beide Werke begeistert reagiert.

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