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Regretting Motherhood : Die Nabelschnur als Galgenstrick

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Jede Mutter liebt ihr eigen Fleisch und Blut? Das Gegenteil behaupten die beiden Autorinnen Orna Donath und Esther Göbel. Bild: © Trent Parke/MAGNUM PHOTOS

Macht Mutterschaft zufrieden, und warum manchmal nicht? Orna Donath und Esther Göbel tun nur so, als suchten sie eine Antwort auf diese Fragen – und hantieren auch noch mit dürftigen Belegen.

          Das ZDF legt seine ganz eigene Messlatte an, wenn über die Relevanz von Frauenthemen entschieden wird. Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln waren eine baldige Berichterstattung nicht wert. Aber Claus Kleber befand, dass das Social-Media-Phänomen unter dem Hashtag „#regrettingmotherhood“ einen Platz im „heute journal“ verdient hat. Das war im April 2015, und es war eine falsche Entscheidung.

          Die zwei Neuerscheinungen, die sich das Thema jetzt noch einmal vornehmen, bestätigen leider den schon im letzten Jahr geäußerten Vorwurf, den Hype verdiene die Sache nicht. Orna Donath kocht unter dem Titel „Wenn Mütter bereuen“ ihre eigene „Studie“ auf, die als Auslöser der Diskussion gilt. Man merkt die Absicht, aus der vor allem auf Facebook und Twitter lancierten Debatte noch ein wenig Honig zu saugen, und ist verstimmt. Die israelische Soziologin hat mittels Tiefeninterviews von 23 Frauen angeblich ein Tabu gebrochen: Mutterschaft sei keineswegs immer erfüllend, auch wenn dies die Gesellschaft zur Norm deklariere.

          Ausgangspunkt für die 1976 geborene Soziologin war die Mahnung aus ihrem Umfeld, sie würde es dereinst bereuen, keine Kinder zu haben. Den Spieß möchte Donath nun umkehren und hat nach Müttern gesucht, die postulieren, lieber „Mutter von niemandem“ sein zu wollen. Sie lieben ihre Kinder, bereuen aber, Mutter zu sein. Sie seien keineswegs krank, es finde sich keine Pathologie wie etwa eine postpartale Depression, die bekanntermaßen nach der Geburt die Entwicklung von Muttergefühlen stören kann. Die Frauen sollen auch nicht zu jenen „ambivalenten“ Vertreterinnen des Müttergeschlechtes gehören, denen angesichts nerviger Kinder und der vielfältigen Belastungen des Familienlebens ab und an der Geduldsfaden reiße.

          Eine Vermischung der Debatten

          In der Debatte des vergangenen Jahres flogen die Argumente alsbald kunterbunt durcheinander. Den vielen mit ihrer Situation unzufriedenen Frauen, die sich auf den Kanälen der sozialen Medien äußerten, ging es nicht mehr allein um das sogenannte Tabu von Müttern, die eigentlich keine sein wollten, sondern wie so oft um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die damit einhergehende Zermürbung. Das verwundert nicht. Denn Donath selbst vermischt dies in ihrem Buch miteinander.

          Abgesehen von den gedruckten Antworten der Interviewten, die sich genauso langatmig lesen, wie es soziologische Tiefeninterviews nun mal an sich haben, räsoniert die Autorin munter drauflos: über Reue als Machtinstrument, mittels derer die Gesellschaft die Geburtenrate sichern wolle, über die Mehrfachbelastung der modernen Frau, über das falsche Idealbild der Supermutter, das sie in der Reformation verortet (spannende These, aber nicht belegt), über Väter, die nicht genügend helfen, über alles eben, was die Nabelschnur zum Galgenstrick mütterlichen Daseins werden lässt. Nur ist nicht einmal die Studie selbst die aufregende Entdeckung, als die sie sich geriert. Denn dass manche Eltern ihre Entscheidung für Kinder bereuen, ist nicht neu, Foren wie http://childfreedom.blogspot.de/2011/04/i-regret-having-kids.html existieren schon länger, sind öffentlich zugänglich, und jeder, der will, darf darin nach weiteren Ideen für steile soziologische Thesen stöbern. Der nur verbal beschworene Tabubruch ist außerdem nicht repräsentativ.

          Die Autorin suggeriert geschickt, es handele sich um ein Problem, dessen Tragweite womöglich nicht erkannt sei. Aber sie hatte nach den Frauen, die ihre Reue schilderten, explizit unter dem Titel „Bereute Elternschaft“ gesucht. Wonach ein Forscher sucht, findet er nach den Regeln der Soziologie auch, und so kommt Donath selbst zu dem entlarvenden Schluss: „Man mag sich fragen, worin der wissenschaftliche Wert einer Studie besteht, die sich auf nur 23 Darstellungen von Mutterschaftserfahrung stützt.“ Das stimmt, vieles, was man da liest, könnte so auch beim Kaffee mit der guten Freundin gesagt worden sein. Sowohl in puncto Aktualität als auch im Hinblick auf ihre quantitative Bedeutung dürften die Schlussfolgerungen dieser Studie also überschätzt worden sein.

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