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24.02.2008 ·  Für die Tasche Wenn wir Deutschen nach Österreich in den Urlaub fahren, ist das eigentlich wie Ferien im eigenen Land. Denn Österreich ist gefühltes siebzehntes Bundesland, nur dass seine Bewohner, wie zum Beispiel die Sachsen, einen seltsamen Dialekt sprechen und ihre Umgangsformen an Knigge-Seminare erinnern.

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Für die Tasche Wenn wir Deutschen nach Österreich in den Urlaub fahren, ist das eigentlich wie Ferien im eigenen Land. Denn Österreich ist gefühltes siebzehntes Bundesland, nur dass seine Bewohner, wie zum Beispiel die Sachsen, einen seltsamen Dialekt sprechen und ihre Umgangsformen an Knigge-Seminare erinnern. Die Österreicher haben einfach die besseren Manieren. Zumindest solange für sie dabei finanziell etwas rausspringt, behauptet Walter Lendl, Exil-Österreicher und Journalist mit Wohnsitz in Berlin. Mit "Darum nerven Österreicher" gibt er uns ein Buch an die Hand, das uns davor bewahren soll, dem falschen Charme seiner Landsleute blindlings zu erliegen.

Denn hinter ihrer aufdringlichen Freundlichkeit, warnt er uns, verbirgt sich in Wahrheit geldgierige Wegelagerei. Uns "Piefkes" aus dem Norden wollen sie im Kaffeehaus oder auf der Reise durch ihr beinahe schon kitschiges Schnitzelland das Geld aus der Tasche ziehen. Und am besten dabei nicht viel mehr tun außer lächeln. Sollen doch die anderen schuften.

Für diese traditionsreiche Untätigkeit gibt Lendl dann eine simple Begründung: "Das hamma noch nie g'macht" oder wahlweise: "Das hamma schon immer so g'macht." Diese Einstellung, gepaart mit mangelnder Risikobereitschaft, ist laut Lendl schuld daran, dass die Menschheit die wirklich bedeutenden Erfindungen - wie beispielsweise die Elektrizität - nicht dem geistigen Eifer der Österreicher verdankt.

Lendl lässt nichts aus: Er seziert die österreichische Seele vom Verhältnis zu Adolf Hitler bis hin zum Sexualleben. Doch je mehr er sich über seine Landsleute aufregt, desto deutlicher wird, wie gern er sie eigentlich hat.

Auch wenn er scheinbar kein gutes Haar an den Bewohnern der Alpenrepublik lässt, sein Buch sieht er als Beitrag zur Völkerverständigung: "Ich habe ein Aufklärungsbuch geschrieben, das beim Schenkelschlagen zum Nachdenken anregt." Dann nämlich fällt eins auf: Wie ähnlich wir uns eigentlich sind.

brin

Walter Lendl: "Darum nerven die Österreicher". Eichborn-Verlag 2007, 220 Seiten, 12,95 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite V4
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