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Neue Reisebücher

 ·  Für die Tasche Normalerweise sind Bergsteiger keine anarchistischen Punks mit Irokesenhaarschnitt, die in der Felswand hängen, Sex-Pistols hören und der verhaßten Welt den Finger zeigen. Normalerweise. Die abnormale Ausnahme heißt Mark Twight, kommt aus Amerika und gilt als "Enfant terrible" der Kletterszene.In diesen Tagen ist sein Buch "Steig oder stirb" auf deutsch erschienen.

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Für die Tasche Normalerweise sind Bergsteiger keine anarchistischen Punks mit Irokesenhaarschnitt, die in der Felswand hängen, Sex-Pistols hören und der verhaßten Welt den Finger zeigen. Normalerweise. Die abnormale Ausnahme heißt Mark Twight, kommt aus Amerika und gilt als "Enfant terrible" der Kletterszene.

In diesen Tagen ist sein Buch "Steig oder stirb" auf deutsch erschienen. Es versammelt 24 Geschichten, die zwischen 1985 und 2000 in amerikanischen Bergsteigermagazinen veröffentlicht wurden, und unterscheidet sich von allen anderen Büchern über Berge ungefähr so, wie sich sein Autor von jenem bärtigen Naturburschen unterscheidet, den man mit Bergsteigen assoziiert. Es ist bedingungslos, tabulos, radikal, und doch wurde es als das ehrlichste Bekenntnis eines Bergsüchtigen gefeiert. Es handelt von Wut und Qual, Gefahr und Tod. Es spiegelt die Haltung eines Mannes wider, der im Alter von dreißig Jahren 35 Freunde in den Bergen verloren hat und weiterklettert, weil er sich "der Tatsache stellen mußte, möglicherweise zu überleben". Für Menschen, die "ihr Leben abseits von Leben und Streben" verbringen und nicht in Twights Weltbild passen, bleibt nur Verachtung: "Ihre mutigen Taten bestehen darin, morgens aus dem Bett zu steigen, sich mit ihrem Chef zu streiten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu fahren. Vielleicht fordern sie das Unbekannte heraus, indem sie in einem vietnamesischen Restaurant essen."

Twight bereitete sich unterdessen lieber auf die nächste Klettertour vor, indem er "Treppen hinauf und hinunter" rannte, bis er sich übergab, und Beziehungen zerstörte, um sich "an das Gefühl des Scheiterns zu gewöhnen". Er schreibt: "Ich wurde zu jemandem, den man nur von Herzen lieben oder abgrundtief hassen konnte." Und so wurde auch sein Buch. Man kann es verschlingen - oder verabscheuen.

asl

Mark Twight: Steig oder stirb, Malik, 382 Seiten, 19,90 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.10.2005, Nr. 40 / Seite V5
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