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Michael Gordin: The Pseudoscience Wars : Wenn die Götter kämpfen, prallen Welten aufeinander

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Bild: The University of Chicago Press

Weltgeschichte ganz eigener Art: Michael Gordin beschreibt die Auseinandersetzung um die Theorien des Pseudowissenschaftlers Immanuel Velikovsky.

          Wissenschaftsphilosophen mussten in den vergangenen Jahrzehnten lernen, eine großen Enttäuschung zu verwinden: Ihre zahllosen Versuche, das Un-, Anti- und Pseudowissenschaftliche handfest von der echten und wahren Wissenschaft abzugrenzen, scheiterten alle. Die Wissenschaftsgeschichte hat daraus die Konsequenzen gezogen und versucht, mit einer konsequenten Historisierung dieser Begriffe weiterzukommen. Ein äußerst gelungenes Beispiel dafür bietet Michael Gordin mit seiner fundierten und gleichzeitig unterhaltsamen Studie über die schillernde Figur des Immanuel Velikovsky, der mit seinen gewagten Thesen über weltgeschichtliche Katastrophen die Fachwelt entsetzte und gleichzeitig eine große Gefolgschaft in der Öffentlichkeit gewann.

          Der im weißrussischen Witebsk geborene Immanuel Velikovsky (1895 bis 1979) studierte Medizin in Montpellier, Edinburgh und Moskau, lebte in den zwanziger Jahren in Berlin, studierte danach Psychologie in Zürich und Psychoanalyse in Wien. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs siedelte er in die Vereinigten Staaten über, lebte zuerst in New York und später in Princeton als Privatgelehrter. Dort widmete er sich vor allem der altägyptischen Geschichte und arbeitete, als Antwort auf Freuds Moses-Buch, an einem Werk mit dem Titel „Ödipus und Echnaton“.

          Mars und Venus auf Zerstörungskurs

          1950 erschien im angesehenen Wissenschaftsverlag Macmillan - damals der führende Verlag für College-Lehrbücher - Velikovskys Bestseller „Welten im Zusammenstoß“, in dem er eine eigensinnige Sichtweise auf weltgeschichtliche Ereignisse der letzten fünftausend Jahre entwickelte. Laut Velikovsky wurde durch eine kosmische Katastrophe ein Teil des Jupiters abgesprengt. Die Bruchstücke vereinigten sich zu einer Proto-Venus, und diese kreiste dann als Komet auf einer unregelmäßigen Bahn durch das innere Sonnensystem.

          Die Venus soll mit ihrem Kometenschweif und durch ihre Schwerkraft und elektromagnetische Wirkung die Erde mehrmals verwüstet haben. Das Jahr hatte vor diesen Ereignissen weniger als 360 Tage, was sich erst im zweiten Jahrtausend vor Christus änderte. Auch die Bahn des Mars sei von der Venus gestört worden, was als Kampf der Götter in die Mythen, wie zum Beispiel die Ilias, eingegangen sei. Mars kam danach der Erde mindestens zweimal im siebten Jahrhundert vor Christus nahe und richtete weltweit Zerstörungen an. Dadurch erst soll sich das Jahr zu einer Länge von 365¼ Tagen geändert haben, während sich die Bahnen von Mars und Venus anschließend stabilisierten. Velikovskys Buch wurde ein unerwarteter Bestseller.

          Zu Gast bei Einstein

          Das wissenschaftliche Establishment aber reagierte scharf. Zwar waren Bücher mit eigenwilligen Thesen wirklich nichts Neues, aber in diesem Fall wurde Macmillan unter Druck gesetzt, das Buch aus dem Programm zu nehmen oder aber einen Boykott seiner profitablen Lehrbücher zu erleiden. Wissenschaftler, die auch nur leisestes Verständnis für Velikovskys Thesen äußerten, wurden von ihren Kollegen harsch abgefertigt. Velikovsky selbst versuchte vergeblich, Unterstützung für experimentelle Prüfungen seiner Thesen bei etablierten Wissenschaftlern zu finden. Ein kleiner Trost blieb ihm jedoch. In Princeton lebte er nicht weit von Albert Einstein und war in den letzten Lebensjahren des Physikers ein regelmäßiger Gast in dessen Haus. Er behauptete später, Einstein habe ein gewisses Verständnis für seine Hypothesen entwickelt, doch damit konnte er nie überzeugen.

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