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Michael Axworthy: Iran - Weltreich des Geistes : Sie haben die Macht des Lichts mit Füßen getreten

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Bild: verlag

Von Zarathustra zum Atomprogramm: Der englische Historiker Michael Axworthy durchstreift die zweieinhalb unruhigen Jahrtausende des iranischen Geisteskosmos.

          Seit mehr als dreißig Jahren hat die Islamische Republik Iran selbst viel dazu beigetragen, ein ganz einseitiges Bild Irans zu zeichnen. Sie war angetreten, um die islamischen Traditionen gegen fremde Einflüsse zu verteidigen - und hat gerade deshalb einen großen Teil dieser Traditionen zerstört. Ja, selbst mit der Frömmigkeit hapert es, denn nur 1,4 Prozent der Bevölkerung nehmen regelmäßig am Freitagsgebet teil. Für einen Staat, der sich eine Erneuerung der Gesellschaft aus dem Geist des Schiitentums vorgenommen hatte, ist das beschämend. Ebenso, dass man außerhalb des Landes den Eindruck gewinnt, Iran sei längst zu einer Militärdiktatur verkommen und fröne bloßem Machtstreben in der Region - siehe Atomprogramm.

          Michael Axworthys Iran ist hingegen ein geistiger und historischer Kosmos, an dessen Entschlüsselung gerade deutsche Iranisten schon früh maßgeblich mitgewirkt haben, von Georg Friedrich Grotefend (1775 bis 1853), dem Entzifferer der altpersischen Keilschrift, bis zu Walther Hinz. Diese Namen, vor allem der Grotefends, kommen in Axworthys Buch freilich gar nicht vor. Wie man überhaupt bemängeln kann, dass ein einführendes Kapitel über die wissenschaftliche Erschließung Irans fehlt. Was wäre eine Darstellung der ägyptischen Geschichte ohne ein Eingehen auf die Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion?

          Die Teilung der Welt in Gut und Böse

          Ansonsten schildert das Buch mit der vielen englischen Autoren eigenen stilistischen Leichtigkeit gut lesbar zweitausendfünfhundert Jahre iranische Geschichte und Geistesgeschichte. Unser Bild vom antiken Iran wird bis heute von den alten Griechen bestimmt, die mit dem Großreich der Achaimeniden (Dareios, Xerxes) schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Für sie war "der Perser" ein aggressiver Barbar; von dieser aus damaliger Sicht verständlichen Wahrnehmung, die Aischylos mit seinem Drama festigte, sind wir noch immer nicht ganz frei. Der Autor, Professor an der Universität Exeter, zeigt jedoch, dass dieses Achaimenidenreich, etwa unter Kyros, alles andere als kulturlos oder intolerant war - es war nur anders. Neu ist das nicht, aber es muss immer wieder einmal gesagt werden. Schon Alexander der Große wollte dann beide Kultursphären miteinander verschmelzen: Das Resultat war der Hellenismus.

          Wie ein roter Faden begleitet der altiranische Religionsstifter Zarathustra, der bei den Griechen Zoroaster hieß, das Buch, eine in vielem noch immer rätselhafte Gestalt. Seine Teilung der Welt in die Macht des Lichtes (Ahura Mazda) und die Sphäre der Lüge und des Trugs (drugvant, Ahriman), der Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis begleitet die menschliche Geschichte bis heute, nicht nur im Orient.

          Der Einfluss persischen Gedankenguts

          Alle Religionen nach Zarathustra sind von diesem Dualismus beeinflusst worden, er prägte die religiös-ethischen Vorstellungen der Arsakiden (Parther) ebenso wie die der Sassaniden, in deren Herrschaftsbereich die Priesterkaste der "mobedan" noch immer Zarathustras Lehren huldigte - bevor der Islam Mitte des siebten Jahrhunderts nach Christus allmählich Iran eroberte.

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