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: Meisterwerke

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Als 1929 Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" erschien, zierte den Schutzumschlag der Erstausgabe ein munteres Bildgemisch aus Inhaltsangabe in Schreibschrift und kleinen Vignetten - das ganze in Schwarz und Blau und Rot. Dieser Umschlag machte Epoche, die deutsche Buchgestaltung der Folgejahre, ja selbst die der fünfziger und sechziger Jahre ist ohne "Berlin Alexanderplatz" kaum denkbar.

          Als 1929 Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" erschien, zierte den Schutzumschlag der Erstausgabe ein munteres Bildgemisch aus Inhaltsangabe in Schreibschrift und kleinen Vignetten - das ganze in Schwarz und Blau und Rot. Dieser Umschlag machte Epoche, die deutsche Buchgestaltung der Folgejahre, ja selbst die der fünfziger und sechziger Jahre ist ohne "Berlin Alexanderplatz" kaum denkbar. Künstlern wie Walter Trier mit seiner meisterhaft schlichten Linie und den kräftig-plakativen Farben lieferte er Anschauungsmaterial. Der Name des Gestalters aber ist nahezu vergessen: Georg Salter.

          Das erste Meisterwerk des 1897 in Bremen geborenen gelernten Bühnenbildners erschien 1923: der Umschlag zu Henri Guilbeaux' Lenin-Biographie, einem eher apologetischen Werk, das im ambitionierten Verlag "Die Schmiede" erschien. Salter zeichnete allein den Namen des Revolutionsführers quer über den Umschlag - feuerrot und sperrig, eine Arbeit im Geist der russischen Konstruktivisten. Von da an fand der junge Gestalter im Verlag "Die Schmiede" einen festen Abnehmer, und er wurde dadurch zum ersten Buchgestalter für Franz Kafka, dessen Erzählungsband "Ein Hungerkünstler" von 1924 noch zu Lebzeiten des Autors konzipiert worden war. Mit dem großen Kollegen Walter Trier verband ihn später die Arbeit für Erich Kästner, dessen "Fabian" Salter 1931 für die Deutsche Verlagsanstalt mit einem von ihm gezeichneten Schutzumschlag versah - auch hier wieder mit typographischem Schwerpunkt. Salters Stärke lag immer in der eleganten Verbindung einer vorlagengerechten Typographie mit expressiven Farben. Die Gestaltung für den "Hungerkünstler" geriet so überzeugend, daß der Entwurf auch für die Erstpublikationen der nachgelassenen Kafka-Romane "Der Prozeß" und "Das Schloß" beibehalten wurde.

          Nahezu dreihundert Buch- und Umschlaggestaltungen hat der Sammler Jürgen Holstein für Salters Berliner Jahre von 1922 bis 1934 nachgewiesen, darunter viele, die dem Gestalter zum erstenmal zugeschrieben werden konnten. Ein Jahr nach Hitlers Machtübernahme floh er vor den Nazis nach New York. Dort prägte er die amerikanische Buchgestaltung durch eigene Entwürfe und seine Lehrtätigkeit an der Cooper Union Art School. 1967 starb er. Daß nun noch einmal seine wunderbaren Entwürfe der Berliner Zeit zusammengetragen werden, ergänzt um biographische Essays, die überwiegend auf deutsch und englisch abgedruckt sind, das verdankt sich der Initiative des Antiquars Holstein, der seine reichhaltige Sammlung zur Grundlage eines im Eigenverlag herausgegebenen, hervorragend gedruckten Bandes gemacht hat. Solches Engagement für eine private Vorliebe wäre allein schon Freude genug, doch daß dadurch auch noch ein Meister seiner Zunft gewürdigt wird, macht das Buch zu einem Ereignis. Es gibt nicht viel Literatur zur Geschichte der Buchgestaltung. Wenn sie aber durchweg von dieser Genauigkeit, Anschaulichkeit und Druckqualität wäre, dürfte das Metier auf die Renaissance hoffen, die es so dringend nötig hätte.

          ANDREAS PLATTHAUS

          Jürgen Holstein: "Georg Salter". Bucheinbände und Schutzumschläge aus Berliner Zeit 1922-1934. Privatdruck 2003, zu beziehen durch J. Holstein, Wildpfad 8, 14193 Berlin. 155 S., 180 farb. Abb., br., 88,- [Euro].

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2003, Nr. 142 / Seite 37

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