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Maxwell R. Bennett und Peter M. S. Hacker: Die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften : Was sich im Kopf nicht alles finden lässt!

Bild: WBG

„Die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften", so lautet der Titel des Bandes von Max Bennett und Peter Hacker, der nun sieben Jahre nach der Originalausgabe endlich auch auf Deutsch vorliegt. Hier leisten die Beiden philosophische Aufklärungsarbeit!

          Die philosophischen Grundlagen der Neurowissenschaften", so lautet der Titel des Bandes von Max Bennett und Peter Hacker, der nun sieben Jahre nach der Originalausgabe endlich auch auf Deutsch vorliegt. Es ist ein Titel, über den man leicht stolpern kann. Sollten denn die Neurowissenschaften ein philosophisches Fundament brauchen? Schließlich gilt, salopp formuliert, Wissenschaft ist auch und nicht zuletzt, wenn es trotzdem funktioniert.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Nun haben aber Bennett und Hacker - Neurowissenschaftler in Sidney der eine, Philosoph in Oxford der andere - durchaus keine philosophische Theorie entworfen, die irgendwelche heiklen Punkte entscheiden will. Es geht nicht um Thesen über Hirn und Geist, freien Willen und kausale Geschlossenheit, Qualia, geistlose Zombies, invertierte Farbspektren und was Philosophie des Geistes sonst noch so alles im Angebot hat. Es geht den beiden Autoren ganz im Gegenteil darum, es auf philosophische Probleme gar nicht erst hinauslaufen zu lassen, die Thesen dieser Art zu ihrer Auflösung nach sich ziehen.

          Philosophische Aufklärungsarbeit

          Was Bennett und Hacker dagegen im Blick haben, ist philosophische Aufklärungsarbeit. Im Geiste Wittgensteins nämlich, und das meint: Keine Theorien schmieden oder strittige Thesen verfechten, sondern vor Augen führen, wie wir die Begriffe gebrauchen, mit denen wir alltäglich von mentalen und psychischen Sachverhalten handeln: Empfindung und Wahrnehmung, Denken und Erinnern, Vorstellen und Wollen, Gefühl und (Selbst-)Bewusstsein und andere mehr. Denn der alltägliche Gebrauch bestimmt die Bedeutung dieser Begriffe, und diese Bedeutung ist auch für die Neurowissenschaften grundlegend: Sie wollen schließlich erklären, wie sich die neuronalen Mechanismen verstehen lassen, die jenen mentalen und psychischen Prozessen zugrunde liegen, auf die wir uns laufend mit genau diesen Begriffen beziehen.

          Das klingt zwar bescheiden, denn was sollte so schwierig daran sein, uns an unserer eigenen üblichen Verwendung mentaler und psychologischer Begriffe zu orientieren. Doch dieser Eindruck täuscht, denn wir neigen hartnäckig dazu, unsere eigenen Sprechweisen misszuverstehen, sobald wir sie gleichsam abseits ihres selbstverständlichen Funktionierens in Augenschein nehmen und im Lichte vorgefasster Bilder oder auch Theorien interpretieren. Dann geraten wir schnell und unvermerkt auf die Bahn begrifflicher Verwirrungen. Wenn Hirnforschern solche Konfusionen unterlaufen - und sie sind dafür ziemlich anfällig -, bekommen die Verwirrungen überdies einen wissenschaftlichen Anstrich und stützen sehr merkwürdige Vorstellungen vom Gehirn wie von uns selbst.

          Diese neurowissenschaftlichen Verzeichnungen haben Bennett und Hacker in ihrem Buch im Visier. Sie müssen sich nach ihnen auch nicht etwa lange umsehen, sondern können bei prominenten Neurowissenschaftlern aus dem Vollen schöpfen. Ein sicheres Indiz ist dabei, was die Autoren den "mereologischen Fehlschluss" nennen: nämlich einem Teil eines lebendigen Wesens Eigenschaften zuzusprechen, die sinnvoll nur diesem Wesen selbst beigelegt werden können. Der Teil ist in diesem Fall natürlich das Gehirn, das Hirnforscher gerne zum Subjekt befördern. Wer ihre Bücher liest, stößt denn auch häufig auf ein Gehirn mit einem entsprechenden Spektrum von Fähigkeiten: ein Gehirn, das wahrnimmt, denkt, konstruiert, vergleicht, erkennt, rechnet, sich erinnert, Hypothesen formuliert, glaubt, fühlt, Schlüsse zieht, entscheidet und mit symbolischen Repräsentationen der Welt hantiert.

          Die Aufklärungsarbeit von Bennett und Hacker besteht im geduldig geführten Nachweis, dass diese Übertragung von uns wohlvertrauten Fähigkeiten auf das Gehirn nicht etwa falsch, sondern schlicht unsinnig ist - eben das Produkt einer begrifflichen Verwirrung. Denn diese Übertragung vergisst, dass die sinnvolle Zuschreibung solcher Fähigkeiten in unauflösbarer Weise an Verhaltenskriterien von Menschen - allgemeiner von Tieren einer gewissen Entwicklungsstufe - gebunden ist. Und diese kriterielle Verankerung lässt sich vor Augen führen, indem man nachzeichnet, wie wir üblicherweise solche Ausdrücke wie denken, fühlen, erinnern oder wahrnehmen gebrauchen: in einer übersichtlichen Darstellung der Begriffe, mit denen wir von unseren psychischen Vermögen handeln, und der zwischen ihnen bestehenden Beziehungen. Bennett und Hacker demonstrieren das auf beeindruckende und schnörkellose Weise.

          Dualismus von Körper und Geist

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