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Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt : Das Heidegger-Vehikel läuft noch recht gut

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Bild: ullstein

Alles gibt’s, nur nicht die Welt: Markus Gabriel zeigt mit Verve, wie man abseits akademischer Einhegungen zentrale philosophische Fragen ohne Abstriche verhandeln kann.

          „Was ist Sein?“ - Martin Heideggers Frage nach dem Sinn von Sein ist philosophiegeschichtlich legendär und hat es sogar zur Verarbeitung in einem Rap-Song gebracht. Bei Markus Gabriel, dreiunddreißig Jahre junger Professor für Erkenntnistheorie in Bonn, der nun sein erstes im weitesten Sinne populäres Buch geschrieben hat, klingt die Frage nach dem Sinn von Sein ein wenig flapsiger: „Was soll das Ganze eigentlich?“

          Warum nun aber sollte es die Welt nicht geben, wie das der Titel des Buchs behauptet? Er erinnert zunächst an Titel populärphilosophischer Veröffentlichungen, die sich seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit erfreuen und gern mit pseudoparadoxen Formulierungen locken. Was Gabriel in seinem Buch betreibt, ist aber Philosophieren auf hohem Niveau. Natürlich geht es ihm nicht darum, zu zeigen, dass nichts existiert. Dargelegt wird von ihm vielmehr, warum es „alles gibt, nur eben nicht die Welt“. Damit richtet sich Gabriel vor allem gegen eine bestimmte philosophiegeschichtliche Auffassung dieses Begriffs, deren konzeptuelle Verfestigung man gewöhnlich bei Descartes ansetzt und die darauf hinausläuft, dass „die Welt“ als eine Außenwelt vorgestellt wird, in der sich das Subjekt bewegt und in welcher sich darüber hinaus alle möglichen Gegenstände befinden.

          Die „eigentliche“ Beschreibung gibt es nicht

          Eine Liste der Entitäten, welche sich nach der von Gabriel angefochtenen „Welt“-Konzeption „in der Welt“ befinden müssten, liest sich so: „Es gibt unseren Planeten, meine Träume, die Evolution, Toilettenspülungen, Haarausfall, Hoffnungen, Elementarteilchen und sogar Einhörner auf dem Mond.“ Schnell wird deutlich, dass diese Weise des Redens wenig Sinn ergibt. Wenn man in diesem Sinne sagt, dass es etwas „gibt“ beziehungsweise „nicht gibt“, erliegt man für Gabriel einem Missverständnis. Es „sind“ dann eigentlich nur noch materiell existierende - und dadurch, etwa im physikalischen Sinne, untersuchbare - Gegenstände. Das aber wird der Vielfalt der von uns wahrgenommenen oder generierten Realitäten nicht gerecht. Ein Beispiel, das der Autor häufig verwendet, ist das der „Existenz“ von Hexen. Obwohl es natürlich keine Hexen „gibt“, sei die Aussage „Es gibt Hexen“ nicht falsch, etwa wenn man sich auf Shakespeares „Macbeth“ beziehe. Denn in diesem literarischen Werk spielen Hexen schließlich eine tragende Rolle.

          Was folgt nun daraus? Gabriel führt einen Begriff ein: „Sinnfeld“ bezeichnet bei ihm den Bereich, in dem bestimmte Gegenstände erscheinen. Wenn wir etwa versuchten, einen Tisch unter dem Aspekt seiner physikalischen Beschaffenheit zu untersuchen, dann wäre dies eben der Tisch, wie er für den ihn untersuchenden Naturwissenschaftler unter einer bestimmten Fragestellung erscheint - in einem naturwissenschaftlichen „Sinnfeld“. Dies sagt aber nichts über die „eigentliche“ Beschaffenheit des Tisches aus. Es stimmt ja nicht, dass der Tisch „eigentlich“ nur ein Aggregat von Elementarteilchen sei. Die physikalische Beschreibung ist nur eine von vielen.

          Die Phänomene sind nie ausgeschöpft

          Das alles ist nun nicht neu. Die Privilegierung von Naturwissenschaft, insbesondere der Physik, als Lieferant der „eigentlichen“ oder fundamentalen Beschreibung der Dinge haben viele Philosophen aufs Korn genommen. Gabriel hat aber mehr im Sinn: Er möchte eine philosophische Schule begründen, die einen „Neuen Realismus“ vertritt. Er soll naturwissenschaftlichen Fundamentalismus ebenso vermeiden wie einen radikalen Perspektivismus.

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