Björn Süfke ist Gesprächspsychotherapeut. Er beschäftigt sich beruflich und im Buch hauptsächlich mit kranken und kaputten Männerseelen. Sogar die Stärken der Männer, mit denen sich das fünfte Kapitel befasst, erläutert er anhand von Fallgeschichten wie der vom Herrn Ottensen (Name geändert) mit den Erektionsstörungen. Die Frauenseele wird im Buch naturgemäß auch behandelt, aber nur implizit, als Vorbild und Mahnung. Ein Mann kommt vielleicht in die Therapie, weil er ein Problem mit seiner Partnerin hat oder sie mit ihm. Um das zu verstehen, bringt Süfke die Unterschiede zwischen einem typischen Mann und einer typischen Frau zur Geltung. Ansonsten macht der Autor aber nur wenige direkte Aussagen über Frauen, er wertet nicht und rät nicht; er ist einer der seltenen Schuster, die tatsächlich bei ihren Leisten bleiben. Für Süfke steht fest: Wir Männer sind eine Fehlkonstruktion. Das sagt Süfke nicht direkt, aber es schimmert durch. Und das betrifft nicht nur die Minderheit, die beim Psychotherapeuten Hilfe sucht, sondern mehr oder weniger uns alle. Der Unterschied zwischen Otto Normalverbraucher und seinem Vetter in der Therapie ist nur graduell, nicht prinzipiell. Deshalb kann man Allgemeingültiges über die Männerseele gut anhand von Patientengeschichten erklären. Der generelle Befund: Männer können mit ihren Emotionen nicht richtig umgehen. Der mangelnde Zugang zu den eigenen Gefühlen ist "Grundproblem der männlichen Identität generell". Was für phantastische Männergeschichten! (Björn Süfke: "Männerseelen". Ein psychologischer Reiseführer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2008. 230 S., geb., 19,90 [Euro].) hors