DER TITEL von Thomas Kapielskis Notaten hätte wahrscheinlich Georg Simmel gut gefallen. Er hätte wahrscheinlich auch den soziologischen Sinn des Wortes "Müslima" goutieren können, das Kapielski in die westliche Welt der Gebildeten einführt. Und wahrscheinlich hätte Simmel bei seinem klugen pädagogischen Unterricht auch an eine Kreuzberger Müslima gedacht. Denn auch sie sollte ja nicht unter einem Lehrstoff untergehen, der Wissen mit Beton ausgießt. Simmel machte die Türen der Schulen auf und ließ die frische Luft einer Lebendigkeit hinein, die das wenig geheime Band des lehrreichen Seins und der lernenden Seienden war. Ein Glanzstück eines solchen belebenden Elans im Denken ist das Buch von Michael Friedman, der drei große Philosophen in den Schnee einer Begegnung stellt, aus dem eine philosophische Lawine des zwanzigsten Jahrhunderts wurde. Im allseits belebten Denken winkt die Weltgunst zurück - mag ein elastischer Denker wie Kapielski nun vor einem durchlässigen Objekt verweilen oder vor einem durchsichtigen Subjekt ausharren oder in der durchschnittlichen Kneipe, der Werkstatt der freien Philosophen, der undurchsichtigen Welt ihren unaufschiebbaren Lauf geben.
rtg