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Kapitalismuskritik : Die Marke Ungeheuer

Naomi Klein: „Gegen Trump“. Wie es dazu kam und was wir jetzt tun müssen. Bild: F.A.Z.

Rüstet euch: Naomi Klein und Alain Badiou haben Bücher über Donald Trump geschrieben. Beide Werke legen offen, dass Trump ein Symptom der kapitalistischen Weltordnung ist.

          Donald Trump hat die schlimmste Befürchtung erfüllt, die mit seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten verknüpft war: Er blieb derjenige, der er vor seinem Wahlerfolg gewesen war. Das wurde recht schnell klar, schon vor den Äußerungen zu Charlottesville. Selbst wenn die noch übertrafen, was man nach den Aufritten des Kandidaten wie des Präsidenten vor seinen Anhängern für möglich halten musste.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Naomi Klein jedenfalls dürfte von Trumps jüngsten Auftritten kaum überrascht worden sein. Die kanadische Aktivistin und Autorin, die mit Büchern wie „No Logo!“, „Die Schock-Strategie“ und „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ zur bekannten Kritikerin eines neoliberal zugeschnittenen Kapitalismus wurde, handelt in ihrem jüngsten Buch genau davon, dass Trump der Geschäftsmann und Entertainer blieb, dem dieses ökonomische Regime gestattete, sich zur geldschweren Marke aufzubauen: als Mann, der knallhart die von ihm gerühmten deals durchzieht, der seine Gerissenheit dabei ausstellt und noch die Demütigung derer, die da nicht mithalten können, als Showmaster zur Wertsteigerung seiner Marke nutzte; den Chaos nicht stört, sondern Geschäftsmöglichkeiten verspricht; den Gemeinwohl nicht anficht und kein Stabschef im Weißen Haus hindern kann, die Ressentiments seiner weißen Wähler zu bedienen, denen versprochen wurde, dass sie jetzt wieder dran sind.

          Hervorgegangen aus einem Netzwerk von Aktivisten und Organisationen

          Auf den ersten Blick mag ein wenig selbstverliebt wirken, wenn Trump als Musterbeispiel von Strategien vorgeführt wird, die Klein in ihren Büchern über globale Markenbildung und neoliberale Überrumpelungstaktiken analysiert hat. Doch nach einem halben Jahr Trump im Weißen Haus muss man ihr wohl recht geben: Präsidial ist hier so gut wie nichts, Markenarbeit in Trumps gewohntem Stil offensichtlich sehr viel. Klein schildert detailreich, auf welche Entscheidungen das in den ersten Monaten von Trumps Amtszeit hinauslief. Und sie benennt die schlimmsten Szenarien, für die es sich zu rüsten gelte: ein Präsident, der etwa einen Terroranschlag dazu nutzt, den Widerstand gegen seine Vorhaben im Handstreich zu brechen, oder einen Krieg vom Zaun bricht, für den die Nation in Geiselhaft genommen wird. Als letzte Etappe des „kapitalistischen Putsches“, für den Trump bei Klein steht.

          Was sie dagegensetzt, fasst am Ende des Buches das „Leap“-Manifest zusammen, hervorgegangen aus einem Netzwerk von Aktivisten und Organisationen. Die Logik der in ihm formulierten Grundsätze ist, dass es bei den nunmehr erreichten Verhältnissen nicht länger mehr auf Reformen und Neujustierungen da und dort ankommen kann. Gefordert sei vielmehr ein tiefreichender Umbau des politisch-ökonomischen Systems – in genauer Gegenrichtung zu einem die ökonomischen Ungleichheit wie die gesellschaftlichen Gegensätze immer weiter schärfenden und die Klimaauswirkungen des entsprechenden Wirtschaftens beiseitewischenden Regimes.

          „Der Kapitalismus kann nicht weitergehen. Also muss er weitergehen.“

          Trump als Mahnung zur notwendigen Trendumkehr, das lässt auch an einen anderen Autor denken, dessen Kapitalismuskritik hierzulande schon im Publikumsverlag angekommen ist: den französischen Philosophen und Alt-Maoisten Alain Badiou. In seinen beiden nun erschienenen, knapp nach der amerikanischen Präsidentenwahl gehaltenen Vorträgen ist von Trump selbst allerdings gar nicht so viel die Rede. Für einen Kritiker wie Badiou darf an seiner Wahl tatsächlich nicht zu viel hängen: Trump, das ist schlicht das hässliche Symptom einer Welt, die „das Ungeheuer“ nun einmal ohnehin in seinen Klauen hält, nämlich der zügellos gewordene globale Kapitalismus.

          Bei Badiou ist das naturgemäß der Ansatzpunkt, noch sehr viel grundsätzlicher als Naomi Klein zu werden, nämlich das Andere der „kommunistischen“ – er lässt nicht von der Bezeichnung – Ordnung zu beschwören, die als einzige wirkliche Alternative zum globalen Kapitalismus auftritt. Den rechts außen vertretenen „faschistischen“ Prinzipien Identität und Hierarchie setzt sie jene von Universalität und Gleichheit entgegen; samt den orientierenden Leitideen, das Privateigentum dereinst zu kassieren und freie Assoziationen an die Stelle von Staaten treten zu lassen. So weit, so wenig überraschend.

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          Ein Fundstück aber ist eine Wendung, die schlicht als Beckett-Zitat serviert wird: „Der Kapitalismus kann nicht weitergehen. Also muss er weitergehen.“ Man ahnt, wie Badiou, der seine Autoren kennt, die Schlusswendung von Becketts „Der Namenlose“ tatsächlich verwendet hat. Ein bisschen sorgfältiger hätte man da bei der Drucklegung der Vorträge also schon verfahren dürfen.

          Quelle: F.A.Z.

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