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: Kafkas Leseglück

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"Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten." Dieser Satz stammt von Franz Kafka, lesen kann man ihn in Stefan Bollmanns Buch, dessen Titel "Warum Lesen glücklich macht" jedoch genau das Gegenteil verspricht. Der Autor orientiert sich stark am Schema seiner Erfolge "Frauen, die ...

          "Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten." Dieser Satz stammt von Franz Kafka, lesen kann man ihn in Stefan Bollmanns Buch, dessen Titel "Warum Lesen glücklich macht" jedoch genau das Gegenteil verspricht. Der Autor orientiert sich stark am Schema seiner Erfolge "Frauen, die lesen, sind gefährlich" und "Frauen, die schreiben, leben gefährlich": Man findet zahlreiche Abbildungen, die Lesende in allen erdenklichen Posen zeigen. In Bollmanns Abhandlung werden Anekdoten collagenähnlich arrangiert: Erste Leseerlebnisse bedeutender Schriftsteller zeigen das Lesenlernen als Initiationsritus, der Zugang zu einer Gegenwelt und zu sich selbst verschafft. Philosophische Betrachtungen und geschichtliche Details werden wohldosiert eingestreut: Hier wird Lesen massentauglich aufbereitet. Dennoch ist Bollmanns Herleitung heutiger Lesegewohnheiten aus längst vergangenen Zeiten reizvoll, ebenso wie seine Analyse der Aktualität des Mediums Buch. Die Botschaft ist so simpel wie wahr: "Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind." - Über den Umweg des Unglücks sei Erkenntnis zu erlangen und Erkenntnisstreben einer der Antriebe zu lesen - so passt Bollmann selbst Kafkas Plädoyer für "Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück" in seine Argumentation vom Leseglück ein. (Stefan Bollmann: "Warum lesen glücklich macht". Elisabeth Sandmann Verlag, München 2007. 152 S., Abb., geb., 16,90 [Euro].) pard

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