Beruhigend, wenn etwas gelingt, was nicht von Anfang an zum Erfolg verurteilt zu sein schien. Mit der Ausgabe 2005/2006, seinem dritten Internationalen Jahrbuch des Faltbootsports "Binsenbummeln und Meeresrauschen", hat Herausgeber Herbert Kropp abermals seinen ganz besonderen Spagat geschafft - und nun kann man nicht mehr anders sagen: auf professionellem Niveau. Wiederum reicht das Spektrum der Beiträge in dem abermals dicker gewordenen Band von nett-amateurhaften Basteleien, Fahrtberichten und Illustrationen, die einzig mit dem Wort "rührend" angemessen bezeichnet sind, bis zu beachtlichen historischen und literaturkritischen Arbeiten, Lyrik und moderner Kajakkunst. Wer da nicht alles schreibt! Erich-Maria Remarque ist während der auch fürs Faltboot goldenen Zwanziger in Patagonien unterwegs: "Am andern Nachmittag brachten wir die Klepperboote zu Wasser . . ." Horst Bosetzky, uns vertrauter als -ky und Krimischreiber, paddelt von Schmöckwitz den Amazonas hinab: "Das Wort Klepper sprachen alle mit wahrer Andacht aus . . ." Jetzt möchten wir dann aber auch, möglichst noch vor der Seligsprechung, etwas mehr über den Faltbootfahrer Karol Wojtyla lesen, lieber Herausgeber. Natürlich ist wieder Herbert Rittlinger dabei, aber nicht so naiv, wie dem Sachsen all die Jahre gehuldigt worden ist. Ein bissel pedantisch, wie der Vergleich zwischen von Auflage zu Auflage retuschierten Werken nun mal immer erscheinen mag, widmet sich Thomas Theisinger dem seiner Analyse nach wahrhaft "unverwüstlichen Buch": Da geht es etwa um den auf Rittlinger-Fotos verschwundenen Wimpel des "NS.-Reichsbundes für Leibesübungen" und das im Gegenzug schärfer wiedergegebene Band, das sich das Mädchen Friedrich mit dem entzückenden Rücken ums Haar geschlungen hat. Kleinigkeiten sind das, genauso wie der Origami-Sampan, ein ganz besonderes Faltboot in der Tat - aber was gibt unserer Zuneigung zu einem so speziellen Hobby denn sonst Nahrung? Endlich liest man in einer allgemeinen Publikation etwas Genaueres über die militärische Nutzung in der nunmehr hundert Jahre währenden Geschichte des Faltboots: Ziemlich abenteuerliche Kleinboote hat die Navy bewegt.
HANS-HEINRICH PARDEY
Binsenbummeln und Meeresrauschen. 3. Internationales Jahrbuch des Faltbootsports 2005/2006. Herausgegeben von Herbert Kropp. Faltenreich Verlag, Oldenburg. 368 Seiten, 350 Abbildungen, 140 davon in Farbe, 21,50 Euro, einschließend eine Spende von 50 Cent für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).