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Jens Malte Fischer: Richard Wagner und seine Wirkung : Ohne Ekstase keine Musik-Zauberei

Bild: Zsolnay Verlag

Aus der Flut neuer Wagner-Bücher ragen die von Martin Geck, Jens Malte Fischer, Frithjof Haas und Friedrich Dieckmann heraus - nicht alles ist neu darin, aber alles ist fundiert und streitbar.

          Jedes Jahr ist Wagner-Jahr. Seit Jahren. Wer zurückblättert in den Spielplänen der europäischen Theater, findet satte Wagner-Jahre, glänzende Wagner-Feste schon 2012, 2011, 2010, 2009, 2008 und noch weiter zurück. Man muss also kein Prophet sein, eher schon Historiker, um vorherzusagen, dass das WagnerJahr 2013 die Popularität dieses Komponisten kaum noch wird steigern können.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wagners Opern gehören etwa seit Anfang der Neunziger zum meistgespielten Opernrepertoire. Die Kaste der konservativen Wagnerianer, die einst in den Siebzigern als Lieblingsfeindbild linker Wagner-Kritik durch die Literatur spukte, hat sich aufgelöst im Wohlgefallen eines weltumspannenden Wagner-Fanclubs, der keine Parteien mehr kennt. Letztlich ist dies wohl die Erklärung für die erstaunliche Menge neuer Wagner-Bücher.

          Endlich ergeht es diesem Komponisten wie allen anderen Großen auch, die, vom Publikum ins Herz geschlossen, Quote machen. So, wie es Sach-, Klatsch- und Tratschliteratur gibt über Beethovens Lieblingsgerichte oder Goethes Gärten, so gibt es eben nun auch Bücher über Wagners Hunde. Sie finde dies „ganz lustig“, sagt die pragmatische Urenkelin Katharina dazu im Radiointerview. Sie besitzt selbst mehrere Hunde, sie tritt auch selbst im letzten Kapitel einiger Wagnerbücher als Person der Zeitgeschichte auf.

          Manchmal sind solche Bücher, die menschlich Kommensurables aus dem Leben des Komponisten oder seiner Nachkommen erzählen, gut geschrieben. Dann kann man sie verschenken. Doch die meisten von ihnen sind spekulativ, unwissenschaftlich und unnötig. Man erfährt daraus nichts Neues und schon gar nichts, was beim Musikhören behilflich wäre. Ersteres gilt auch für jene, die andere, ältere Wagner-Bücher recyceln. Kerstin Deckers „Nietzsche und Wagner, eine Hassliebe“ gehört dazu, eine Monographie, die auf den Schultern von Dieter Borchmeyers „Nietzsche und Wagner“ von 1994 steht.

          Subjektives Bekenntnis zu Wagner

          Und dann gibt es noch eine Handvoll Titeln, darin der Autor sich persönlich outet, sei es musikalisch, wissenschaftlich oder mit banalen Alltagserlebnissen. Sie heißen „Mein Leben mit Wagner“ oder „Mein Wagner“ oder so ähnlich. Diese neue Volte scheint wagnerspezifisch, vergleichbare Titel wie „Ich und Beethoven“ oder „Mein Leben mit Mahler“ sind jedenfalls nicht in Erinnerung.

          Ein subjektives Bekenntnis zu Wagner ist offenbar das Gebot der Stunde. Warum? Vielleicht, weil, wo der objektive Diskurs verebbt, Haltung gefragt ist? Alle Schlachten wurden ja schon vor dreißig, vierzig Jahren geschlagen, alle essentiellen Fragen (Wie antisemitisch darf ein Künstler sein? Wie gehen Deutschsein und Wagner-Liebe zusammen? Warum werden wir von Wagners Musik auch wider Willen erschüttert?) wurden in Pro- und Contra-Rede sattsam erörtert. Nicht nur Katharinas PR-Assistent oder der große Dirigent Christian Thielemann, auch einer der führenden Musikforscher unserer Tage konnten der Versuchung, das eigne Ego ins Spiel zu bringen, nicht widerstehen.

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