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Montag, 13. Februar 2012
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Immer wieder Hunsrück: Die Heimat, eine Fotogeschichte

13.12.2004 ·  Natürlich fehlt diesem Band der Rhythmus der Filme, fehlt die Musik, fehlen die Bewegungen zwischen Ruhe und Aufgeregtheit, Zorn und Mitgefühl, der Baulärm, wenn die "Fuchsbau" getaufte Villa abgerissen wird, oder die unheimliche Stille, wenn sich die Freunde am Ammersee einfinden, wo kurz zuvor ...

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Natürlich fehlt diesem Band der Rhythmus der Filme, fehlt die Musik, fehlen die Bewegungen zwischen Ruhe und Aufgeregtheit, Zorn und Mitgefühl, der Baulärm, wenn die "Fuchsbau" getaufte Villa abgerissen wird, oder die unheimliche Stille, wenn sich die Freunde am Ammersee einfinden, wo kurz zuvor der Filmemacher Reinhard ertrunken ist - all dies ist in dem opulenten Fotoband notwendigerweise nicht zu haben, der jetzt die Handlungsstränge von Edgar Reitz' "Heimat"-Fernsehserien nachzeichnet.

Und natürlich muß man all dies von einem solchen Projekt auch nicht erwarten. Statt dessen ist der Band bemüht, all das zu ordnen, was seit der ersten Folge der ersten Staffel, seit 1984 also und bis zu diesem Winter, in insgesamt 30 Filmen und 56 Stunden Spielzeit mit einem weitverzweigten Gespinst von Menschen um die Hunsrückfamilie Simon über die immer faszinierten Zuschauer gekommen ist.

Denn wer sich den "Heimat"-Filmen nur lange genug ausgesetzt hat, ist ihnen zuverlässig verfallen, und dies auf eine ganz und gar unangespannte Weise: Reitz' Erzählweise zielt nicht auf Fortgang, auf Handlungsumschwünge oder auf den Kitzel überraschender Entwicklungen, sondern ist panoramatisch angelegt, die Protagonisten sind so sehr Kinder ihrer Zeit und mit ihr verwoben, daß es uns nicht überrascht, wenn wir sie am Ende der "Zweiten Heimat" als Kommunarden, Terroristen oder Avantgardefilmemacher wiederfinden.

Und auch der fünf Kilo schwere Fotoband folgt getreulich und überraschungsfrei den drei Staffeln (statt, beispielsweise, die Biographien der vielen anderen Protagonisten neben dem Liebespaar Herrmann und Clarissa in den Siebzigern weiterzuführen). Selbst wo er Bilder zeigt, die auf dem Bildschirm nicht zu sehen waren, atmet er doch eine Vertrautheit mit der "Heimat"-Welt, die man, je nach Gemüt, beruhigend und inspirierend oder vielleicht sogar etwas langweilig finden mag. Es ist das üppige Beibuch zu einer großen Serie, es ruft das Gesehene in Erinnerung, ohne für sich eine größere Eigenständigkeit zu beanspruchen. Und dann gibt es ja immer noch die DVDs. (Edgar Reitz: "Die Heimat Trilogie". Collection Rolf Heyne, München 2004. 592 S., ca. 3000 Fotos, geb. i. Schuber, 128,- [Euro].)

TILMAN SPRECKELSEN

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2004, Nr. 291 / Seite 32
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