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: Holland in Not

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Auch Ian Buruma tut Scheffer leichthin ab als utopischen, saturierten Luxuslinken, dem die uneingeladenen Muslime die Party verderben. Scheffer ist - ohne Personenschutz und ohne Geheimwohnung, mit seinem Büro im multikulturellen und etwas heruntergekommenen Amsterdamer Süden - aber nicht nur deshalb schlecht auf "Die Grenzen der Toleranz" zu sprechen. Er wirft dem New Yorker Intellektuellen vor, das niederländische Drama nicht im europäischen Kontext der brennenden Autos von Paris, der britischen Terroristen, der deutschen Ehrenmorde zu begreifen und stattdessen die Holländer als aufgeregte Saturierte zu charakterisieren, die ihre bewährte Toleranz aus dem Auge verloren haben. "Unreflektierter Kosmopolitismus gebiert Populismus", ist sich Scheffer dagegen sicher, nicht nur in Holland, wo bei den letzten drei Wahlen immer neue Extremparteien das jahrzehntealte Spektrum komplett über den Haufen geworfen haben. Sollte dies für größere Einwanderungsländer als Laboratorium dienen, dann stehen Europa noch gewaltige politische Erdbeben ins Haus.

Pasta und Porno, aber kein Leitbild.

Damit es nicht zur Katastrophe kommt, will Scheffer aus den Konflikten mit den Mi-granten gesellschaftliches Kapital schlagen. Führt man sie zu Einbürgerungskursen vor Schützenstücke in Museen, dann müssen sich gleichzeitig die Niederländer fragen lassen, was Vincent van Gogh (der Ururgroßonkel des ermordeten Regisseurs) und Johannes Vermeer tatsächlich für ihre Identität bedeuten.

Spricht man arbeitslosen Einwanderern die Segnungen des Sozialstaates ab, dann müsste man dasselbe mit arbeitsscheuen Einheimischen machen. Doch solange die neue Regierung gebetsmühlenartig nach alter Harmonie ruft und eine Rückkehr zu altniederländischen "Normen und Werten" beschwört, droht die verzweifelte Suche nach nationalem Zusammenhalt zur Farce zu werden. So hat die arg calvinistische Restauration der dritten Balkenende-Regierung jetzt dazu geführt, dass holländische Ärzte Gewissensprüfungen vor Abtreibungen unternehmen sollen, dass Beamte aus ethischen Gründen die gesetzliche Trauung Gleichgeschlechtlicher ablehnen dürfen.

Scheffer teilt die Ablehnung der neuen christkonservativen Regierung gegen das überzogene Tolerieren des eigentlich Verbotenen, gegen die vielen Coffeeshops, in denen es mehr Haschisch als Kaffee gibt, und gegen die übersehene Gewalt auf den Straßen. "Aber wie", fragt er, "können wir den muslimischen Zuwanderern die Trennung von Staat und Kirche schmackhaft machen, wenn unsere frömmelnde Regierung diese Errungenschaft gerade selber rückgängig macht?"

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