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: Holland in Not

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Theo van Goghs Holland, das war das wundersam widerborstige und spielerische Wunderland der Nachachtundsechziger, in dem das Provozieren zur Lebensweise werden konnte. Diese Niederlande einer kosmopolitischen und sehr bürgerlichen Regentenklasse, in der jeder jeden kennt, gibt es noch mit allen liebgewonnenen Ritualen. Aber welchen Fortschritt repräsentieren diese gutgelaunten und gesetzten Herrschaften, die sich im Amsterdamer Kulturzentrum "Odeon" zur Präsentation des neuen Romans von Adri van der Heijden treffen? Der gehört als barocker Chronist der wilden Provo- und Hausbesetzerjahre längst zur Literaturgeschichte und legt, untermalt von etwas Free Jazz und Sprechchören seines Publikums, einen weiteren tausendseitigen Folianten über die Zeit der Befreiung und ihre Schattenseiten vor. "Het schervengericht" erzählt - notdürftig verkappt - vom amerikanischen Ritualmord an der Schauspielerin Sharon Tate und den Leiden ihres Mannes, der ein Filmregisseur war. Und selbstredend fällt bei solchen Parallelen der Name Theo van Gogh. Während ein alternder Verleger mit Höllenlärm "Sympathy for the devil" von den Rolling Stones auflegt und Cees Nooteboom amüsiert seine Käsehäppchen kaut, verrät van der Heijden beim Signieren Hunderter Exemplare, der Ritualmord von Amsterdam sei der geheime "Orgelton" seines Romans; überhaupt habe er diesmal ein "sehr gewalttätiges Buch" geschrieben.

Bei einer derart gemütlich-nostalgischen Versammlung der kulturellen Elite zeigt sich aber die Phasenverschiebung, die seit den Jahren der Drogenfreigabe und der Dauerprovokation stattgefunden hat.

Fortsetzung auf der folgenden Seite.

Adri van der Heijden versucht wie ein zurückblickender Seher, die gesellschaftliche Gewalt in Bücher zu verwandeln. Gleichzeitig gibt es aber junge Menschen, die ihr Lieblingsbuch in Gewalt umsetzen. Es war doch alles nur Spaß, scheinen die einstigen Verfechter von Lenin und Mao mit ironischem Lächeln an diesem Abend zu rufen, während es anderen mit dem Koran blutiger Ernst ist. Theo van Gogh hat beim Jonglieren auf der Grenze zwischen Ironie und Beleidigung sein Leben auf grauenvolle Weise verloren; kein anderer Autor, Journalist oder Filmemacher riskiert es seither, sich mit dem Islam anzulegen.

Es gibt nur wenige Ausnahmen. "Das multikulturelle Drama" hieß der Essay, in dem ein Vordenker der Sozialdemokraten vor Jahren die Härten der Einwanderungsgesellschaft erstmals beim Namen nannte. Paul Scheffer haben viele in Holland seine unangenehme Botschaft übelgenommen, gerade die Linke warf ihm die harten Worte über die Pflichten von Einwanderern wie einem Abtrünnigen vor.

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