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Heinz-Jürgen Vogels: Zölibat als Gnade und als Gesetz : Eine Gottesgabe soll man nicht in eine Amtsregel zwängen

  • -Aktualisiert am

Bild: Anton Hiersemann Verlag

Ein Papst ohne Pomp, die Priester frei von der Pflicht der Ehelosigkeit: Heinz-Jürgen Vogels erinnert an eine katholische Utopie und ihre aktuelle Dringlichkeit.

          Im Jahr weltweiten jugendlichen Aufstands gegen obsolete Tradition und für Freiheit in Staat, Gesellschaft und Universität kam es 1968 auch in der katholischen Kirche zu Protesten. Wortmeldungen waren regelmäßig von Zukunftsvisionen begleitet. Zu Beginn des dritten Jahrtausends, meinte damals Fritz Leist, werde die Kirche völlig anders aussehen als in der Gegenwart. Der Bischof von Rom werde „nicht mehr im triumphierenden Zeremoniell erscheinen“. „Die Insignien des Priesterfürsten“ werde er abgelegt haben, um den Petrusdienst den biblischen Vorgaben entsprechend - nämlich charismatisch - zu verwalten. In dieser Zukunft würden auch die Kämpfe um die Ehelosigkeit der Priester verstummt sein, „weil die Kirche aus einer wahrhaften Umkehr heraus gelernt hat, dass Ehe wie Ehelosigkeit ein Weg sein können“. Deshalb habe sie den Zölibat freigestellt, so dass viele Priester die Möglichkeit ergriffen, „die eheliche Partnerschaft“ zu wagen. So Fritz Leist, Guardini-Schüler und Professor für Religionsphilosophie in München, in seinem Buch „Zölibat - Gesetz oder Freiheit“ (1968).

          Während Papst Paul VI. in einer Enzyklika „Sacerdotalis caelibatus“ 1967 die priesterliche Ehelosigkeit verteidigte und festzuschreiben suchte, formierte sich in mehreren Ländern eine antizölibatäre Opposition. Neben Fritz Leist bastelten viele an der Utopie eines neuen Kirchen- und Priesterbildes - Hans Küng, Edward Schillebeeckx, Richard Egenter, Stephan Pfürtner, Eugen Drewermann, nach langem Zögern auch der Jesuit Karl Rahner. Den Theologen gesellten sich junge Priester zu, die ihren Unmut in Schriften äußerten, die sie - aus Furcht vor Diskriminierung - zum Teil unter einem Pseudonym veröffentlichten. Doch wer als aus dem Amt entlassener Priester den Weg der Ehe einmal beschritten hatte, mochte sich auch namentlich melden.

          Biblische Legitimation des Zölibats

          Einer von ihnen war Heinz-Jürgen Vogels. Sein Buch „Pflichtzölibat“ (1978) argumentierte historisch und biblisch. Muss die Kirche einer Rechtstradition folgen, die sich erst im zwölften Jahrhundert wirklich etablieren konnte? Während des ersten Jahrtausends ihrer Existenz kam die Kirche ohne ein Zölibatsgesetz aus; sie verlangte von den Priestern nicht Ehelosigkeit, sondern Enthaltsamkeit in der Ehe. Priester sollten keine Kinder haben.

          Lässt schon die Geschichte des Zölibats diese Einrichtung als problematisch erscheinen, so erst recht die genaue Analyse ihrer biblischen Begründung. Diese erwies sich nach der Darstellung von Vogels als äußerst brüchig. Gewiss: Jesus spricht von Ehelosen „um des Himmelreiches willen“; doch indem er mit diesem Wort seine eigene Lebensweise charakterisiert, fordert er diese keineswegs von seinen Anhängern. Nicht alle können ehelos leben. Jesus rechnet zweifellos mit nur wenigen, die es ihm nachtun. Seine unmittelbaren Schüler - vorab Petrus - gehören nicht dazu. So ist es nur konsequent, dass sich das Neue Testament den Gemeindeältesten - den Presbyter - als verheirateten Mann vorstellt (1. Timotheusbrief).

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