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: Fünf Ehen, viele Berufe und ein rastloser Bericht

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Am 29. Januar 1934 geht es los. Ein Schriftsteller sucht auf Hamburgs Autofriedhöfen nach einem Chassis, einem geeigneten Untersatz für seinen Plan. Er will als einer der ersten einen Wohnwagen bauen, eine "Arche" für sich und seine Familie, und damit eine Expedition durch das junge nationalsozialistische Deutschland unternehmen.

          Am 29. Januar 1934 geht es los. Ein Schriftsteller sucht auf Hamburgs Autofriedhöfen nach einem Chassis, einem geeigneten Untersatz für seinen Plan. Er will als einer der ersten einen Wohnwagen bauen, eine "Arche" für sich und seine Familie, und damit eine Expedition durch das junge nationalsozialistische Deutschland unternehmen. Er will den Aufbruch dokumentieren. Und endlich sein Problem in den Griff kriegen.

          Der Schriftsteller heißt Heinrich Hauser. Sein Problem ist: "Reisen und gleichzeitig zu Hause bleiben, das war das scheinbar unmögliche Verlangen, das mich umhertrieb." Es treibt ihn umher, ein Leben lang. Aber für einige Wochen schafft er es, alles miteinander zu vereinen, die Frau und die beiden Kinder mit der Reise-, Schreib- und Fotografiersucht, die Konstruktionsleidenschaft mit der Begeisterung für Landschaften, die Rastlosigkeit und Nervosität mit der Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit.

          Er kündigt den Mietvertrag und entwirft einen Wohnwagen mit drei Räumen, 5,50 Meter lang, 1,90 Meter breit und 3,20 Meter hoch, zwei Tonnen schwer, gezogen von einem Ford Packard. Heinrich Hauser fährt mit seiner Familie von Hamburg über Berlin und Dresden zum Bodensee, durch den Schwarzwald, den Rhein flußabwärts durch die Eifel, durchs Ruhrgebiet, an der Nord- und Ostseeküste entlang. 143 Tage sind sie unterwegs, 143 Tage, in denen Hauser Notizen macht und Fotos mit seiner Leica, in denen er Zigeunern begegnet und Polizisten, illegal in Wäldern und an Stränden übernachtet, Unfälle, Brände, Gewitter erlebt und nackt im Regen tanzt.

          Von verschiedenen Orten schickt Hauser Fotos und Berichte an die Illustrierte "Die Woche", die dort unter der Überschrift "Ein Dichter reist im Wohnauto" erscheinen und ein Jahr später, chronologisch geordnet und gründlich überarbeitet, als Buch mit dem Titel "Fahrten und Abenteuer im Wohnwagen". Und diese großartige Reisereportage, dieser reich bebilderte Familienreiseroman ist nun im auf Wohnwagen spezialisierten Dolde-Medien-Verlag neu aufgelegt worden.

          "Die Landstraße", schreibt Hauser, "ist wieder voll Romantik wie zur Postkutschenzeit, aber es ist eine neue Romantik, hart und stählern, wie der Klang des Dieselmotors." Dabei sind die Landstraßen, über die Familie Hauser fährt, vor allem eins: ziemlich leer. Hart und stählern sind nur die Maschinen, die ihnen entgegenkommen, die Fabriken, die sie besuchen. Und voll "neuer Romantik" ist nur Hausers Text selbst, in dem er die Leitmotive seiner 1929 mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis ausgezeichneten Literatur wieder aufnimmt: die Flucht des Großstädters aufs Land, die Rettung der familiären Idylle, die Frau als Gefährtin, die Entdeckung unbekannter Welten und die Beherrschung moderner Technik durch den Mann. Es sind die Themen und Täuschungen seines Lebens.

          Heinrich Hauser, am 27. August 1901 in Berlin geboren, war hyperaktiv, ein von seinen Visionen Getriebener, immer auf der Suche nach neuen Fahrzeugen und Frauen, nach einem Halt im Strudel der Zeit. Mit Mitte Zwanzig hatte er schon so viele verschiedene Berufe ausgeübt, daß die Angaben zeitgenössischer junger Autoren dagegen verblassen: Matrose in Kiel, Wachmann in Hamburg, Freikorpssoldat in Weimar, Bergmann in Duisburg, Schafscherer, Koch und Schwimmlehrer in Sydney, Polizist auf den Philippinen, Autoschlosser in Chile. Er war Student und Schmuggler, See- und Ehemann, bevor er 1925 den Erfahrungsüberschuß ausschlachtete und anfing, Feuilletons über den "Organismus eines Lastkraftwagens" oder den "Gesang der Preßlufthämmer" für die "Frankfurter Zeitung" zu schreiben und an seinem ersten, noch stark vom Expressionismus geprägten Jugendbeziehungsdrama "Das zwanzigste Jahr" zu arbeiten.

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