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Fred Pearce: Land Grabbing Dies Land war mein Land, dies Land ist dein Land

Der freie Markt und die letzte Phase der Industrialisierung: Der Journalist Fred Pearce hat Landnehmer drei Jahre rund um die Welt verfolgt, die die Aneignung der letzten Bodenreserven betreiben.

© Verlag Vergrößern

Kaufen Sie Land. Es wird keins mehr gemacht“, schrieb einst Mark Twain. Ein passenderes Motto hätte Fred Pearce für sein Buch nicht finden können. „Ackerland ist gegenwärtig eine der besten Kapitalanlagen“, zitiert er den Hedgefonds-Guru George Soros. „Ich denke, natürliche Ressourcen sind begrenzt. Ich muss sie mir aneignen, bevor sie weg sind“, erzählt Doan Nguyen Duc, vietnamesischer Kautschukbaron und Besitzer von 10 000 Hektar Kautschukplantage in Laos und 15 000 Hektar in Kambodscha.

Land Grabbing, so definiert Pearce, ist jede Form der umstrittenen Aneignung von Landrechten durch Ausländer. Genaue Zahlen liegen nicht vor, denn die Käufer bleiben oft lieber anonym und ein Zentralregister gibt es nicht. Doch Landnahme ist ein weltumspannendes Phänomen.

Die Weltbank geht von 47 Millionen Hektar im Jahr 2010 aus, Oxfam schätzt, dass 227 Millionen Hektar auf diese Weise den Besitzer gewechselt haben. China erntet Soja in Brasilien, Japan besitzt den größten Mastbetrieb in Australien, die Bennetton-Brüder kaufen ganze Landstriche in Patagonien, eine neuseeländische Milchkooperative investiert in China und chinesische Kleinbauern, die ihr Land verloren haben, ackern in Mali. Wir sind für Pearce Zeuge der letzten Phase der Industrialisierung, die zugleich die letzte Einhegung ist: die letzten nicht eingezäunten Steppen und Grasländer werden gerade verteilt.

Auf der anderen Seite des Zaunes

Die reichen Wüstenstaaten am Persischen Golf sorgen sich angesichts des weltweit steigenden Nahrungsmittelbedarfs um die Ernährung ihrer Bevölkerung. Deshalb gehen Saudi-Arabien und seine Nachbarn in großem Stil auf Einkaufstour in alle Welt und bauen in Ägypten, dem Sudan, Kambodscha, Vietnam, Pakistan und auf den Philippinen Reis an. Das kleine Emirat Qatar besitzt inzwischen mehr Land außerhalb als innerhalb seiner Grenzen, von der Türkei über Tadschikistan bis Brasilien und Kenia. Doch mit der Nahrungsmittelsicherheit für die eigene Bevölkerung ist es nicht getan.

Die Farmen, die China überall auf der Welt zusammenkauft, dienen keineswegs nur der Ernährung der Chinesen. Ihre Produkte werden auf dem Weltmarkt angeboten wie andere auch. Und der Zellulosebrei, zu dem indonesische Firmen den Regenwald Sumatras verarbeiten, könnte gut in dem Papier stecken, mit dem wir unsere Drucker füttern. Der Internationale Währungsfonds empfahl Indonesien, dem Land mit der höchsten Abholzungsrate von Regenwald auf der Welt, die Vergabe von Rodungsrechten noch auszuweiten, um Devisen einzunehmen. Land Grabbing lohnt sich und es ist einfach.

Pearce nimmt den Leser mit auf eine Weltreise durch die Büros der Nahrungsmittelspekulanten, die gigantischen Plantagen der Landnehmer, die Hütten ihrer Arbeiter und derer, die auf der anderen Seite des Zaunes sitzen und ratlos zusehen, wie ihr angestammtes Land gerodet und mit Monokulturen überzogen wird, von deren Erträgen sie kein Körnchen zu essen bekommen werden.

Zurück bleibt verwüstetes Land

Denn Land Grabbing beschreibt keinen Handel unter gleichberechtigten Partnern. Das meiste unberührte, fruchtbare Land befindet sich in armen, oft von korrupten Cliquen regierten Ländern. Und die Landnehmer verstehen das zu nutzen: „Wenn die Nahrungsmittel knapp werden, braucht der Investor einen schwachen Staat, der ihn nicht zwingt, sich an irgendwelche Regeln zu halten“, zitiert Pearce den Investor Philippe Heilberg. Korrupte Politiker verkaufen Land, das ihnen gar nicht gehört, ohne genaue Karten und Flächenangaben. Heilberg hat einen Vertrag über 600 000 Hektar Pachtland im Südsudan; die Provinz, in der das Land liegen soll, ist aber selbst nur gut halb so groß. Und die 90 000 Einwohner wissen von nichts. Pearce nennt die Zustände „post-staatlichen Chaos-Kapitalismus“.

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Veröffentlicht: 04.11.2012, 15:50 Uhr