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Asymmetrische Kriege : Kenne deine Schwächen, und stelle den Gegner an den Pranger

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Manchmal reicht sogar der Blickpunkt aus, um ein Bild des asymmetrischen Kampfes zu erzeugen: ein französischer Scharfschütze vierzig Kilometer nördlich von Kabul. Bild: REUTERS

So kämpft man heute: Der Politikwissenschaftler Felix Wassermann beschreibt Strategien aktueller und künftiger Methoden, Krieg zu führen.

          Krieg ist lange Zeit als Auseinandersetzung zwischen zwei ungefähr ebenbürtigen Gegnern gedacht und vielfach auch geführt worden. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist indes das Phänomen des asymmetrischen Krieges prominent geworden, das eine praktisch-sicherheitspolitische ebenso wie theoretische Herausforderung darstellt. In solchen Kriegen stehen sich zwei deutlich ungleiche Gegner gegenüber, ein David einem Goliath: etwa das kleine Nordvietnam der Weltmacht der Vereinigten Staaten, oder auch eine nicht- oder bestenfalls parastaatliche Organisation wie Al Qaida oder IS einer Koalition großer Staaten.

          Gleichwohl hat der „David“ Chancen, den Krieg zu gewinnen, indem er eine Strategie wählt, die seine Schwäche auf dem regulären Kampffeld ausgleicht. Dies geschieht etwa dadurch, dass er mit irregulären Guerrillatruppen kämpft, die in der Zivilbevölkerung untertauchen können; dass er kleine, unerwartete Schläge oder Anschläge mit großer Hebelwirkung ausführt; dass er generell beweglicher, angepasster und überraschungsreicher agiert und dadurch den hochgerüsteten „Goliath“ leerlaufen oder in Legitimations- und Durchhalteprobleme sich verstricken lässt. Auf diese Weise kann mit einer Art Jiu-Jitsu-Taktik ein augenscheinlich überlegener Gegner besiegt werden.

          Kriege konzeptualisieren

          Der Politikwissenschaftler Felix Wassermann gibt einen kundigen Einblick in den Diskurs des asymmetrischen Krieges. Er stellt diese Kriegsform nach der Erosion des Westfälischen Staatensystems dar und verfolgt das Motiv durch das Denken zahlreicher Kriegstheoretiker wie Kriegspraktiker. Zu den einschlägigen Praktikern gehört Mao Tse-tung, der den Guerrillakrieg als Erfolgsrezept empfiehlt, aber auch jüngere Strategen aus amerikanischen „think tanks“, die über die Abwehr von asymmetrisch geführten Angriffen nachdenken, sowie chinesische Strategen, die in asymmetrischer Kriegführung eine Chance für aufholende Länder gegenüber etablierten Weltmächten sehen. Zu den Theoretikern gehören in Deutschland insbesondere Herfried Münkler und Christopher Daase, die den Trend zur Asymmetrisierung von Kriegen kriegsgeschichtlich verorten und seine gesellschaftlichen und technologischen Voraussetzungen analysieren.

          Wassermann arbeitet insbesondere drei Dimensionen von Asymmetrie heraus. Erstens die Asymmetrie der Kraft: Wer hat mehr Menschen, Waffen, Ressourcen? Zweitens die Asymmetrie der Organisationsform: Sind die Kriegsparteien Staaten oder nichtstaatliche Akteure? Drittens die Asymmetrie der Strategie: Wird mit regulären oder irregulären Mitteln gekämpft? Diskutiert werden auch Einwände gegen das Asymmetriekonzept, etwa Zweifel an der Neuheit des Phänomens – asymmetrische Kriege seien über längere historische Zeiträume die Regel und keine Neuerscheinung jüngeren Datums –, sowie Zweifel an der Neuheit und Originalität des Denkkonzepts, denn dieses komme schon bei alten Recken der Kriegstheorie wie Clausewitz und Sun Tsu vor.

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