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Faltboot ahoi

 ·  Wie schön, daß auch Kurioses, um nicht zu sagen Skurriles Erfolg haben kann. Ehrlich gesagt, wir hätten keinen Pfennig darauf verwetten mögen, daß dem ersten Faltboot-Jahrbuch von Herbert Kropp je eine zweite Ausgabe folgen werde. Und nun liegt ein Jahrgang 2004/2005 vor, der durchweg gelungener ...

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Wie schön, daß auch Kurioses, um nicht zu sagen Skurriles Erfolg haben kann. Ehrlich gesagt, wir hätten keinen Pfennig darauf verwetten mögen, daß dem ersten Faltboot-Jahrbuch von Herbert Kropp je eine zweite Ausgabe folgen werde. Und nun liegt ein Jahrgang 2004/2005 vor, der durchweg gelungener erscheint als die erste Ausgabe, der aber zugleich die Anmutung einer selbstgebastelten Liebhaberei wahrt. Auch die Handvoll Werbeseiten am Schluß können dem Charme des Nichtprofessionellen nichts anhaben. Die Rezeptur hat sich kaum geändert. Wieder lesen wir Namen, die über die engere Faltbootszene hinaus bekannt sind: Der Atlantiküberquerer Hannes Lindemann beschreibt die Seefahrt im Einer von Portugal nach Tanger. Otto von Stritzky philosophiert über das Hintereinandersitzen und Aufeinander-Angewiesensein im Zweier. Der Name Rittlinger taucht durch Jutta Steinbacher-Rittlinger auf, die sich an eine Griechenlandreise erinnert, über die ihr Vater Herbert, der Großschriftsteller des Faltboots, nie etwas veröffentlicht hat. Wiederum kommt Technisches nicht zu kurz: vom Selbstbau über die Faltcanadier von PakCanoe bis zum Riß eines T9 von Klepper. Den Schwerpunkt aber bilden Reiseberichte, wobei die Schilderungen überwiegen und man sich manchmal ein paar praktische Hinweise mehr wünschen würde. In den Kinderschuhen stecken bleibt der Versuch, ein bißchen Transparenz in den internationalen Faltbootmarkt zu bringen. Leider ist die Liste der überhaupt erhältlichen Faltbootmodelle schon wieder nicht mehr aktuell - aber für sowas gibt es schließlich heute das Internet. Und mit dem muß ein Almanach nicht versuchen zu konkurrieren. Noch ein Wort in eigener Sache: Zu den schönsten Erfahrungen eines Rezensenten gehört es, wenn er erleben darf, daß Buchherausgeber sich Mühe geben, Kritik umzusetzen. In der Tat sind die vielen Abbildungen in der aktuellen Ausgabe des Jahrbuchs um Längen besser und größer als in der ersten, und teils farbig dazu. Ein unübersehbarer Fortschritt, damit ist das Layout auf dem richtigen Weg. Deshalb hier der nächste Hinweis. Er stammt von dem bedeutenden Frankfurter Journalisten Richard Kirn: "Wenn ihr das Bild von einem Pferd veröffentlicht, setzt unbedingt den Satz darunter: Dies ist ein Pferd." Lieber Herbert Kropp, es gibt etwas, das nennt man Bildunterschriften. Bitte: Nicht nur diese in der Schriftgröße Fliegendreck gesetzten "Bildnachweise" auf der letzten Seite mit dem Autorennamen und dem stereotypen Hinweis "Ohne Angabe" - wenn es denn, hoffentlich, ein nächstes Jahrbuch gibt.

HANS-HEINRICH PARDEY

Binsenbummeln und Meeresrauschen II. Internationales Jahrbuch des Faltbootsports 2004/2005. Herausgegeben von Herbert Kropp. Faltenreich Verlag, Breslauer Straße 48, 26135 Oldenburg, 300 Seiten, 19,90 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2004, Nr. 131 / Seite T4
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