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Elaine Pagels: Apokalypse. : Was hat dieser Wutbürger hier zu suchen?

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Bild: C. H. Beck Verlag

Die Religionsgeschichtlerin Elaine Pagels liest die Apokalypse des Johannes als Text einer Kriegszeit, der besser gar nicht in der Bibel stünde.

          Kaum ein biblisches Buch fasziniert so wie die Apokalypse des Johannes. Die machtvollen Bilder von den sieben Posaunen, den apokalyptischen Reitern oder der Hure Babylon wurden immer wieder auf konkrete historische Situationen bezogen. Ob in den Bauernkriegen der Reformationszeit, bei den napoleonischen Feldzügen oder nach den Ereignissen des 11. September 2001 - das schroffe Gegenüber zwischen Gott und Satan bietet einen hermeneutischen Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart. Gerade durch die polyvalente Bildwelt der Johannesoffenbarung und den klaren Dualismus wird eine Krisensituation in all ihrer Komplexität auf eine klare Formel reduziert: Wo andere angesichts der Katastrophe verstummen, weiß der Apokalyptiker die Zeichen der Zeit zu erkennen.

          Elaine Pagels, Professorin für Religionsgeschichte in Princeton, nähert sich der Offenbarung des Johannes mit großer Skepsis und unter historischem Blickwinkel. Immer wieder zieht sie Vergleiche zur amerikanischen Geschichte, sei es zum Unabhängigkeitskrieg oder zur Rede von der „Achse des Bösen“, um die Problematik dieses „gefährlichsten Buches“ der Bibel vor Augen zu führen. Ausgangspunkt ist die Frage, wer dieses Buch geschrieben hat und wie es überhaupt Teil der Bibel werden konnte, obwohl es doch zahlreiche andere Offenbarungstexte gab, denen Pagels - wie zu zeigen sein wird - erheblich mehr Sympathie entgegenbringt.

          Von Rachegedanken erfüllt

          Diese Frage wird mittels einer rein historischen Lesart der Johannesoffenbarung angegangen. Wo die neutestamentliche Forschung höchst differenziert über die literarische Struktur des Textes, die Theologie des Johannes und den komplexen soziokulturellen Hintergrund des Textes diskutiert, bietet Pagels klare Antworten: Johannes war ein Jude, der um 90 nach Christus wegen eines Kriegs in seiner Heimat Judäa auf die Insel Patmos vor der kleinasiatischen Küste floh und dort seine Visionen hatte. Dementsprechend ist die Johannesoffenbarung ein „Text aus einer Kriegszeit“ mit konkreten zeitgeschichtlichen Bezügen: Die vier apokalyptischen Reiter in Offb 6,1-8 beziehen sich auf die Ereignisse des Jahres 68 nach Christus, als nacheinander vier römische Kaiser gekrönt und ermordet wurden, der große Berg, der beim Ertönen der zweiten Posaune ins Meer stürzte (Offb 8,8 f.), war der Vesuv, der 79 nach Christus ausgebrochen ist, und mit der Zahl 666 in Offb 13,18 ist Kaiser Nero gemeint. Im Zuge dieser zeitgeschichtlichen Interpretation erscheint Johannes nicht als theologisch gebildeter Prophet, sondern als emotionaler Einzelgänger.

          Selbst aus der jüdischen Tradition stammend und nicht des Hochgriechischen mächtig, saß er nach seiner traumatischen Flucht aus Jerusalem im Jahr 70, als die Römer den Tempel zerstörten, in Kleinasien und wartete auf die Rückkehr Jesu, den er als Messias verehrte. Die römische Monumentalarchitektur eines Augustus, Nero oder Tiberius wirkte auf ihn, folgt man Elaine Pagels, wie eine „teuflische Parodie auf die Wahrheit Gottes“, so dass er, „von Rachegedanken erfüllt“, sich der heiligen Schriften Israels erinnerte und einen Text verfasste, der immer mehr in das Zentrum des antiken Christentums rückte und schließlich zum letzten Buch der Bibel wurde.

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