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Eichinger-Biographie : Der Einzige seiner Art

Bernd Eichinger mit Doris Dörrie und Katja Flint Bild: picture alliance

Katja Eichingers Biographie ihres verstorbenen Mannes zeigt eine Figur, so abgründig und faszinierend, wie es die Helden von Bernd Eichingers Filmen nur selten waren.

          In diesem Film, der ja gar kein Film ist, bloß ein Buch, das nicht besonders gut geschrieben ist, weshalb man aber alle zwei, drei Seiten den Text beiseitelegt und sich noch einmal vorzustellen versucht, was das ist, das man gerade gelesen hat; in diesem Film also, den man sich, fast zwangsläufig, im eigenen Kopf zusammenreimt, gibt es eine Szene, die so schön, so stark, so herzzerreißend ist, dass man sie, obwohl man sie doch nicht gesehen, nur geträumt hat, immer wieder sehen will.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist München, es sind die mittleren Siebziger, und Bernd Eichinger hat gerade die Filmhochschule abgeschlossen und ein paar Filme halbwegs erfolgreich produziert. Jetzt arbeitet er an seinem ersten eigenen, großen Projekt: Er will noch einmal den Untergang der Nibelungen verfilmen, Kriemhilds Rache, und ganz besonders interessiert ihn die erotische Energie, die den Hass Kriemhilds auf Hagen von Tronje befeuert. Er war schon in Hongkong, hat mit Schwertkünstlern verhandelt, weil er das Niveau deutscher Filmkampfszenen deutlich steigern will, und in Macao hat er viel Geld verspielt. Jetzt sitzt der junge Eichinger, den man sich wie einen bayerischen Alain Delon mit etwas schlechteren Zähnen vorstellen muss, im Schwabinger Restaurant „Romagna Antica“, das man sich wie den Schauplatz von Helmut Dietls „Rossini“ vorstellen darf, und bewirtet zwei Gäste.

          Der eine ist Roland Klick, ein Regisseur mit viel Talent und sehr schlechten Manieren. Die andere ist Romy Schneider, deutscher Weltstar mit Wohnsitz in Paris, die Eichinger für die Rolle der Kriemhild gewinnen will. Sie ist elf Jahre älter als er, schön, erwachsen und sehr begehrenswert. Er ist bodenständig und größenwahnsinnig zugleich, ein Junge aus Neuburg an der Donau in Oberbayern, der die ganze Welt beeindrucken will. Vermutlich versteht sie seine Sprache; sie ist am Königssee aufgewachsen, am anderen Ende Oberbayerns. Roland Klick stört, er ist unhöflich, er stellt ihr indiskrete Fragen. Irgendwann steht Romy Schneider auf und geht. Der junge Eichinger rennt ihr hinterher. Und kommt allein zurück. Romy Schneider ist nicht wiedergekommen, aus dem Film ist nie etwas geworden.

          Das Drama einer Filmproduktion

          Noch lieber als den Nibelungenfilm hätte man allerdings den ganzen Film zur Szene im „Romagna Antica“ gesehen, am allerliebsten die Fernsehserie, zwölf Folgen mindestens, inszeniert von jenem Helmut Dietl, der doch immer so ein zartes Gespür und ein absolut weltmännisches Gehör für die typisch münchnerischen Angeber, Träumer und Spieler hatte. Und genau darauf scheint der Text, der diese Wünsche und Gelüste jetzt in Schwung bringt, genau darauf scheint Katja Eichingers Biographie ihres Mannes, „BE“ heißt sie in etwas angestrengter Vieldeutigkeit, auch hinauszulaufen: dass nämlich dieser Eichinger, mit seiner Leidenschaft, seinem Größenwahn, seiner unzähmbaren Lust, va banque zu spielen, eine Figur war, so groß und abgründig und faszinierend, wie es die Figuren in seinen Filmen eher selten waren oder nie. Dass also die Geschichte seines Lebens so viel Tiefe und Wahrheit hat, dass die Filme daneben ein bisschen flach aussehen.

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