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: Der Querulant

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Schon während des ersten Telefonats fällt ihr Name. Ob ich nicht am Donnerstagabend zu einer privaten Lesung aus seinem neuen Buch kommen wolle, fragte Klaus Rainer Röhl, danach gebe es griechische Vorspeisen, selbstgemacht, von seiner Lebensgefährtin - "sie war übrigens damals der Scheidungsgrund, bei Ulrike".

          Schon während des ersten Telefonats fällt ihr Name. Ob ich nicht am Donnerstagabend zu einer privaten Lesung aus seinem neuen Buch kommen wolle, fragte Klaus Rainer Röhl, danach gebe es griechische Vorspeisen, selbstgemacht, von seiner Lebensgefährtin - "sie war übrigens damals der Scheidungsgrund, bei Ulrike". Röhl, der nächstes Jahr achtzig wird, hat eine helle, frische Stimme. Er spricht diesen Vornamen mit einer maximalen Unbefangenheit aus, als handele es sich um eine gemeinsame Bekannte. Ganz falsch ist das nicht. Niemand, jedenfalls kein erwachsener deutscher Zeitungsleser, wird fragen: Welche Ulrike?

          Röhl war Partner in einer der bestdokumentierten deutschen Ehen, leider in einer denkbar unvorteilhaften Rollenzuschreibung. Die Ulrike war die Lichtgestalt, tragisch verführt, er aber wahlweise Röhl das Schwein, Röhl der Arsch, Röhl der Verräter. Das geht den Leuten derart flott von den Lippen, ich habe diese Zusätze zu seinem Nachnamen unzählige Male gehört, von Leuten, die ihn gar nicht kannten. Röhl hat sich, um diese Titel zu verdienen, auch manches einfallen lassen. Als seine Tochter, die Journalistin Bettina Röhl, ein Buch über ihre Eltern schrieb, in dem sie seine Rolle einigermaßen fair darstellte, bat er sie, ihn etwas weniger positiv darzustellen, die Glaubwürdigkeit des Buches würde sonst darunter leiden. Röhl, dessen Familie aus Danzig vertrieben wurde, betont seit Jahren seine Zugehörigkeit zur Rechten. Wenn die Meinhof-Bewunderer wasserscheu wären, würde er Rekordversuche im Ärmelkanaldurchschwimmen veranstalten.

          Das Haus in einem ruhigen Kölner Viertel, in dem er seit über einem Jahrzehnt wohnt, ist das Echo einer anderen Villa, der in Blankenese, in der der Aufstieg des Ehepaares Röhl als erfolgreiche Macher der linken, zunächst mit DDR-Bargeld finanzierten, später selbständigen Zeitschrift "Konkret" begann und die später durch ein von Ulrike Meinhof bestelltes Kommando verwüstet wurde. Die Leute sollten Röhl umbringen, er war aber nicht zu Hause. Meinhof tauchte ab, die Kinder wurden entführt. Die Exfrau als Staatsfeind Nummer eins. Viele Männer empfinden das so, keiner hat einen solchen Albtraum wirklich erlebt. Und wie lebt man danach?

          Etwas Terror

          Ich bin etwas zu spät, nicht der Autor öffnet die Tür, sondern die elegante Hausherrin, die mich in einen Salon führt. Ein kleines Zimmer mit dunkelblauen Wänden, mit wenigen Biedermeiermöbeln eingerichtet, ungefähr 25 Personen sind da, ein bürgerliches Publikum, von dem die Berliner Salonnostalgiker immer träumen - elegante Damen, die Herren alle mit Krawatte, außer einem: Röhl. Er sitzt im dunklen Pullover hinter einem extrabreiten schwarzen Lesetisch, neben ihn hat jemand eine kleine Vase mit zartrosa Blüten plaziert. Zwei goldene Ketten hängen von den Bügeln seiner Lesebrille herab und rahmen das bekannte, leicht windschiefe Gesicht ein.

          Während ich mich rasch neben ein zierliches Schränkchen zwänge, liest Röhl Frechheiten gegen die Linkspartei vor. Die erste Überraschung: Es geht ihm um den Spaß an der Satire, nicht um die Vernichtung des Gegners. Dann erhebt er seine Stimme: "High sein, frei sein / etwas Terror muss dabei sein!" Gekicher. Röhl äfft den Slogan nicht nach, er deklamiert ihn lustvoll, gerade weil er in dem schönen Raum vor dem würdigen Publikum so unpassend verhallt. "Terror / Haschisch / Meskalin / Für ein freies Westberlin!"

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