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Der Mann in der Krise : Ein Gockel, der so gerne größer wäre

  • -Aktualisiert am

Frauenbewegung und Feminismus waren so erfolgreich, dass jetzt die Männer in einer Krise stecken, glaubt der Buchautor Walter Hollstein, der sich als Söldner im Krieg der Geschlechter versteht. Muss man(n) seine Warnungen ernst nehmen?

          Vielleicht ist der Autor Walter Hollstein ja so jemand wie Fräulein Kassandra aus dem alten Troja. In seinem Buch „Was vom Manne übrig blieb – Krise und Zukunft des starken Geschlechts“ warnt er uns Männer vor den Gefahren, an die außer ihm und ein paar verstreuten Geistesverwandten wohl noch niemand so recht glauben mag.

          „Der Mann erscheint coram publico heute als verachtenswerte, eher eklige und auf jeden Fall defizitäre Kreatur. Das haben in analytischer Genauigkeit Nathanson und Young exemplarisch belegt.“ Ich bin ein Mann, auch wenn ich noch kein Haus gebaut und noch keinen Baum gepflanzt habe, aber in diesen Worten kann ich mich nicht wiedererkennen.

          Das Übel, das Nathanson und Young in Amerika aufgedeckt haben und das auch uns betrifft, lässt sich folgendermaßen beschreiben: Die negativen Bilder von Männlichkeit, die der Feminismus verbreitet hat, wurden zunächst von der elitären, intellektuellen Kultur übernommen und haben sich inzwischen in der Populärkultur massiv verbreitet. So steht es jedenfalls in Hollsteins Buch. Doch an diesem Beispiel erkennt man gut, auf welch wackligen Füßen so eine Argumentation steht. Man könnte es ja zum Beispiel auch als Zeichen von Souveränität deuten, wenn Männer sich über sich selbst lustig machen können, aber auf die Idee kommt der Autor erst gar nicht.

          Bitte alles aufdecken!

          Männer und Frauen sind so verschieden wie Katholiken und Protestanten, wie Bayern und Franken, wie Maurer und Dachdecker, wie Hunde und Katzen, wie Mars und Venus. Vieles wird besser, wenn es Männer und Frauen gemeinsam miteinander versuchen, zum Beispiel der Abend beim Tango. Das Zusammenleben der Geschlechter ist kein Nullsummenspiel. Es gibt aber auch Ressourcen, die zwischen Männern und Frauen aufgeteilt werden müssen. Was die einen bekommen, kriegen die anderen nicht. Wenn die Stadt ein Frauenhaus finanziert, dann fehlt vielleicht das Geld für die Männergruppen. Wenn beide Seiten gleich laut jammern, dann ist der Gerechtigkeit oft schon Genüge getan. Dieser Diskurs erfolgt auch über das Schreiben von Büchern, und das Buch von Hollstein ist eines davon. Er könnte aber ruhig etwas phantasievoller jammern.

          Hollstein ist ein Männerforscher. Er hat dem Thema Mann einen großen Teil seiner Lebensarbeit gewidmet. Seine zentrale These besagt, dass die Frauenbewegung und der Feminismus so erfolgreich waren, dass jetzt die Männer in einer Krise stecken und dass diese Krise dem öffentlichen Bewusstsein noch weitgehend verborgen geblieben ist. Dahinter verbergen sich mindestens drei Annahmen: Erstens haben die Frauen – zumindest vorläufig – die Männer übertrumpft. Zweitens ist das schlecht, und es gibt triftige Gründe, mit der Gesamtsituation unzufrieden zu sein. Drittens ist das alles längst noch nicht so bekannt, wie es sein sollte, und muss schonungslos aufdeckt werden.

          Himmelschreiendes Unrecht

          Der Versuch, sich mit diesen Thesen auseinanderzusetzen, gleicht allerdings dem sprichwörtlichen Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Hollstein hat Berge von Informationen angehäuft. Wenn man über Jahre die einschlägige Literatur studiert, wenn man die Entwicklung in Film und Fernsehen beobachtet, Frauenzeitschriften und Romane liest, dann kommt natürlich viel zusammen. Nehmen wir mal als Beispiel das Sorgerecht. Dieses Beispiel ist so typisch für das Buch wie die einzelne Kugel für ein Maschinengewehrfeuer.

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